Dienstag, 15. Oktober 2019

Euro-Rettung Die Repressions-Rally

"Die Schutzmauer muss spätestens vor Italien stehen", sagt Bert Flossbach. "Sonst wäre auch Frankreich weg - und wir auch"

2. Teil: Finanzielle Repression als letzter Ausweg

"Also bleibt als letzte Möglichkeit die finanzielle Repression", sagt Flossbach. Dabei hält ein Staat die Zinsen niedrig, trotz einer (oft verdeckt) hohen Inflation. So seien auch die USA nach dem zweiten Weltkrieg ihre hohen Schulden losgeworden. "Vielen Ländern - Japan allen voran, auch den USA mit 100 Prozent Staatsverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), und auch Europa - bleibt nur die Monetarisierung der Schulden, also das Gelddrucken", sagt Flossbach. Denn wenn der Wert des Geldes sinkt, dann sinkt auch der reale Wert der Schulden.

Für Sparer und Vermögensbesitzer bedeutet das allerdings, dass sie Geld verlieren - und das ist schon heute der Fall für Käufer von Bundesanleihen, die selbst bei einer Laufzeit von zehn Jahren nur 2,1 Prozent Rendite bringen. "Wir haben jetzt einen massiv negativen Realzins - deutlich unter der offiziellen Inflationsrate von drei Prozent, und die inoffizielle Inflationsrate dürfte noch höher sein. Mit risikoarmen Investments wie deutschen Staatsanleihen verlieren Anleger also Geld", sagt Flossbach - und erkennt darin die ersten Auswirkungen der finanziellen Repression.

"Das bedeutet schon ein echtes Entsparen - und so etwas kann lange dauern", warnt er. "Denn die Zinsen müssen lange niedrig bleiben, sonst gibt es Staatspleiten. Italien kann sich keine hohen Zinsen leisten."

"Aktien in Zeiten finanzieller Repression besser als Zinsen oder Sparstrumpf"

So gesehen ist auch der Kurssprung vom Donnerstag bereits eine Auswirkung der Politik der finanziellen Repression und der Euro-Rettung um jeden Preis. Denn die sorgt für Geldentwertung, macht also Sachwerte wie Aktien vergleichsweise attraktiv - trotz mauer Wirtschaftsaussichten.

Flossbach empfiehlt Anlegern als langfristige Strategie daher dividendenstarke Aktien mit krisenfestem Geschäftsmodell wie die Konsumtitel Nestlé Börsen-Chart zeigen, Colgate Börsen-Chart zeigen, Coca-Cola Börsen-Chart zeigen sowie Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen. "Das bringt vielleicht nicht den großen realen Wertgewinn. Aber Aktien sind in Zeiten der finanziellen Repression besser, als Zinsen oder der Sparstrumpf."

Aktuell hält sich Flossbach bei seinen Investments allerdings am Aktienmarkt noch zurück, weil er einen weiteren Rückschlag erwartet hatte. "Vielleicht waren wir da zu pessimistisch", räumt er ein. Denn wenn vielen Anlegern jetzt klar wird, dass Aktien zwar nicht der schnelle Weg zum Reichtum sind, aber Schutz vor den Übergriffen der Politik auf die Privatvermögen bieten, hat die Repressions-Rally vielleicht schon begonnen.

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