Montag, 23. September 2019

Prävention Vier Stufen für ein langes Leben

Entspannung: Wenn es im hektischen Büroalltag denn so einfach wäre

Das Burnout-Syndrom ist eine weit verbreitete Krankheit unserer hektisch gewordenen Zeit. Der Präventionsmediziner Christoph M. Bamberger erklärt in einem Vortrag der manager-lounge, in welcher Branche man davon besonders stark gefährdet ist - und wie man sich dagegen schützt.

Hamburg - Am 4. August 1997 starb die Französin Jeanne Louise Calmert. Sie wurde 122 Jahre und 164 Tage alt. Länger lebte bislang kein anderer Mensch. Was ihr Geheimnis war, ein solch hohes Alter zu erreichen, weiß niemand genau. "Calmert hat fast jeden Tag Rotwein getrunken und bis zu ihrem 119. Lebensjahr sogar geraucht", sagt Christoph M. Bamberger, "doch am Ende hatte sie wohl einfach das richtige Los in der Lebenslotterie gezogen." Alles nur eine Frage des Glücks - eben nicht, sagt der Präventionsmediziner.

Vielmehr verweist Bamberger, Direktor des Medizinischen Präventionscentrums Hamburg (MPCH) im Rahmen eines Vortrags vor Mitgliedern der manager-lounge auf eine griechische Studie. Derzufolge sind "eine natürliche Grundgelassenheit und ein fehlendes Karrierestreben" hilfreich, um möglichst lange gesund zu bleiben. Leicht gesagt, denn genau diese etwa lässige Einstellung können sich Berufstätige heute nicht mehr leisten. Deshalb rät Bamberger zur regelmäßigen Prävention, um mögliche Krankheiten möglichst früh entdecken und heilen zu können.

Zu den allgemein bekannten positiven Ratschlägen "Vorsorge, Bewegung, mediterrane Ernährung und Stressintelligenz" gehört auch die Vermeidung der negativen Risikoerhöhern, von "Rauchen, Übergewicht, übermäßigem Alkoholkonsum und negativer Stress." Genau dort setzt Bambergers Vier-Stufen-Modell an: Neben Vorsorge und Früherkennung spielen die Optimierung des Lebensstils, Medikamente und Hormone sowie ein psychologisches Wohlbefinden eine wichtige Rolle.

Alle diese Faktoren sollten stets jedoch individuell auf jede einzelne Person abgestimmt werden. "Ein Zukunftstrend ist die individualisierte Medizin, die noch ein Schattendasein führt", so Bamberger. "Jeder Mensch reagiert nicht nur anders auf Tabletten, sondern auch auf Lebensmittel", berichtet Bamberger: "So gibt es Leute, die oft fettig essen, doch keine Probleme mit Cholesterin haben, genauso wie Menschen, denen trotz der täglichen Flasche Wein keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen werden können. Umgekehrt jedoch reagieren andere Menschen dort wiederum sehr sensibel."

Das MPCH bietet daher eine individuelle Untersuchung an und setzt dabei auf eine Kombination aus universitärem Niveau und hotelähnlichem Ambiente, also ohne die unbeliebte Konfrontation mit der Akutmedizin eines Krankenhauses. "Ein Komplettcheck dauert bei uns vier Stunden und liefert eine animierte Befundbesprechung", sagt Bamberger. Bei dieser Reise durch den eigenen Körper sieht jeder Untersuchte auf dem Screen: "Das bin ich". Und das kann laut Bamberger schnell zu einer Optimierung des Lebensstils motivieren.

Bei allen technisch möglichen Untersuchungen appelliert der Internist und Hormonexperte an das, was er Plausibilität nennt. "Der gesunde Menschenverstand sollte entscheiden - denn nicht alle Erkrankungen sind durch Vorsorge gleich gut erfassbar. Sehr gut geht das bei Arteriosklerose oder auch bei einigen Tumorarten. Weniger Erfolg versprechen dagegen Vorsorgeuntersuchungen bei zu schnell wachsenden Tumoren wie Lungenkrebs." Umsonst ist das nicht.

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