Adelsfamilie Wettin Millionenentschädigung für Porzellan

Der Freistaat Sachsen zahlt der Adelsfamilie Wettin rund 4,2 Millionen Euro Entschädigung für Porzellan, das einst zwangsverstaatlicht wurde. Die Einigung könnte der Anfang einer großen Entschädigungswelle sein.
Meissener Porzellan: Diese Tierplastiken wurden auch zwangstaatlicht

Meissener Porzellan: Diese Tierplastiken wurden auch zwangstaatlicht

Foto: epa Christies London Handout/ picture-alliance/ dpa

Dresden - Die Adelsfamilie Wettin erhält von Sachsen 4,2 Millionen Euro im Gegenzug für Porzellane. Ein entsprechender Vergleichsvertrag ist am Donnerstag in Dresden unterzeichnet worden. Auch die Staatliche Porzellan Manufaktur Meissen ist in die Vereinbarung eingebunden.

Mit dem Vertrag ist der Restitutionsstreit mit der früheren Herrscherfamilie zumindest in einem Teil beigelegt. Bis Ende 2012 soll es eine endgültige Einigung über alle Kunstschätze geben. Die Wettiner beanspruchen auch noch Gemälde, Bücher und Möbel. "Um diese weiteren Verhandlungen nicht zu gefährden, halten die Parteien an ihrer bisherigen Verschwiegenheitsabrede fest", hieß es.

Sachsen sieht nunmehr "Rechtssicherheit und Rechtsfrieden für den Bereich der Porzellane". Damit seien sämtliche Ansprüche des Hauses Wettin (Albertinische Linie) hinsichtlich der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), der Manufaktur Meissen sowie aller historischen Porzellane des Freistaates insgesamt abgegolten.

"Der Vergleich sichert den Verbleib hochrangiger Kunstwerke und Zeugnisse sächsischer Kunst und Wissenschaft in staatlichen Museen und Einrichtungen, insbesondere den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden", erklärten Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) und CDU-Finanzminister Georg Unland.

Die Staatlichen Kunstsammlungen nahmen die Vereinbarung mit großer Erleichterung zur Kenntnis. Die Sicherung der Porzellane für die Sammlungen sei von "immenser kulturpolitischer Bedeutung", betonte deren Generaldirektor Martin Roth. Damit könne die Porzellansammlung der SKD ihren Ruf als eine der umfangreichsten und bedeutendsten keramischen Spezialsammlung der Welt sichern.

Die Kunstsammlungen Dresden prüfen seit 2006 von den Wettinern erhobene Ansprüche auf Kunstschätze. Das Haus Wettin hatte bereits 1999 einen Vertrag mit dem Freistaat über die Rückgabe von rund 18.000 Objekten geschlossen. Zwei Drittel davon kaufte das Land zurück, die Erben erhielten damals 10,9 Millionen Mark in bar sowie Immobilien im Wert von 12,6 Millionen Mark, was insgesamt etwa 12,1 Millionen Euro entspricht. Eine Öffnungsklausel im Vertrag machte weitere Ansprüche möglich. 2006 erhielten die Wettiner bereits mehrere wertvolle Figuren aus Meissener Porzellan zurück. Einige davon wurden kurz darauf in London mit Millionenerlös versteigert.

mg/dpa
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