Dienstag, 26. Mai 2020

Gärten in New York Feigen vom Fabrikdach

New Yorker Dächer: Gärtneridylle in luftiger Höhe
AFP

Gärtneridylle in der Großstadt: Auf den Dächern von New York grünt, blüht und summt es. Ob Tomaten, Himbeeren oder Feigen, Menschen mit grünem Daumen können auch in Manhattans Betondschungel glücklich werden - seit neuestem mit Unterstützung des Bürgermeisters.

New York - Vorsichtig erklimmt Andrew Cote die Feuerleiter an einer Außenwand seines Wohnblocks. Mit jedem Schritt lässt er den Betondschungel von New York ein Stück weiter hinter sich. Auf dem Dach hat sich Cote eine kleine Natur-Nische eingerichtet: Mitten in New Yorks dicht bevölkertem Viertel East Village züchtet der Professor Bienen.

Cotes Bienenstöcke illustrieren einen wachsenden Trend in der Millionenmetropole: Die Großstädter suchen ein paar Quadratmeter Gartenglück auf den Dächern hoch über dem urbanen Gewimmel am Boden, wo für Gärten längst kein Platz mehr ist.

"Es ist eine Möglichkeit, Kontakt zur Natur zu haben", sagt Cote, der im Hauptberuf Professor für japanische Literatur ist und ehrenamtlich als Präsident von New Yorks Bienenzüchtervereinigung amtiert. Erst im März hat die Stadtverwaltung das Verbot der Bienenzucht aufgehoben, davor hatten Bienenstockbesitzer eine Strafe von 2000 Dollar zu fürchten.

Eine Maßnahme zum allseitigen Nutzen, findet Cote: "Die Stadt will eine Million Bäume pflanzen, die bestäubt werden müssen. Unsere Bienen bestäuben sie." So groß ist das Interesse, dass er inzwischen Sonntagskurse zur Bienenzucht anbietet.

Bioware aus dem Dachgarten

An einer anderen Ecke Manhattans, im Trendviertel Upper East Side, inspiziert Eli Zabar sein Grünzeug. Er ist einer der Vorreiter unter New Yorks Dachgärtnern, bereits seit 1991 züchtet er hoch oben über den Straßen Kräuter und Gemüse. Auf dem Dach des früheren Fabrikgebäudes, in dem Zabar den Feinkostladen "Vinegar Factory" betreibt, gedeihen Salate, rote Beete, Himbeeren, Feigen, Basilikum und Tomaten.

"Ich ernte morgens, verkaufe am Nachmittag und muss die Ware nicht einmal kühlen, was dem Geschmack gut tut", sagt Zabar. "Wir ernten alles so reif, dass man es gleich essen kann. Alles hier ist Bioware." Im Gewächshaus riecht es nach Kuchen; Zabar nutzt die Wärme der darunterliegenden Bäckerei, um die Glashäuser umweltfreundlich zu heizen. "Wir recyclen die Wärme", sagt Zabar. "Manchmal riecht es hier auch nach Brot oder Croissants."

Die künstlichen Naturidyllen über den Dächern von New York genießen die Unterstützung der Stadtverwaltung. Bürgermeister Michael Bloomberg will die Metropole grüner machen. Für die Begrünung von Dächern gewährt die Stadt Steuernachlässe. In einem Versuchsgarten in Randall's Island am East River prüfen Experten der städtischen Parkverwaltung derzeit verschiedene Pflanzen auf ihre Eignung als Dachbegrünung.

Dabei gehe es nicht nur um den Erholungswert, sondern auch um Umweltfreundlichkeit, sagt Projektmanager John Robilotti. Die Pflanzen könnten die Dächer vom Sonnenlicht abschirmen und so den Aufwand für die künstliche Klimatisierung senken. "Das Regenwasser fangen wir in Tanks auf und können es als Gießwasser nutzen, wenn es mal nicht regnet", sagt Robilotti. "Die Pflanzen locken außerdem Vögel, Schmetterlinge und Bienen an", berichtet er. "Kürzlich haben wir hier sogar einen Falken gesehen."

Paola Messana, AFP

New Yorker Dächer: Gärtneridylle in luftiger Höhe

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