Donnerstag, 20. Juni 2019

Fußball-WM "Absolute Traum-Gruppe"

Ein Land, eine Meinung: Ganz Fußball-Deutschland ist hochzufrieden mit den Glückslosen Costa Rica, Polen und Ecuador, die die Alt-Stars Pele, Lothar Matthäus & Co. der DFB-Auswahl für die Weltmeisterschafts-Endrunde 2006 im eigenen Land bescherten.

Hamburg - Auch die große Koalition ist im Optimismus vereint. "Da müssten Ausreden neu erfunden werden, wenn es bei dieser Auslosung mit dem Weiterkommen der deutschen Mannschaft nicht klappen würde", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), und Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) meinte fachmännisch: "Unser Nachbar Polen scheint der stärkste Gegner zu sein - aber: der Ball ist rund."

Auslosung der Gruppen in Leipzig: "Wer Weltmeister werden will, muss alle schlagen"
"Das ist eine absolute Traum-Gruppe", befand der ehemalige Tennis- Star Boris Becker. "Wir sind gut weggekommen", sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Für uns hätte es schwieriger werden können", betonte Franz Beckenbauer. Am euphorischsten von allen war Hans Schäfer, einer der WM-Helden von 1954: "Ich habe das Gefühl, wir werden Weltmeister."

Für die Politiker steht zumindest fest: Ballack & Co. werden die Vorrunde überstehen und haben bei der WM überhaupt gute Chancen. "Es ist eine lösbare Aufgabe", befand die Bundeskanzlerin und versprach: "Die ganze Bundesregierung wird ihren Beitrag leisten, dass wir dann gute Gastgeber sind." Auch der für den Sport zuständige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich als Optimist: "Ich traue Klinsmanns Team alles zu. Wer Weltmeister werden will, muss alle schlagen."

Arbeitsminister Müntefering verspricht sich von der WM neben sportlichem Erfolg auch "50.000 Arbeitsplätze, eine Million Besucher, die viel Geld ins Land bringen, und vor allem gute Stimmung und Fairness auf den Plätzen". Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erwartet in den Jahren 2006 bis 2008 "einen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsimpuls von rund drei Milliarden Euro auslöst."

Die Vorrunden-Widersacher sehen im Gastgeber den Gruppen-Primus, rechnen sich aber selbst Chancen zum Weiterkommen aus. "Natürlich ist Deutschland Favorit, aber das heißt nicht, dass sie alle schlagen werden. Wir haben die Möglichkeit weiterzukommen", glaubt Costa Ricas Trainer Alexandre Guimaraes (Eröffnungsspiel am 9. Juni in München). "Ein Spiel gegen die Gastgeber ist für uns eine Riesensache. Nur schade, dass es nicht das Eröffnungsspiel ist", sagte Polens Coach Pavel Janas (Spiel am 14. Juni in Dortmund). Und sein Kollege Luis Fernando Suarez aus Ecuador (Spiel am 20. Juni in Berlin) befand: "Das letzte Spiel gegen Deutschland spielen zu können, ist eine große Herausforderung. Da können wir zeigen, was wir bei der WM gelernt haben. Wir hoffen auf einen guten Start, damit das letzte Spiel nicht mehr entscheidend ist."

Als fast schon einsamer Warner trat Ex-Nationalspieler Thomas Helmer auf. "Auf dem Papier ist es eine leichte Gruppe. Die große Gefahr aber ist, dass die Erwartungshaltung im Land nun noch größer wird. Das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica wird eines der wichtigsten Spiele in diesem Turnier." Das sieht auch Udo Lindenberg so, doch der Sänger vertraut der traditionell guten Turnier-Mannschaft Deutschland und umschrieb Erwartungen mit den Titeln von zwei seiner Hits: "Wenn die Mannschaft vielleicht in der Vorrunde noch nicht so überzeugen sollte - das ist 'gemeine Taktik'. Die Deutschen machen erst auf Rudi Ratlos und später dann gnadenlos auf Bodo Ballermann."

von Thomas Prüfer und Werner Herpell, DPA

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