Finanzwelt Bonus-Bonanza

Jachten, Ferraris, Aston Martins oder das Wunschlos-Glücklich-Paket von Bang & Olufsen: Wenn in London die Bonussaison beginnt, klingeln bei den Luxusmarken ordentlich die Kassen.

London - Wenn die britische Finanzelite wieder in Scharen in Luxusgeschäfte einfällt und exklusive Penthouses besichtigt ist klar: Die Bonussaison hat begonnen. Von Dezember bis etwa März sind die Banker dann wieder auf Einkaufstour und schauen sich um, wofür sie ihre 17,3 Milliarden Pfund (rund 26,4 Milliarden Euro) so ausgeben können, die ihnen der boomende Markt in diesem Jahr in die Kassen gespült hat.

Schon jetzt läuft der hochpreisige Immobilienmarkt in London auf vollen Touren und der Bonus-Reigen bei Händlern und Bankern der weltweiten Tophäuser wie Merrill Lynch, Goldman Sachs and Lehman Brothers dürfte nach Einschätzung von Experten die Nachfrage explodieren lassen.

So heißt es in einem Bericht des international tätigen Immobilienunternehmens Knight Frank mit dem bezeichnenden Titel "Rich City", dass der Markt für Wohneigentum, wie es von Bankern bevorzugt wird, im kommenden Jahr enorm wachsen soll. "Der Super-Prime-Markt entwickelt sich deutlich stärker als der gesamte Londoner Markt." Und der Boom werde sich aller Voraussicht nach auch 2007 fortsetzen, angesichts der Erwartung, "dass die Jahresend-Boni der Londoner Finanzelite weiter ansteigen…".

Aber nicht nur die Immobilienbranche profitiert vom Big Money der Banker in der britischen Hauptstadt und seiner Satelliten-Enklave in Canary Wharf, gemeinhin als "The City" bekannt. Seit Beginn der Bonus-Saison sind auf den Straßen des Finanzdistrikts auch immer mehr hochpolierte brandneue Ferraris, Porsches, Aston Martins und andere Luxusschlitten zu bewundern.

Einmal wie James Bond fühlen

Einmal wie James Bond fühlen

So freut sich beispielsweise Stratstone, die Prestige-Abteilung des Autohändlers Pendragon über steigendes Interesse an Ferraris und Range Rovers. Aber auch Aston Martins - die Marke, die auch James Bond fährt - sind heiß begehrt. "Die beiden gefragtesten Autos sind derzeit der Aston Martin V-8 und Range Rover Sport", plaudert Pendragon-Chef Trevor Finn aus dem Nähkästchen.

Auch die Londoner Bootsmesse mit ihren zahlreichen millionenteuren Megajachten freute sich über rege Besuche. Viele Kunden schlenderten darüber und so manch einer machte sich dort - neben einem Blick auf Whirpool und Kabinen - auch ein Bild davon, wo sich auf einem Trip im sonnigen Mittelmeer am besten der Champagner kalt stellen lässt.

"Eines dieser Boote zu kaufen ist ziemlich einfach", sagt Brian Peters von Peters-Opal, einem großen Händler von Luxus-Motor-Jachten und Segelbooten. "Man schreibt einfach einen Scheck." Diesen Gedanken mag auch Joel Plasco, Chief Executive beim London Stockbroker Collins Stewart gehabt haben, dessen Unternehmen die Ausstellung gesponsert hat. Beim Betrachten einer der größten Jachten der Messe schaute er gedankenverloren und meint. "Ich habe keine Jacht."

Mehr als eine Million Pfund keine Seltenheit

Musik und Filmfans geben ihr Geld unterdessen lieber für teure Home-Entertainment-Systeme aus - zur Freude der Hersteller. So schlug bei der Nobelmarke Bang & Olufsen erst kürzlich ein Kunde bei einem Besuch für satte 45.000 Pfund (knapp 70.000 Euro) zu und erstand einen 65-Inch-Plasma-Fernseher samt neustem Lautsprechersystem und anderem Schnick-Schnack, wie ein Verkaufsmitarbeiter berichtet. "Wir erwarten Großes", frohlockt er.

Insgesamt werden nach Schätzungen des Centre of Economics and Business Research etwa 4200 Banker in der Stadt pro Nase mehr als eine Million Pfund kassieren. Und das Geld will an den Mann und an die Frau gebracht werden: Laut einer Untersuchung von Heartwood Wealth Management wollten 46 Prozent derjenigen, die in diesem Jahr mit einem Bonus rechneten, das Geld komplett ausgeben.

Schauen und dann zuschlagen

Viele Luxusläden haben bislang jedoch mehr Schaufensterbummel als ekstatische Käufe gesehen. Aber das mag daran liegen, dass bei einigen einfach das Geld noch nicht auf dem Konto war. So rechnet Tulsi Rao vom Juwellier David M. Robinson durchaus mit mehr Kunden wie kürzlich, als einer mal eben so eine 34.000 Pfund teure Uhr bei ihr erstand. "Die Leute warten bei ihren Ausgaben auf die Boni", sagt sie. "Sie sehen sich um…. Und sobald das Geld da ist, kommen sie und kaufen."

Bei einem Händler einer bekannten US-Investmentbank, der in einer Champagner-Bar gerade mit seinen Freunden feiert, klingt angesichts des unvermeidlichen Endes eines solchen Booms allerdings leise so etwas wie Vorsicht an: "Es passiert möglicherweise nie wieder", sagt er.

Maya Thatcher, reuters