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Königliches Prestigeprojekt: Das "Royal Mansour" in Marrakesch

Foto: Jean Bernard Yaguiyan

Luxushotels in Marrakesch Königliches Vergnügen

Märchenhaft und geheimnisvoll, abenteuerlich und glamourös. Marrakesch war schon immer ein Traumziel für Globetrotter. Jetzt wird die Perle des Orients spektakulär neu inszeniert - und die Königsfamilie mischt kräftig mit.
Von Deborah Knür

Marrakesch - "Verzaubert sollt ihr sein, Inschallah!" Die kehlige Stimme kam wie aus dem Nichts; aus den dichten Dampfschwaden der Garküchen, die sich auf dem flirrenden Asphalt aneinanderreihen, aus dem Meer der Farben und betörenden Gerüche, der rhythmischen Trommelschläge der Gnaoui-Musiker und dem Singsang der Geschichtenerzähler; aus diesem Crescendo der Sinnlichkeit, das nach Sonnenuntergang den Pulsschlag des Djemaa el Fna bestimmt, Platz der Gaukler und das märchenhafte Herzstück Marrakeschs.

Der Zauber des Orients mag ein bisschen touristischer geworden sein, aber seine Anziehungskraft ist noch so ungebrochen wie in den Sechzigerjahren, als die Hippies sich auf den Dachterrassen der Medina in Haschisch-Nebel und Dschellabas hüllten. Später kamen der internationale Jetset, Modeschöpfer und ihre Musen, alltagsmüde Manager auf der Suche nach kalkulierbarem Abenteuer und günstigen Riads - und dann lange nicht mehr viel.

Bis im vergangenen Jahr die Hotel-Legende "La Mamounia" prunkvolle Auferstehung feierte, und kürzlich sogar Hollywood mit dem "Sex and the City"-Zirkus am Fuße des Atlas-Gebirges zum Dreh einflog. Marrakesch ist im wohl größten Wandel seiner fast 1000-jährigen Geschichte begriffen, und der ist staatlich geplant. Mit einem beispiellosen Investitionsprogramm hat König Mohammed VI. der Wüstenstadt Wohlstand und Luxus-Tourismus verordnet. Mit Erfolg: Alle international bedeutsamen Top-Hotels haben Eröffnungen in der "Perle des Südens" angekündigt. Die ersten beiden - landeseigenen - sind bereits am Start.

Das "Royal Mansour", das erst im Juli eröffnete, ist das Prestigeprojekt und im Besitz des Staatsoberhaupts. Aber die Bezeichnung Hotel ist eine maßlose Untertreibung für die Palast-Stadt, die aus 53 luxuriösen Riads besteht, den prachtvollen marokkanischen Villen mit je 140 bis 2500 Quadratmetern auf drei bis vier Stockwerken, einem Patio mit plätscherndem Brunnen, Pool auf der Dachterrasse und persönlichem Butlerservice rund um die Uhr. Selbst der ist einzigartig, da meist unsichtbar: Das Personal (insgesamt 400) versorgt die Riads über ein System aus geheimen Gängen.

Die Bibliothek wird auf Knopfdruck zur Sternwarte

Es ist das luxuriöseste, aufwendigste, prächtigste und spektakulärste Hotel, das Marokko je gesehen hat, und der teuerste Baukomplex sowieso. Heerscharen marokkanischer Künstler und Handwerker haben jahrelang Hölzer geschnitzt und Intarsien gemeißelt, Silber geschmiedet und Wände bemalt, glänzende Steine für unzählige Mosaike geformt und kostbarste Stoffe für Tausende bunte Kissen gewebt.

Alles, aber auch wirklich alles ist handgefertigt, sogar das 2,5 Tonnen schwere Eingangsportal. Allein der hoteleigene Fuhrpark ist ein solides deutsches Industrieprodukt. Einen Luxus-Spa mit Pools, Hamam und Chanel-Kabine gibt es auch, außerdem eine "Smokers Lounge" mit erstklassigem Zigarrensortiment und eine Bibliothek, deren Dach sich wie alle technischen Funktionen per Touchscreen bedienen und öffnen lässt und den Raum zur Sternwarte macht.

Für die drei Restaurants hat Yannick Alléno ("Le Meurice", Paris) das kulinarische Konzept entwickelt. In der französischen Gourmetabteilung "La Grande Table Française" lässt Jérôme Videau ("Sofitel Le Faubourg", Paris) unter opulenten Lüstern französische Haute Cuisine wie Langustinen mit gefüllten Zucchini, gebratene Foie gras mit Kirschen und Bourbon-Vanille, Steinbuttfilet mit Artischocken-Frikassee und Calamari oder Milchlamm mit Paprika-Kartoffeln servieren.

Der junge, engagierte Service ist mächtig stolz und bisweilen noch sehr ehrfürchtig, im Dienst des Königs zu stehen. Im "La Grande Table Marocaine" wird Marokkanisches modern zubereitet, wie die Languste mit Avocado-Tatar und Karotten- Orangen-Sud, oder traditioneller wie die geschmorte Schulter vom (etwas reiferen) Lamm mit marokkanischen Gewürzen, Auberginen und frischem Ingwer. Die Desserts wie gebackene Banane in Erdnusskruste mit geeister Mousse von karamellisierter Kokosmilch sind die Versuchung schlechthin.

Patisseriefreuden und Feilschen im Souk

Das wahre Paradies für Cremetörtchen, Petits Fours und Schokoträume ist nur einen Steinwurf entfernt. Die Garten-Patisserie "Le Menzeh" im "La Mamounia" ist das Epizentrum aller süßen Verlockungen. Das Hotel, das im September 2009 eröffnete, steht in Sichtweite des "Royal Mansour" und auch innerhalb der mächtigen Mauern der Medina. Dazwischen liegen nur ein Park und ein Areal, auf dem Marokkos neueste Einkaufsmeile entsteht - die größte, luxuriöseste und prächtigste mit Chanel, Gucci und allem, was der internationale Jetset sonst noch so verlangt.

Wir verirren uns lieber im verwinkelten Labyrinth der Souks, das gleich hinter dem Djemaa el Fna beginnt, sehen Kunsthandwerkern bei der Arbeit zu, kaufen bunte Ledertaschen und noch buntere Babouches, die marokkanischen Pantoffeln, über deren aufdringliches Glitzern sich zu Hause bald milde eine Staubschicht breiten wird. Wir schnuppern an duftenden Gewürzen und triumphieren nach gnadenlosem Feilschen, wohl ahnend, dass der wahre Sieger doch immer derselbe ist.

Und wenn wir dann später durch das Tor in die Stille des "La Mamounia" entfliehen, bleiben Stimmengewirr und Straßenlärm außen vor. Nur der Ruf des Muezzin schallt über die Palmen im 70.000 Quadratmeter großen Park. Drei Jahre wurde der legendäre Hotelpalast aus dem 18. Jahrhundert, in dem Könige und Staatsgäste residierten und Alfred Hitchcocks "Der Mann, der zuviel wusste" entstand, erneuert und umgebaut.

Designer Jacques Garcia hat das Art-déco-Ambiente zu neuem Leben erweckt, es geschickt mit moderner Eleganz verbunden und überall imposante Perspektiven geschaffen. Auch hier sind die Zimmer und Suiten prachtvoll und opulent, mit marokkanischen Antiquitäten, eleganten Bädern und moderner Technik ausgestattet. Auch hier reicht die Palette im Spa mit orientalischem Flair vom authentischen Hamam bis zur stylishen Beautyanwendung, und der Fitnesspavillon im Garten mit Glasfront ist ein Erlebnis für sich.

Aromareiche Genüsse aus dem hoteleigenen Garten

Kulinarisch versammelt das "La Mamounia" die besten Restaurants, die das sich endlich auch gastronomisch wandelnde Marrakesch derzeit zu bieten hat. Im "Le Français" sorgt Jean-Pierre Vigato ("Apicius", Paris) für aromareiche Genüsse. Viele Kräuter und Gewürze wachsen im hoteleigenen Garten, in dem selbst Safran gedeiht, Fleisch kommt aus Frankreich, die nussig-frischen Austern stammen aus Dakhla, und Fisch wie der saftige Seebarsch zu feinen Gemüse-Cannelloni wird von Marokkos Küsten geliefert.

Beim Dessert hat Chef-Patissier Richard Bourlon mit "Le Potager" einen Klassiker kreiert: Walderdbeeren und Himbeeren werden mit Tomate und Paprika als eisgekühlte Gazpacho mit Sherryessig, Limettensorbet und Olivenöl zur fruchtig- würzigen Erfrischung. Nebenan hat Don Alfonso ("Don Alfonso 1890", Sant'Agata sui Due Golfi) die Hoheit über das italienische Restaurant "L'Italien". Den Winter über, wenn er in Italien schließt, sorgt der Chef mit seiner Crew höchst persönlich für die Gäste im "La Mamounia". Im "Le Marocain" schließlich wird marokkanische Tradition gepflegt und neu interpretiert, ein stimmungsvolles Restaurant in einem Riad mit orientalischem Flair, Separees, Raucher-Lounge und Bar auf der Dachterrasse.

Und wenn die untergehende Sonne den Turm der Koutoubia- Moschee in mildem Abendlicht leuchten lässt, und uns der frische Duft der Minze aus dem Teeglas in die Nase steigt, hat uns der Zauber Marrakeschs fest in seinen Fängen. Hoffentlich, Inschallah, lässt er uns so schnell nicht wieder los!

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