Donnerstag, 27. Juni 2019

Fashion Week Berlin Die Stadt als Laufsteg

Hauptstadt der Mode: Bei der Fashion Week wird ganz Berlin zum Laufsteg - hier eine Aufnahme der Präsention der Herbst- und Wintertrends in diesem Januar

John Malkovich und die Marke Calvin Klein sind die spannendsten Neuzugänge der Berliner Modewoche. Bis Samstag ist die Stadt ein großer Laufsteg. 120.000 Aussteller, Einkäufer, Designer, Journalisten und Blogger werden sich mit einer Frage befassen: Was trage ich nächsten Sommer?

Berlin - Die Hauptstadt wirft sich diese Woche wieder in Schale. Es ist Fashion Week - diesmal mit einigen neuen Gesichtern. Die auf Streetwear spezialisierte Messe Bread & Butter steigt zum dritten Mal auf dem stillgelegten Flughafen in Tempelhof. 650 Aussteller sind in den historischen Hangars, auf dem Rollfeld und in der Schalterhalle dabei.

Bei der Messe Premium geht es edler zu. 900 Damen- und Herrenkollektionen sind auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände The Station vertreten. Dessous zeigt die Messe 5 Elements, umweltbewusste Mode gibt es bei TheKey.to. 40 Schauen stehen bei der Fashion Week im Herzen Berlins auf dem Programm, so viele wie noch nie. In das Zelt auf dem Bebelplatz laden zum Beispiel Rena Lange, Lala Berlin, Kaviar Gauche und Anja Gockel. Boss Black und Michalsky präsentieren sich "off site".

Damit sind jene Orte jenseits des Bebelplatzes gemeint, die große Labels für ihre Shows nutzen: Museen, Clubs, Boutiquen, Hotels oder Parks. Die Einladungen klingen nach einem Hauch Manhattan: Liebig und Markus Lupfer laden in den neuen Privatclub "Soho House". Frida Weyer zieht in die edle "Kassenhalle" im Humboldt-Carré am Gendarmenmarkt. Eine andere Variante ist der "Pop-up-Store": Einfach kurzfristig einen Laden irgendwo hineinbauen.

Das Label Calvin Klein ist zum ersten Mal dabei und präsentiert seine Mode in der "Münze", einer ehemaligen Industriehalle. Der Berliner Architekt Jürgen Mayer H. steuert für den Abend eine Installation bei. Die Show "The World of Calvin Klein" mit 50 Models soll die größte werden, die die Marke je in Europa umgesetzt hat. Calvin Klein, der Namensgeber der Firma, ist nicht in Berlin dabei, er hat das Unternehmen vor einigen Jahren verkauft.

John Malkovich zeigte seine neue Kollektion

Schauspieler John Malkovich stellte schon am Dienstagabend seine neue Herrenkollektion vor. Seine Kollegin Milla Jovovich ist - nach Eva Padberg und Julia Stegner - die neue Markenbotschafterin der Fashion Week. Erstmals in Berlin ist die Skateboarder-Messe Bright, die ihre Zelte in der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße aufschlägt.

Kritiker empfinden das Fashion-Week-Zelt am einstigen Schauplatz der Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz als "Halli-Galli"; für den Sommer 2011 wird nach einem alternativen Ort gesucht. Die Branche sieht allerdings selbst kein Problem mit dem Standort. Mode ist für sie genauso Kultur wie die Opern-Übertragungen, die auf dem Platz am Boulevard Unter den Linden erlaubt sind.

Für Modeinteressierte außerhalb der Branche ist es leichter als in Paris, in die erste Reihe zu kommen. Aber bei den bekannteren Designern ist es auch in Berlin nicht einfach, wenn man nicht Chefredakteurin oder Schauspielerin ist. "Es gibt am Catwalk eine gewisse Hierarchie", heißt es beim Veranstalter der Fashion Week, der Agentur IMG. Suzy Menkes, Kritikerin der "International Herald Tribune", kommt diesmal nicht, weil sich die Berliner Modewoche mit Paris überschneidet. Wer keine Einladung oder Akkreditierung hat: Auf der Showroom-Meile und beim Festival Wedding Dress gibt es Mode für alle. Und wer ohne Fußball nicht leben kann, findet bei der Bread & Butter in Tempelhof eine Leinwand und ein Stadion für 5000 Besucher. Zur Eröffnung spielen die Sportfreunde Stiller.

Caroline Bock, dpa

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