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Cannes-Gala: Kniefall und Küsschen

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS

Cannes Film des Skandal-Regisseurs ausgezeichnet

Der hoch philosophische Film "The Tree of Life" von Terrence Malick spaltete in Cannes das Publikum. Die Jury um Robert de Niro war jedoch begeistert und ehrte das Werk mit dem Hauptpreis, der Goldenen Palme. Auch der Film des umstrittenen dänischen Regisseurs Lars von Trier erhielt eine Auszeichnung.

Cannes - Der US-Regisseur Terrence Malick hat beim 64. Internationalen Filmfestival in Cannes seine erste Goldene Palme gewonnen. Sein philosophisches und spirituelles Drama "The Tree of Life" erhielt am Sonntagabend die höchste Auszeichnung des wichtigsten Festivals der Welt. In dem zweieinhalbstündigen Werk mit Brad Pitt und Sean Penn verbindet der 67-jährige Regisseur die Geschichte einer Familie mit imposanten Naturaufnahmen zur Schöpfung der Erde.

Die Jury unter Vorsitz ihres Präsidenten Robert De Niro wählte das epische Werk aus 20 Filmen im Wettbewerb aus. Die Entscheidung kam nicht überraschend, doch das anspruchsvolle, schwer zugängliche Epos gehörte zu den umstrittenen Filmen in der insgesamt starken Konkurrenz. "Wir fanden, dass das ein Film war, der in seiner Bandbreite und seinen Absichten die beste Wahl für die Goldene Palme war", sagte De Niro nach der Gala. Die Entscheidungen seien nicht immer einfach gewesen. "Manchmal hatten wir unterschiedliche Geschmäcker, aber wir hatten viel Spaß zusammen."

"The Tree of Life" (Der Baum des Lebens) ist der fünfte Film des Regisseurs, der bei den Filmfestspielen in Cannes 1979 für "In der Glut des Südens" bereits den Preis für die Beste Regie gewonnen hatte. Zur feierlichen Preisvergabe am Sonntagabend kam Malick allerdings nicht - er gilt als äußerst scheu.

Der Grand Prix der Jury ging zu gleichen Teilen an den Türken Nuri Bilge Ceylan für "Once Upon a Time in Anatolia" und an die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne für "The Kid with a Bike". Die Dardenne-Brüder wurden in den Vorjahren bereits mit zwei Goldenen Palmen geehrt - 1999 für "Rosetta" und 2005 für "Das Kind". Ceylan hingegen hatte in Cannes schon einmal den Großen Preis der Jury gewonnen: im Jahr 2003 für "Uzak - Weit". Fünf Jahre später (2008) folgte die Auszeichnung für die Beste Regie bei "Drei Affen".

Kirsten Dunst ist beste Darstellerin

Hollywoodstar Kirsten Dunst, die bislang eher mit Blockbustern wie "Spider-Man" ihre größten Erfolge feierte, freute sich über die Auszeichnung als beste Darstellerin. In dem Weltuntergangsszenario "Melancholia" des Dänen Lars von Trier spielt sie überzeugend und intensiv eine junge Frau, die unter Depressionen leidet. Ihre Krankheit lähmt sie - bis die Apokalypse droht. Während alle anderen Menschen um sie herum in Panik verfallen, wird sie immer ruhiger.

Regisseur von Trier hatte beim Festival mit provokanten Äußerungen zu Hitler und den Nazis für einen Skandal gesorgt und war zur "unerwünschten Person" erklärt worden. Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die das Werk gefördert hatte, gratulierte der "großartigen" Dunst - und der Jury. "Der Jury gebührt großer Respekt, hat sie doch mit ihrer Entscheidung unabhängige Urteilskraft bewiesen", erklärte Geschäftsführerin Petra Müller. Die Auszeichnung zeige "wie sehr "Melancholia" als Film zu überzeugen vermochte - trotz der Turbulenzen der vergangenen Tage".

Der Preis für den besten Darsteller ging an den 38 Jahre alten Franzosen Jean Dujardin für den charmanten Schwarzweiß-Film "The Artist". Das Werk des Franzosen Michel Hazanavicius ist als schwarz-weißer Stummfilm eine Hommage an das Kino vergangener Zeiten. Der Preisträger Dujardin hielt seine Dankesrede in Anlehnung an seine Rolle dann auch kurz: "Ich werde nichts mehr sagen, denn das scheint zu gefallen."

Der Drehbuchpreis ging an "Footnote" des israelischen Regisseurs Joseph Cedar, der Preis der Jury an das Polizeidrama "Polisse" der Französin Maïwenn. Von Triers dänischer Kollege Nicolas Winding Refn wurde für "Drive" als bester Regisseur ausgezeichnet. Die Camera d'Or für den besten Debütfilm wurde an das Werk "Las acacias" des argentinischen Regisseurs Pablo Giorgelli verliehen.

Aliki Nassoufis, dpa