Montag, 20. Mai 2019

Kleinbrauer Italiens Bierpionier

Bier aus dem Piemont: Teo Mussos Kultbiere
Dave Yoder

2. Teil: Mussos Kultbiere erobern Rom - und bald auch New York

Teo Musso macht alles selbst, kümmert sich auch um die Form seiner Flaschen und um die Gestaltung der Etiketten. Die von ihm entworfenen Trinkgläser ähneln eher Rotweinkelchen denn Bierkrügen. Selbst die 400.000 Euro teure Abfüllanlage ist eine Sonderanfertigung. "Ich bin eine Nervensäge", sagt er, "ich gebe nicht nach, bevor die Dinge so sind, wie ich sie haben möchte."

Klar, dass er auch präzise Vorstellungen von den Orten hat, an denen Bier konsumiert wird. Gleich neben dem kanariengelben Rathaus von Piozzo führt ein Durchgang zur "Casa Baladin", einem "Bierrestaurant mit Zimmern", untergebracht in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Es bietet fünf völlig unterschiedliche Zimmer mit großzügigen Duschbädern, eklektisch möbliert, komfortabel, originell, aber ohne Telefon, Fernseher und Schlüssel. Wie in einem Privathaus, sagt Teo Musso, sollen sich seine Gäste fühlen.

Gegessen wird im intimen Speisesaal mit Blick auf die Ziegeldächer von Piozzo. Der Küchenchef Maurizio Camilli bereitet jeden Abend ein Menü mit drei Antipasti, einer Pasta, einem Hauptgang und einem Dessert zu. Zu jedem Gang wird das passende Bier serviert: Zum gebratenen Stockfisch in Lardo-Hülle auf Dattelsüppchen das nach Getreide, Bergamotte und Pfeffer schmeckende "Wayan", zu frittierten Kürbisgnocchi mit Parmesanfondue das fruchtige "Super" und zu Lammfilet mit Bier- und Gerstenjus ein trockenes, leicht weiniges "Elixir". Charakteristisch für alle Baladin-Biere ist, dass sie kaum Bitternoten haben. "Dadurch passen sie gut zu feiner, leichter und kreativer Küche", sagt Camilli, "und das war von Anfang an Teos Ziel."

In Weinfässern gereifte Biere und Bieressig

Mittlerweile hat Teo Musso die engen Grenzen von Piozzo verlassen. Seine erste Bierbar "Open Baladin" eröffnete zwar nicht weit entfernt davon, in Cinzano, doch seit September gibt es auch in Rom ein "Open Baladin", und für den kommenden Herbst ist der Sprung nach New York geplant. Das Angebot mit 40 Fassbieren und über 100 verschiedenen Flaschen ist so beeindruckend wie die Architektur der Lokale: Sie sind groß, luftig, modern, schick, Lichtjahre entfernt von der düsteren Urigkeit deutscher Wirtshäuser oder britischer Pubs.

"Niemand hat es je vorher gemacht, … deswegen werden wir es tun", steht in handgeschriebenen Großbuchstaben auf einem DIN-A4-Blatt, das jemand im Sekretariat der Bierbrauerei "Baladin" an die Wand gepinnt hat. Geplant sind in Weinfässern gereifte Biere und ein Bieressig. "Nächstes Jahr", sagt Teo Musso. Die Bauarbeiten an den Produktionsstätten in Piozzo sind schon fast abgeschlossen.

Bier aus dem Piemont: Teo Mussos Kultbiere

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