Samstag, 18. Januar 2020

Künstlergarten Noldes buntes Paradies

Emil-Nolde-Garten: Inspirationsquell des Künstlers
Nolde Stiftung Seebüll

Der Maler Emil Nolde wurde mit expressionistischen Blumenbildern berühmt. Sein 1927 angelegter Garten steht heute Besuchern offen. Für viele ist das bunte Blütenparadies an der deutsch-dänischen Grenze der schönste Garten in Norddeutschland.

Neukirchen - Plattes Land, soweit das Auge reicht. Wer den Weg über endlos graue Landstraßen hinter sich gebracht hat, vorbei an gelben Kornfeldern und grünen Weiden, muss seine Augen erst einmal an die Farbenpracht gewöhnen. Violette Blütenkelche, knallrote Stauden und blaue Buschkränze leuchten in der Sonne. "Das ist der schönste Garten im Norden", schwärmt Andreas Weber und streicht mit der Hand über eine gelbe Blütenkrone.

Das Blütenparadies liegt nur wenige Kilometer von der deutsch-dänischen Grenze entfernt. Angelegt wurde es 1927 vom expressionistischen Maler Emil Nolde. Damals habe es hier nur weites, flaches Land gegeben, erzählt der 45-jährige Gärtner. "Diese unbändige Natur hat ihn fasziniert. Er kommt aus der Gegend."

Der Künstler wurde 1867 als Bauernsohn in dem kleinen Dorf Nolde in Nordschleswig geboren, nach dem er sich später auch benannte. Nach Wanderjahren durch Europa kehrte er immer wieder in den Norden zurück. "Ihm fehlte diese unendliche Wildnis", sagt Weber. Das Haus in Seebüll baute der Expressionist deshalb, weil das Land nahe seines alten Wohnorts trockengelegt und damit "gezähmt" werden sollte.

Für Nolde hatte der Garten eine besondere Bedeutung, weiß Kurator Andreas Fluck. "In seinen bitterarmen Anfangsjahren als Maler hat er sich mit angebautem Gemüse und Obst ernährt. Als erfolgreicher Künstler diente ihm der Garten als Inspirationsquelle. Hier hat er sich die knalligen Farben abgeschaut." Noldes Blumenbilder spiegelten auch seine Religiosität. "Gott manifestierte sich für ihn nicht in einem alten, bärtigen Mann, sondern in der Natur selbst."

Der Garten als Liebeserklärung

Der Garten sehe zwar verwildert aus, erklärt Andreas Weber, sei aber von Nolde so angelegt. "Seine Frau Ada hatte bei der Gestaltung nichts zu sagen. Trotzdem ist der Garten eine Liebeserklärung an seine Frau." Betrachtet man den Garten von oben, erkennt man in den Wegen die Buchstaben A und E. "Das steht für Ada und Emil. Das hat er allerdings jahrelang geheim gehalten."

In den Beeten drängen sich 15 verschiedene Staudenarten und zahlreiche Sommerblumen. Ob Mexikanische Sonnenblume, Königskerzen, Venidie oder orangeblühende Cosmea - der 45 Jahre alte Gärtner kennt jede Pflanze mit Namen. "Nolde wollte in dieser unwirtlichen Gegend die absolute Blütenpracht", erklärt Weber und deutet auf die rauschenden Kronen der Pappeln. "Nur der ständige Südwestwind ist ein Problem."

Die hochwachsenden Stauden können leicht brechen. Nolde hat als Schutz 150 Mirabellenbäume gepflanzt und einen Reetzaun bauen lassen. Auch der Kleiboden gebe Probleme auf. Im Sommer werde er hart wie Beton. "Man muss verrückt sein, um hier einen solchen Garten anzulegen", sagt Weber grinsend, "oder ihn erhalten zu wollen."

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