Montag, 24. Juni 2019

Architektur in Berlin Schwarzer Zacken

Architektur für Sammler: Abstrakte Betonskulpturen
Jan BItter

Erfolgreicher Kampf gegen die Institutionen: Architekt Roger Bundschuh verbrachte viel Zeit bei Behörden, bis sein schwarzes, zackiges Berliner Haus mit Wohnungen für Kunstsammler fertig war. Die Kompromisslosigkeit hat sich gelohnt: Bundschuh baut nun eine Künstlersiedlung in Peking.

Berlin - Dreieinhalb Jahre hatte der Architekt Roger Bundschuh, 43, mit den Berliner Behörden um die Baugenehmigungen eines Berliner Hauses gerungen, das er zusammen mit der Künstlerin Cosima von Bonin entworfen hatte. Gebaut hat er die schwarze Wohnskulptur an der Ecke Rosa-Luxemburg-Straße/Torstraße allein.

Mit Erfolg, denn das ungewöhnliche, expressionistisch wirkende Haus ist nicht nur bezugsfertig und die Wohnungen sind an Kunstsammler verkauft oder vermietet, Bundschuhs Haus wurde auch in jedem besseren Architektur- und in Wohnmagazin besprochen und abgebildet. Und es sieht genauso aus wie der Entwurf. Der Kampf mit den Institutionen hat sich also gelohnt.

Aber es muss Nerven gekostet haben. Denn auf Bundschuhs DIN-A4-Zeichnung zum Thema "Sehnsucht" im Deutschen Pavillon der aktuellen Venedig-Architekturbiennale sind Skizzen mit den Lageplänen von drei Gebäuden zu sehen, die er zur "Disposition" stellt: Einfach wegradiert sind das Ministerium für Verkehr, Bau und Städteentwicklung, Schloss Bellevue und der Deutschen Pavillon in den Venezianischen Giardini.

Seine Sehnsucht sei die nach einer Gesellschaft, in der keine Institution "deterministisch planen" soll, in der Individuen frei und freiwillig agieren können, und in der "nicht gewaltsam, sondern ohne Steuerungsinstitutionen aufgebaut werden kann" - so erklärt Bundschuh seine "Sehnsuchts"-Zeichnung.

Neue Künstlerhäuser auf einem leeren Acker

Kein realistischer Wunschzettel für einen Architekten und schon gar nicht für einen, der gerade in der Volksrepublik China mit dem Entwurf eines Masterplans für Künstler- und Sammlerhäuser beauftragt war, der jetzt realisiert wird. Drei der vorgeschlagenen Sammler- und Künstlerhäuser baut Bundschuh selbst, und zwar sofort - Baubeginn war in der vergangenen Woche, Fertigstellung soll 2011 sein.

Bis jetzt ist das Grundstück einfach nur ein "flacher, leerer Acker", sagt Bundschuh und der liegt nicht weit von der schon seit 1994 bestehenden und im Westen bekannten Künstlerkolonie Song Zhuang am östlichen 6. Ring von Peking. Mehr als 2000 Maler und Bildhauer leben dort. Aus deren Reihen hat sich eine Gesellschaft gebildet, die Identität und Künstlersiedlung mehr vertiefen will, indem sie Architekten beauftragt, direkt für ihre Bedürfnisse zu bauen. Leben und arbeiten mit der Kunst wollen sie in ihren Häusern, und auf keinen Fall wollen sie zu einer touristischen Attraktion wie Song Zhuang werden, mit jährlichem Festival, Cafés, Restaurants, Galerien und Boutiquen.

Die treibende Kraft hinter der Bauherren-Gesellschaft ist der chinesische Künstler Gang Chao. Als der in Berlin ausstellte, fiel ihm das Sammlerhaus von Bundschuh auf. Gang sah sich daraufhin weitere Entwürfe von ihm an, wie zum Beispiel den Umbau der Ausstellungshallen für die Sammlung Harald Falckenberg in Hamburg.

Es muss ihn beeindruckt haben, denn er war es, der Bundschuh in China als maßgeblichen Architekten vorschlug. Dessen Masterplan ist ungewöhnlich für Peking, wo wegen des Flächenverbrauchs keine niedrigen Häuser mehr gebaut werden dürfen. Aber wunderbarerweise setzte die Gesellschaft Bundschuhs Masterplan durch.

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