Grünes Gewölbe Die begehbare Schatztruhe

Die größte Schatzkammer Deutschlands erstrahlt in neuem Glanz. Am Freitag begannen die Feierlichkeiten zur Eröffnung von Dresdens Grünem Gewölbe. Ab Mitte September erhält das allgemeine Publikum Einlass in das Wunderwerk von August dem Starken. Die Karten für die ersten Wochen sind allerdings schon ausverkauft.

Dresden - Elf Monate nach der Weihe der wiederaufgebauten Frauenkirche feiert Dresden die Rekonstruktion des ebenfalls im Krieg zerstörten Historischen Grünen Gewölbes. Mit der Eröffnung des barocken Teils am 1. September ist nach 64 Jahren das einzigartige Schatzkammermuseum der sächsischen Kurfürsten und Könige wieder komplett.

In den acht 1945 zerstörten sowie zwei ergänzten Räumen werden rund 3000 Werke der Schatzkunst im Stil von 1733 präsentiert, die sich aus Platzgründen seit Jahrzehnten überwiegend im Depot befanden. 1071 Stücke sind seit September 2004 bereits im modernen Teil Neues Grünes Gewölbe zu sehen.

Die Renaissance der königlichen Schatzkammer wird vom Freistaat zwei Wochen lang gefeiert. Zum Festakt am 1. September mit etwa 250 Gästen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem ersten Rundgang erwartet. Die offizielle Vernissage der staatlichen Kunstsammlungen erfolgt am 9. September mit einem weiteren Festakt im Großen Schlosshof, zu dem Gäste aus ganz Europa und den USA erwartet werden. Die Festrede soll Verleger Hubert Burda halten. Der britische Film- und Bühnenkomponist Michael Nyman hat eine "Dresden Fanfare" für das Museum komponiert, die am Abend am Elbufer uraufgeführt wird.

Die ersten Besuchertickets wurden für den 15. September verkauft. Der Zugang zu der "begehbaren Vitrine" ist getaktet und so auf etwa 100 Menschen pro Stunde begrenzt. Die Zeitfenster sind bereits bis November ausverkauft. In den zwei Wochen davor soll ein Programm mit dem Titel "Grün, Gold und Edelstein" schon ein wenig vom Glanz für jeden erlebbar machen.

"Es wird getanzt, gespielt, geschminkt, geschlemmt, geraten und gestaunt", heißt es bei den Kunstsammlungen. Zudem gibt es Extra-Führungen für Dresdner, die das Grüne Gewölbe vor der Zerstörung kannten und für alle seit 1945 an dessen Rekonstruktion Beteiligte.

Die Geschichte des Grünen Gewölbes

Das 1723 bis 1729 eingerichtete Grüne Gewölbe ist eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas. Ihren Namen verdankte die um 1550 entstandene "Geheime Verwahrung" - so der ursprüngliche Name - malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile.

Sachsen-Kurfürst und Polen-König August der Starke (1670-1733) ließ die tresorartigen Zimmer im Residenzschloss um 1723 von Zwinger-Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann zum öffentlichen Schatzkammermuseum ausbauen.

Dort wurden Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst, herausragende Werke aus Elfenbein, einmalige Steinschnitte und kostbare Bronzestatuetten aufbewahrt. Die Sammlung reicht von seltenen Trinkgefäßen des Mittelalters, verspielten Luxusgegenständen der Renaissance und des Frühbarock bis zu Figuren von Bildhauer Balthasar Permoser, Prunkschalen und Kabinettstücken von Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger. Während andere Sammlungen in Notzeiten eingeschmolzen oder veräußert wurden, überstand das Museum alle Wirren bis zum Zweiten Weltkrieg.

Im Februar 1945 zerstörten Bomben drei der acht Räume. Schon 1942 waren die Kostbarkeiten aus Gold, Edelsteinen, Perlmutt, Bernstein, Perlen oder Korallen ausgelagert worden. Im Mai 1945 beschlagnahmte die Rote Armee auch diese Sammlung und brachte sie nach Moskau. 13 Jahre später kehrte sie zurück. Etwa 100 Stücke fehlen bis heute. Von den rund 4000 Exponaten konnte mangels Platz von 1974 an nur ein Viertel gezeigt werden, der Rest blieb im Depot. Bis zur Schließung 2004 wurden im Interim im Albertinum knapp 20 Millionen Besucher gezählt.

dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.