Mittwoch, 27. Mai 2020

Niederlande Entlang der Teegarten-Route

Teegärten: Genießen auf Niederländisch
TMN

In lauschigen Privatgärten entspannt Tee trinken, dazu selbst gebackenen Kuchen kosten, das hat in den Niederlanden Tradition. Unsere westlichen Nachbarn haben eine eigene Teekultur entwickelt. Touren per Rad oder Boot durch die schönsten Gegenden lohnen entsprechend.

Zuiderwoude - Manche kommen mit dem Boot, die meisten mit dem Fahrrad, wenige mit dem Wagen. Das gemeinsame Ziel liegt versteckt am Ende des 340 Einwohner zählenden Fleckens Zuiderwoude: der kleine Teegarten von Erigone Koolen mit dem zutreffenden Namen " 't Einde", was so viel heißt wie "Am Dorfende". In den Niederlanden kann man sehr entspannt Tee trinken gehen - und das oft in ungewöhnlichem Ambiente.

Vor zehn Jahren begann Koolen in dem schmucken Häuschen sommertags mit dem Verkauf von Eis. Doch immer mehr Gäste wollten auch Tee trinken und Kuchen essen. Inzwischen hat sich Erigones "Theeschenkerij" herumgesprochen: Ausflügler aus Amsterdam erreichen mit dem Fahrrad in einer runden Stunde kräftigen Strampelns gegen den Wind das hübsche Anwesen, andere Besucher reisen aus dem benachbarten Broek in Waterland mit den per Elektromotor angetriebenen Flüsterbooten über schmale Kanäle zum Tee-Ausschank und legen direkt am hauseigenen Kai an.

Die Gäste aus der nahen Großstadt genießen die Ausblicke über die grünen Weiden des Waterlandes, Frau Koolens selbst gebackene Kuchen und die mehr als 20 verschiedenen Teesorten. Auf Vorbestellung geht es sogar recht britisch zu: "High Tea" mit Sandwiches, Cake, Muffins und Scones mit Whipped Cream wird serviert. Das gastronomische Modell ist populär: Die Internetseite www.theetuinen.jouwpagina.nl listet zahlreiche Teegärten in den zwölf niederländischen Provinzen auf.

"Die Tradition stammt aus England und ist in den frühen 80er Jahren zu uns in die Niederlande gekommen", berichtet die Gartenarchitektin Jacqueline van der Kloet in Weesp bei Amsterdam. Sie gestaltete im Jahr 2005 Teile des Keukenhofs zu Gartenzimmern, um das Zusammenspiel zwischen Tulpen und Gehölzen beispielhaft zu präsentieren. Heute lässt sie dreimal im Sommerhalbjahr Tee und Tartjes in ihrem Weesper Garten für Gäste auftischen.

Tee und selbst gebackener Kuchen inmitten von Wildblumen

Besonders viele Teegärten findet man in der Provinz Noord-Holland, im Waterland nördlich von Amsterdam. Wer hier ein Wochenende voller Teegenuss verbringen möchte, radelt von Garten zu Garten und bleibt über Nacht gleich in der Region. Mehr als ein Dutzend Landwirte haben sich in der Gegend um Monnickendam und Middenbeemster unter dem Motto "De Boerenkamer" zusammengeschlossen und bieten urige Übernachtungsmöglichkeiten - Ruhe auf dem Land wird garantiert.

Für manchen Gastgeber ist der Teegarten ein lohnender Nebenverdienst, bei anderen Tee-Gärtnern wie bei Marianne Tuyn in Lienden in der Provinz Gelderland stehen Blumen und Bäume im Vordergrund: "Vor allem Gartenclubs kommen nach Voranmeldung zu mir. Wir schauen uns den Garten mit den über 50 verschiedenen Wildblumen an, und anschließend gibt es zum Tee selbst gebackenen Kuchen." Der Jahreszeit entsprechend werden Kirschtorte, Erdbeertartjes oder das in den Niederlanden so beliebte Appelgebak met Slagroom aufgetischt, Apfelkuchen mit einem dicken Schlag Sahne. Viele Teegärten sind nur an den Wochenenden zwischen Ostern und Mitte September geöffnet - man sollte sich also unbedingt vorher über die genauen Zeiten informieren.

Hingegen hat der " Millinger Theetuin" - bis auf den Ruhetag am Montag - stets geöffnet. Mit dem Fahrrad kommen die Besucher aus dem deutschen Düffelward über den haushohen Rheindeich. Auf schmalen, verschlungenen Pfaden führt die Route durch das urtümliche Naturschutzgebiet Millingerwaard in den fernöstlich anmutenden Garten am Rheinufer. Sitzgruppen unter Schatten spendenden Bäumen laden zum Verweilen ein, Wasser murmelt aus kleinen Springbrunnen, und am Sonntag lauschen die Besucher den munteren Melodien eines Konzertgitarristen.

Vor allem Fahrradtouristen machen Wochenende in Paula Hoffs Teegarten " De Heale Moanne" (Zum Halbmond) in dem 120-Einwohner-Dörfchen Roodkerk bei Dokkum Rast. Die passionierte Freizeitgärtnerin aus Friesland hat ihr Anwesen mit Hecken und Gehölzen in verschiedene Gartenzimmer aufgeteilt: Kleine Sitzgruppen laden dort hinter dem Reetdachhaus zur Teepause ein. Die beliebte "Terpen-Route", eine Fahrradstrecke von Warft zu Warft, führt an dem Garten vorbei. Zum Tee werden hausgemachter Apfelkuchen oder Lemon-Quark-Tarte angeboten. Gastgeberin im eigenen Teegarten zu sein, sei für sie so etwas wie ein Hobby, erzählt Hoff. Hin und wieder lassen auch Brautpaare den Empfang in ihrem Garten ausrichten.

Bernd F. Meier/dpa

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