Sonntag, 20. Oktober 2019

Süßes Leben im Knast Bernie Madoff Superstar

Bernard "Bernie" Madoff: "Es war so, als ob der Präsident zu Besuch käme"

Milliardenbetrüger Bernard Madoff scheint sich gut im Gefängnis eingelebt zu haben. Während seine Opfer um ihr Geld bangen, ist er ein Star hinter Gittern.

New York/Butner - Bernard Madoff war erleichtert, als sein Schwindel aufflog. Der wohl größte Betrüger aller Zeiten hatte die Schönen und Reichen ausgenommen, vor allem in seiner New Yorker Nachbarschaft. "Ich wünschte, sie hätten mich sechs bis acht Jahre früher geschnappt", sagte er den überraschten Ermittlern nach seiner Verhaftung. Jeden Tag habe er damit gerechnet, erwischt zu werden. Diese Unsicherheit sei ein "Albtraum" für ihn gewesen.

Der "Albtraum" ist vorbei, Madoff sitzt seit knapp einem Jahr im Bundesgefängnis der Kleinstadt Butner in North Carolina ein. Dort ist er eine Berühmtheit, eine Art moderner Robin Hood, wenn auch weniger freigiebig. "Er nahm Leuten das Geld weg, die reich und gierig waren und noch mehr wollten", sagt Shannon Hay, ein verurteilter Drogenhändler, der seit Dezember wieder auf freiem Fuß ist.

Das "New York Magazine" hat mit Hay, anderen ehemaligen Mitgefangenen, mit dem Gefängnispersonal und Anwälten gesprochen. Im Knast, so stellt die Zeitschrift in ihrer neuesten Ausgabe fest, sei Madoff kein Krebsgeschwür der Gesellschaft, er sei eine Erfolgsgeschichte, bewundert für seine Leistungen. Ihn umwehe der Duft des Erfolgs. "Ein Held", fasste es ein Beobachter zusammen.

An den Tag seiner Ankunft haben die Mitgefangenen noch lebhafte Erinnerungen. "Es war so, als ob der Präsident zu Besuch käme", erinnert sich einer. Die Hubschrauber der Fernsehsender hätten über dem Areal gekreist. Um Madoff hätte sich schnell eine Menschentraube gebildet. "Jeder hat versucht, ihm den Arsch zu küssen", sagt Ex-Häftling Shawn Evans. Einige hätten sogar nach Autogrammen gefragt. Doch Madoff lehnte ab: Er fürchtete, sie würden gleich beim Online-Auktionshaus Ebay verhökert.

Denn Häftling Nr. 61727-054 ist nicht irgendwer. Er hat die Wall Street vielleicht mehr erschüttert als die Finanzkrise, definitiv hat er viele New Yorker mehr Geld gekostet. Er hatte die Wohlhabenden mit hohen Renditen gelockt und über die Jahre auch immer pünktlich und reichlich gezahlt - allerdings mit dem frischen Geld anderer Anleger. In der Rezession kollabierte das Schneeballsystem und Madoff flog auf. Am Ende waren mehr als 60 Milliarden Dollar verschwunden.

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