Unilever-Neubau Lümmelbretter und Leuchtringe

Ein Arbeitsplatz wie ein Kindertraum - eine Eisdiele im Erdgeschoss, schräge Brücken durchs ganze Gebäude, quietschbunte Sessel auf Freiluftterrassen. Die neue Unilever-Zentrale in der Hamburger Hafencity vereint mehrere Bürobautrends: Offenheit nach außen, Lockerheit nach innen und das Streben nach ökologischer Korrektheit.

Hamburg - An kaum einem Ort lässt sich die Zukunft des Bürobaus derzeit so gut beobachten wie in der Hamburger Hafencity. Die Neubauten des Prestigeviertels zeigen, wie Architektur das Arbeitsleben verändert - und umgekehrt neue Arbeitsformen neue Bauweisen generieren.

Eines der besten Beispiele: Die gerade erst in Betrieb genommene Unternehmenszentrale von Unilever , die mit knapp 1200 Mitarbeitern aus einem 60er-Jahre-Hochhaus in den rund 90 Millionen teuren Neubau am Elbufer gezogen ist. Hier, zwischen dem neuen Kreuzfahrtterminal und dem Luxuswohnturm Marco Polo Tower, kann man besichtigen, wie sehr sich die Bedürfnisse von Freizeit- und Arbeitswelt angeglichen haben - und wie sehr sie gestalterisch ineinandergreifen.

"Dieses Gebäude entspricht fast in idealer Weise unseren heutigen Bedürfnissen: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation", sagt Logistik-Geschäftsführer Michael von Rudloff. "Wir wollen eine Bürostruktur schaffen, die wie eine Stadt funktioniert", erklärt Martin Haas von Behnisch Architekten, die den Bau geplant haben, "mit Plätzen und Wegen, die Nachbarschaften verbinden."

Von außen gibt sich das Gebäude farblich zurückhaltend und in sich gekehrt: Die transparente, leicht milchigweiße Folie, die den Baukörper umspannt und durch segelartige Aufspannung maritime Assoziationen heraufbeschwört, schützt vor Wettereinflüssen - so können die Bürofenster der eigentlichen Glasfassade trotz der exponierten Lage am windigen Elbufer geöffnet werden.

Tütensuppen und Eis am Stiel

Das eigentliche Arbeitsleben des Konzerns beginnt erst auf der ersten Etage. Das Erdgeschoss ist öffentlich und soll Flaneure anlocken. Ein Unilever-Shop bietet einen Querschnitt sämtlicher Endverbraucher-Produkte des Konzerns, was zu einem eigenartigen Warensortiment führt - hauptsächlich Tütensuppen, Putzmittel, Kosmetik und Eis am Stiel. Der Kommunikation mit dem Konsumenten dienen auch das Eiscafé, das, wie die Kantine, eine opulente Elbblick-Terrasse hat, das Spa und die große, von außen einsehbare Versuchsküche des Konzerns.

Eine großzügige, frei in den Raum gestellte Treppe inszeniert den Weg zur Arbeit als Aufstieg. Durch das glasüberdachte Atrium ziehen sich Querbrücken, die einzelne Geschosse miteinander verbinden. Wichtigste und rege genutzte Treffpunkte: Die sogenannten Lümmelbretter, an den Geländern aufgehängte, filzbezogene Platten, auf denen Laptops und Kaffeetassen für die schnelle Besprechung zwischendurch Platz finden.

Gratis-Kaffeeautomaten und Eistruhen gibt es auf jeder Etage. Einzelbüros sucht man vergeblich, fast alle Räume sind verglast und gut von außen einsehbar. Und es gibt viele informelle Arbeitsplätze für moderne Büronomaden: Neben den Lümmelbrettern eine Elbblick-Terrasse, auf der man sich mit seinem Laptop in knallbunte Kunststoffsessel fläzen kann, im Gebäudeinneren Sitzgruppen mit sehr betont unkonventionellen Elementen wie kuhfellbezogenen Sesseln, die lockere Privatsphäre suggerieren. "Die Brücken führen durch das Atrium wie Wege durch den Park", erläutert Architekt Haas.

Auch in technischer Hinsicht soll das Gebäude zur Avantgarde gehören. Wer auf sich hält, baut grün. Das Unilever-Haus ist nach Angaben der Architekten der erste große Büroneubau, der komplett von LED-Leuchten erhellt wird - die Stuttgarter Nimbus Group hat eigens für den Großkunden Stehleuchten und Konferenzraumlampen sowie riesige Lichtringe für das Atrium entwickelt. Per Erdwärmetauscher soll eigens gefördertes Grundwasser je nach Jahreszeit für Kälte oder Wärme sorgen; und die Urinale der Herrentoiletten funktionieren wasserlos, was angesichts der nicht unbedingt wasserarmen Lage Hamburgs eher eine Koketterie mit dem Öko-Thema ist.

Immerhin wird das Gebäude das "HafenCity Umweltzeichen" erhalten, ein Umweltzertifikat, das klimafreundliche und nachhaltige Bauweise im neuen Quartier auszeichnet. "Es ist ein Sport, eine Goldplakette zu haben", gibt Architekt Haas zu - allerdings habe sich in den USA auch gezeigt, dass offiziell zertifizierte Gebäude eine geringere Wertminderung erführen.

Neue Bürokultur: Das Unilever-Haus in Hamburg

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