Frauenfußball-WM Japans Titeljagd beschert TV-Spitzenquote

Königin Fußball hat am Sonntag den Fernsehabend beherrscht: Mehr als 15 Millionen Zuschauer verfolgten das Endspiel der Frauenfußball-WM und freuten sich mit den Japanerinnen über ihren Sieg gegen die USA. In Japan wurde nach dem Gewinn des WM-Titels ausgelassen gefeiert.
Japanische Nationalspielerinnen: Erstmals Weltmeister im Frauenfußball

Japanische Nationalspielerinnen: Erstmals Weltmeister im Frauenfußball

Foto: AP

Berlin/Tokio - Den Sieg der Japanerinnen über die USA sahen am Sonntagabend im Schnitt 15,34 Millionen Zuschauer - der Marktanteil lag bei 46,6 Prozent. Damit verfolgte fast jeder zweite Fernsehzuschauer am Abend die Partie, die die Japanerinnen nach einem 2:2 nach Verlängerung mit 3:1 im Elfmeterschießen gewannen. Wie Zahlen von Media Control zeigten, interessierten sich mehr Männer ab 14 Jahren (8,13 Millionen) als Frauen (6,89 Millionen) für das Endspiel.

Es war die beste Quote für ein Frauenfußballspiel ohne deutsche Beteiligung. Bei den vier WM-Begegnungen der deutschen Nationalelf hatten zwischen 15,41 und 17,01 Millionen Zuschauer vor den Fernsehern gesessen.

Erdbeben- und Tsunamikatastrophe für einen Moment vergessen

In Japan löste der Gewinn des WM-Titels im ganzen Land Jubel aus: "Ich freue mich aus tiefstem Herzen, gerade jetzt, da Japan so harte Zeiten durchmacht. Danke", lautet eine von vielen begeisterten Reaktionen im japanischen Twitter-Dienst. Der Sieg der Frauen bei der Fußball-WM im fernen Deutschland hilft Japan zumindest für einen Moment, die vergangenen Monate seit dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in der nordöstlichen Region Tohoku zu vergessen. "Danke, dass Ihr an die Gefühle der Menschen in Tohoku gedacht habt. Danke, dass Ihr Japan Hoffnung gegeben habt", twittert ein begeisterter Fan.

Auch japanische Fernsehsender überschlugen sich am frühen Morgen vor Freude über den Sieg. Immer wieder strahlten sie die schönsten Spielszenen und den in den Himmel über Deutschland gestreckten Siegerpokal in die Wohnzimmer der Nation. Kameras in den Heimatorten der Spielerinnen zeigten das Wechselbad der Gefühle der daheimgebliebenen Angehörigen und Fans in blauen Trikots, als sie vor dem Fernseher das Final-Drama verfolgten. Sie jubeln, schreien und weinen. "Historische Leistung" stand auf einem Plakat im Studio eines japanischen Privatsenders. "Sie haben uns gezeigt, wie es wichtig ist, nicht aufzugeben", kommentierte ein Sprecher des Senders NHK.

"Japan ist eins geworden"

Alte und junge Menschen fielen sich in die Arme. "Ich habe das Gefühl, Japan ist eins geworden", twittert jemand begeistert seine Freude hinaus. Noch nie genossen Japans Fußball-Frauen so viel Aufmerksamkeit. Schon in den Tagen vor dem Finale war die Erwartung in der Heimat gestiegen. Nach dem Sieg gegen Schweden organisierten Reisebüros plötzlich schnell noch Gruppenreisen zum Endspiel - mit Erfolg, wie es heißt. Trikots mit den Namen der Spielerinnen und andere Fanartikel waren überall ausverkauft. Auch der unter Rücktrittsdruck stehende Regierungschef Naoto Kan soll sich laut Medienberichten kurz überlegt haben, ob er nicht auch nach Deutschland fliegen und das Endspiel anschauen soll, verzichtete am Ende aber darauf, wie die Tageszeitung "Yomiuri Shimbun" berichtete.

"Wir haben Selbstvertrauen und ich glaube, es ist langsam Zeit, dass der Fußballgott uns einen Sieg gönnt", wurde Nationaltrainer Norio Sasaki kurz vor dem Endspiel zitiert. Ein Fischhändler auf dem weltberühmten Tokioter Fischmarkt Tsukiji nannte einen seiner Kraken - nach deutschem Beispiel - "Paul der Dritte" und ließ ihn orakeln, wer das Endspiel gewinnen werde. In einem Aquarium legte der Fischer zwei Töpfe aus, dahinter die Fahnen der USA und Japans. Prompt kroch der Krake in den Topf für Japan. "Klasse! Wenn es den Menschen in den Katastrophengebieten wenigstens etwas Mut und Hoffnung verleiht, freue ich mich. Danke!", bringt es ein Twitterer auf den Punkt.

mg/dpa-afx
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