Reykjavík Spröde Schönheit

Gletscher, Wikingergeschichten und Whalewatching - Island wird als Reiseziel immer beliebter. Die Hauptstadt Reykjavík hat für Kurzurlauber gerade im Winter einiges zu bieten.

Reykjavík - Hilmar Viktorsson redet viel, denn das ist sein Job. Der Mann führt Touristen durch Reykjavík. Wie seine Kollegen hat Viktorsson zunehmend Arbeit: Reisen nach Island sind unter anderem wegen gesunkener Flugpreise für viele Menschen interessant geworden.

Die Aussicht auf ein längeres Wochenende knapp südlich des Polarkreises mit der Chance, das Nordlicht zu entdecken, lockt inzwischen viele. Und von Berlin aus zum Beispiel sind es nur wenig mehr als drei Stunden Flugzeit auf die Insel im Nordatlantik - Südspanien oder andere Urlaubsorte am Mittelmeer liegen nicht näher.

Zumindest gefühlt ist Reykjavík aber immer noch ein fernes Ziel. Dabei kann die Stadt, in der etwa zwei Drittel der Inselbevölkerung leben, mit ihrem eigenwilligen Charme durchaus punkten. Sie ist eine spröde Schönheit, deren Attraktivität entdeckt werden will. Gerade im Winter hat die Natur dabei ein Extra parat: Für alle, die nach dem berühmten Nordlicht suchen, gibt es beinahe eine Erfolgsgarantie.

Hilmar Viktorsson erzählt, während er mit einem Kleinbus über den Asphalt brettert, vom Wandel der Stadt: "Früher haben Fischfang und Fischverarbeitung alles dominiert." Das Früher ist noch gar nicht so lange her. Mittlerweile ist die isländische Hauptstadt, deren Name so viel wie "neblige Bucht" bedeutet, ein Zentrum für Künste und Dienstleistungen gleichermaßen. Europaweit inszeniert sich Reykjavík zudem als ein Ort, dessen Besuch sich ganzjährig lohnen soll.

Überraschend Hochkarätiges gibt es zum Beispiel im Reykjavík Art Museum. Erró, mit bürgerlichem Namen Gudmundur Gudmundsson, stellt hier großformatige Werke aus, die wie eine Zitate-Sammlung von Pop-Art daherkommen. "Mehr als 3500 Bilder hat er uns vermacht", sagt Museumssprecherin Soffía Karlsdóttir. Klar, dass im Haus immer nur ein Bruchteil gezeigt werden kann.

Gletscherblick und Whalewatching

Gletscherblick und Whalewatching

Im Stadtmuseum dagegen widmet sich die Ausstellung der Zeit der Wikinger. Der Titel "Reykjavík 871+-2" weist auf die ungefähre Datierung der ältesten gefundenen Siedlung hin. Das Museum ist rund um eine Ausgrabungsstätte gebaut wurde.

Reykjavík hat aber noch mehr zu bieten, etwa die Altstadt mit der Haupteinkaufsstraße Laugavegur. Auf einem der zahlreichen Hügel in der Stadt steht die Kirche Hallgrímskirkja: 73 Meter hoch sticht ihr Turm in den Himmel, so hoch wie kein anderes Bauwerk in Island.

Auf dem Vorplatz steht in Stein gehauen Leif Eriksson. Der Wikinger gilt als der eigentliche Entdecker Amerikas - lange vor Kolumbus. Seinem Volk ist auch in der Nähe des Hafens eine spezielle Erinnerung gewidmet. In einer Mischung aus Denkmal und Skulptur wurde die Form eines Wikinger-Schiffes aus Metall nachgebildet. Einen guten Blick auf Reykjavík bietet die Terrasse des Perlan. Von diesem Touristenzentrum aus ist bei klarem Himmel sogar der Gletscher Snaefellsjökull zu sehen, der mehr als 100 Kilometer entfernt ist.

Unten im Hafen warten vier Walfangboote mit abmontierter Harpune auf ihren Einsatz. Als Island im Oktober 2006 erstmals nach 17 Jahren wieder Wale töten ließ, gab es etwas Unruhe bei isländischen Tourismusexperten. Vorerst scheint der Schritt, der dem Image des Landes nicht zuträglich war, aber keinen Einfluss auf die Nachfrage bei Touristen zu haben. Und nur wenig von der Anlegestelle entfernt präsentiert sich auch ein anderer Weg, mit den Meeressäugern umzugehen: Mehrere Firmen bieten Ausfahrten zur Walbeobachtung an.

Torsten Klaus, dpa

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