Hymer-Jubiläum Freiheit auf vier Rädern

Ein Zuhause zum Mitnehmen - das war Erwin Hymers Idee, die ihn vor 50 Jahren veranlasste, in der Werkstatt seiner Eltern seinen ersten Wohnwagen zu bauen. Mittlerweile ist ein Imperium daraus geworden, in dem jedes Jahr mehr als 11.000 Freizeitfahrzeuge entstehen.

Hamburg - Es waren einmal Puck, Faun und Troll. Keine Waldgeister aus dem Märchenland - sondern die ersten Wohnwagen von Erwin Hymer. Reisehäuschen. Heime auf Rädern. Ein Zuhause zum Mitnehmen.

Vor 50 Jahren hat er die ersten Exemplare entworfen, in der Werkstatt seiner Eltern. Er wollte seinen Traum leben - "selbständig arbeiten dürfen". Genau das hat er getan. Und mittlerweile durch Wachstum und die Übernahme diverser Konkurrenten ein stattliches Caravaning-Imperium aufgebaut. Seinerzeit erwirtschaftete er einen Jahresumsatz von einer Million Mark, verkaufte im ersten Jahr ein paar hundert Wohnwagen. Heute lässt Hymer rund 3000 Menschen für sich arbeiten, die mehr als 11.000 Freizeitfahrzeuge bauen - mit mehr als 360 Millionen Euro Umsatz.

Der Pionier, heute 77, war immer experimentierfreudig. Er übernahm schon in den ersten Tagen Ideen aus dem Flugzeugbau in seine Pläne. Er entwarf damals jenen Ur-Troll, der noch heute verkauft wird: als "Eriba Touring", benannt nach Konstrukteur Erich Bachem. Neben dem Wohnwagen setzte er auf das Reisemobil als "Ferienappartement mit Motor und Rädern". Doch der erste Erfolg währte nur kurz - sein Lieferant Borgward ging 1961 in Konkurs. Es dauerte zehn Jahre, bis Hymer es noch mal versuchte. Doch dann landete er einen Coup.

Statt einfach einen Wohnwagen auf eine Pritsche zu schrauben, entwickelte er über Zwischenstufen das vollintegrierte Wohnmobil - das seither seinen Namen trägt. Diese Hymermobile waren die ersten Freizeitfahrzeuge, die das Fahrerhaus in das Wohnkonzept einbezogen und oft komplett auf die Karosserie des Fahrzeugherstellers verzichteten. Sie setzten einen Trend, der mittlerweile das Bild auf Campingplätzen bestimmt.

Wachstumsmarkt Caravaning

Wachstumsmarkt Caravaning

Seit Hymers Anfängen ist der Markt enorm gewachsen. "Derzeit sind mehr als 4,3 Millionen Caravans und mehr als 1,1 Millionen Reisemobile auf Europas Straßen unterwegs", sagt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning-Industrieverbands CIVD. In Deutschland schätzt er die Flotte auf 610.000 Wohnwagen und etwa 980.000 Wohnmobile. In der Nachkriegszeit schuf der Wohnwagen die Grundlage, "in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat dann das Reisemobil das Wachstum vorangetrieben", sagt Sternberg.

Allein in Deutschland haben die Hersteller im vergangenen Jahr gut 21.000 Reisemobile und 22.000 Caravans verkauft, insgesamt fast drei Milliarden Euro umgesetzt. 50.000 Fahrzeuge wurden außerdem exportiert, in mehr als 50 Länder. Die Deutschen haben Sternberg zufolge heute 72 Prozent Exportquote bei Caravans und 51 Prozent bei Reisemobilen - und damit eine führende Stellung in Europa.

Entgegen aller Vorurteile sind aber nicht die Niederlande der größte Absatzmarkt im Ausland. Im ersten Quartal 2007 führte laut CIVD bei den Wohnwagen Großbritannien (9928) vor Deutschland (4256) und den Niederlanden (3463). Bei den Reisemobilen lag Deutschland (4898) vor Frankreich (4810) und Italien (4450).

Die Kunden geben im Schnitt 14.100 Euro für ihren Wohnwagen und 52.600 Euro für ihr Reisemobil aus. 2,4 Millionen-mal waren Deutsche 2005 mit Caravan oder Reisemobil unterwegs, hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ermittelt (bei 64 Millionen Urlaubsreisen insgesamt). Laut einer Studie des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr DWIF summiert sich der Bruttoumsatz aus dem Camping- und Caravaning-Tourismus auf 9,5 Milliarden Euro im Jahr. Das Geld sichert 164.000 Arbeitsplätze, die von der Branche abhängen.

Über die Zukunft muss sich Erwin Hymer keine Sorgen machen.

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