Freitag, 23. August 2019

Trend-Kolumne Gnadenlose Transparenz

Ein Fenster ins Unternehmen: Wenn Mitarbeiter auf Facebook kommunizieren, ist das eine große Chance zur Außendarstellung

Facebook hat mittlerweile die 500-Millionen-Marke an Nutzern geknackt und wächst weiterhin stetig. Soziale Netzwerke spielen eine zunehmend größere Rolle in der Alltagskommunikation der Mitarbeiter. Unternehmen stellt das vor eine große Herausforderung.

Auf der einen Seite wollen Unternehmen ihre Innovationskraft erhöhen und wissen: Wie klug, innovativ und zukunftsfähig ein Unternehmen in der Kreativ-Ökonomie sein wird, hängt entscheidend davon ab, wie frei das Wissen zirkulieren und der kommunikative Austausch stattfinden darf. Dafür bieten soziale Netzwerke den geeigneten Nährboden. Und warum sollten Mitarbeiter in zwei getrennten Wissens- und Kommunikationswelten leben?

Auf der anderen Seite will das Management die Zügel nicht aus der Hand geben. Doch was in den sozialen Netzwerken passiert, lässt sich nicht steuern. Wie es überhaupt immer schwieriger wird, in einer vernetzten Welt, Information und Kommunikation dirigistisch zu kontrollieren. Das gilt für die Entscheider in der Politik wie für die Größen der Wirtschaft.

Manager müssen in Zukunft den Kontrollverlust managen - und tun sich bisweilen schwer dabei. Man betrachtet mit Argwohn, wenn Mitarbeiter während der Arbeitszeit sich in sozialen Netzwerken tummeln. Suchen sie womöglich auf Xing einen neuen Job? Klönen sie nur mit einem alten Schulfreund? Oder sind sie womöglich doch auf der Suche nach einem Experten, der an dem geplanten Innovations-Workshop teilnehmen soll?

Diese Fragen lassen sich nicht beantworten. Die Konsequenzen, die Unternehmen daraus ziehen, sind unterschiedlich: Das Management von Porsche hat seinen Mitarbeitern jüngst aus Angst vor Betriebsspionage verboten, während der Arbeitszeit soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen. Ausländische Geheimdienste würden Social Networks nutzen, um an Insider-Informationen heranzukommen.

Was lässt mich mit einem Verbot verhindern - außer der Motivation?

Man fragt sich, ob die Geheimdienste diesen Interessen nach Feierabend nicht mehr nachgehen. Was lässt sich mit so einem Verbot also verhindern - außer der Motivation der Mitarbeiter? Die junge Arbeitskräfte-Generation ist mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken aufgewachsen. Sie will sich mitteilen - und zwar ständig und in Echtzeit.

E-Mail ist für sie ein altmodisches Medium, das kurz vor dem Aussterben steht. Kommunikation organisieren sie über Instant-Messaging und Chats, die immer häufiger in Social Networks eingewebt sind. Verbietet man ihre Nutzung, fühlt sich die Generation Facebook so, als würde sie von der Sauerstoffzufuhr getrennt.

Wie die aktuelle Studie "Future Company" des Zukunftsinstituts berichtet, sieht ein Drittel der Unternehmen in Europa höhere Risiken als Chancen darin, den Mitarbeitern mehr Freiheiten in der Nutzung von Technologien zu lassen. Nur 45 Prozent der Unternehmen in Deutschland gestatten ihren Mitarbeitern die Nutzung von Social-Media-Diensten während der Arbeitszeit. Sechs Prozent sperren ihren Mitarbeitern sogar den Zugang zu Twitter, Facebook und Co. Das Management muss sich erst noch daran gewöhnen, dass ihre Firmen offener werden und es akzeptieren, dass ihre Mitarbeiter Informationen nach draußen tragen.

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