Fotostrecke

BMW Isetta: Für Schlakse mit leichtem Gepäck

Foto: Ralph Panhuyzen/SE Vehicle

Neuer Kabinenroller Isetta reloaded

Autos sind zu groß und haben die falsche Form. Das jedenfalls ist die Überzeugung des Holländers Ralph Panhuyzen. Er hat daher ein Fahrzeug entworfen, das auf minimaler Fläche Platz für drei bietet. SEV nennt er das Mobil, das an den legendären Kabinenroller erinnert.

Hamburg - "Fiat hat den 500er wiederbelebt, VW den Käfer und BMW den Mini. Wäre es nicht toll, wenn wir jetzt auch einen Nachfolger für die Isetta, den Messerschmitt oder den Heinkel bekämen?", fragt Ralph Panhuyzen. Er bejaht das auch gleich, denn ein intelligenter Kleinstwagen ist nach Ansicht des Holländers bestens geeignet, um die aktuellen Verkehrsprobleme zu lösen.

Alles, was bislang auf den Straßen fährt, ist in Panhuysens Augen nicht nur zu groß, sondern hat auch die falsche Form. "Autos müssen schlanker werden, damit der Platz besser genutzt wird", sagt er. Dann präsentiert er die Skizzen für das SEV - das Space Efficent Vehicle. Die Grundform sieht aus wie ein Tortenstück, insgesamt ist das Gefährt rund einen halben Meter schmaler als normale Autos. Daher können sich zwei dieser raumeffizienten Fahrzeuge eine Fahrspur teilen, sofern sie leicht versetzt dahin rollen. Und auf dem Parkplatz lassen sich die Mobile ähnlich platzsparend parken wie eben Kuchenstücke auf einem Teller.

Das SEV sei sicher und komfortabel wie ein Auto, zugleich aber wendig und platzsparend wie ein Motorrad. "Das beste aus zwei Welten eben", sagt der Erfinder. Die Grundidee war in den fünfziger Jahren schon einmal populär. Denn auch BMW Isetta oder Messerschmitt Kabinenroller waren nicht viel mehr als Motorräder mit Karosserie drumrum.

An die Isetta erinnert das SEV, weil es vorne breiter ist als hinten. Allerdings gibt es, anders als beim Original, links und rechts zwei konventionelle Türen und am Heck nur ein Rad. Das allerdings ist so groß und breit, dass jeder Harley-Fahrer vor Neid erblassen würde. Der Vergleich mit dem Messerschmitt Kabinenroller passt, weil das SEV 3,80 Meter lang ist und nur 1,45 Meter breit. Die drei Sitzplätze sind versetzt hintereinander angeordnet.

Bei 700 Kilo Fahrzeuggewicht reicht ein kleiner Motor

Das SEV soll allerdings nicht nur Platz, sondern auch Sprit sparen. Deshalb ist die Karosserie mit einem cW-Wert von 0,16 strömungsgünstiger als zum Beispiel die des im Windkanal geschliffenen Toyota Prius. Und außerdem soll die ganze Fuhre lediglich 700 Kilo wiegen. Möglich werden soll das durch den Einsatz von Flachsfasern, die nach der letzten Fahrt des SEV biologisch abbaubar sind.

Einem leichten Fahrzeug reicht auch ein kleiner Motor. Ein Elektroantrieb wäre daher denkbar, doch Panhuyzen favorisiert mit Blick auf Reichweite, Akkukosten, Ladezyklen und Gewicht derzeit noch ein Verbrennungsaggregat. Zwei oder drei Zylinder und 50 bis 70 PS sollten reichen, um den Wagen auf bis zu 145 km/h zu beschleunigen. Ein Verbrauch zwischen zwei und vier Litern wäre dann wohl realistisch.

Viel mehr als die Idee und einige Skizzen, die er im Rahmen eines Designwettbewerbs bereits während der Autoshow in Detroit gezeigt wurden, gibt es allerdings noch nicht. Immerhin hat Panhuyzen das Projekt schon einmal durchgerechnet: 70.000 Autos im Jahr müssten wohl gebaut werden - zu einem Preis von rund 13.000 Euro, damit die Kalkulation ungefähr aufgeht.

Der Entwickler gibt sich optimistisch. "Wenn alles glatt läuft, werden wir noch zwei bis drei Jahre brauchen, um den Dreisitzer auf die Straße zu bringen." Zweifel an den Erfolgsaussichten des Vehikels hat er nicht. Der zweisitzige Smart habe sich in den USA binnen zwei Jahren 50.000 mal verkauft, da müsse ein Dreisitzer doch noch viel mehr Potenzial haben, erklärt Panhuyzen. Einschlägige Erfahrungen in der Autobranche hat er übrigens nicht. Sein Feld war die Logistikbranche. Er weiß also, wie man die Dinge etwas enger packt und effizienter gestaltet.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.