Luxusfahrräder Ferraris der Fußgängerzone

Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad. Für die gehobene Klientel, die 5000 Euro und mehr für einen High-Tech-Drahtesel zahlt, haben die Hersteller einiges im Programm. Dabei machen sie sich - wie die Autobauer aus der Formel 1 - Neuerungen aus dem Rennsport zu Nutze.

Friedrichshafen - Der Drahtesel hat ausgedient, das Fahrrad ist längst Prestige-Objekt. Als Statussymbol könnte das Zweirad sogar dem Auto bald den Rang ablaufen, meint Branchenexperte Daniel Fikuart. Seit sich in den Innenstädten die Fußgängerzonen ausbreiten und Sportwagen-Flaneure kaum noch Platz finden, ist das Lifestyle-Zweirad zum "Ferrari für die Stadt" geworden.

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Fahrräder und Zubehör auf der Eurobike
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Alle möglichen High-Tech-Schikanen, edelste Materialien, modernes Design und individuelle Note sind unerlässlich, um bewundernde Blicke auf sich zu ziehen. Wer sich abheben will, muss außerdem in modisches Outfit und schicke Accessoires wie GPS am Handgelenk investieren.

"Mit dem Fahrrad transportiere ich meine Persönlichkeit, mein Lebensgefühl", sagt Fikuart. Für die gehobene Klientel, die für ein Luxusfahrrad auch schon mal 5.000 Euro hinzublättern bereit ist, hat sich die Fahrradindustrie allerhand einfallen lassen. Dabei macht sie sich - wie die Autobauer aus der Formel 1 - häufig Neuerungen aus dem Rennsport zunutze.

Voll im Trend liegen federleichte Rahmen aus Kohlefaser, in der Luxusausführung in Silber mit Aluminiumbedampfung. Dabei gilt: "Je leichter, je teurer". Renner sind auch maßgeschneiderte Sonderausstattungen. "Das Rad von der Stange ist out", heißt es in der Branche.

Der Rahmen entspricht dank "body-scanning" den Körpermaßen. Sattel, Pedale, Lenker und Griffe werden der Anatomie angepasst und je nach Geldbeutel ausgewählt. Gangschaltung und Laufräder mit unterschiedlicher Speichenzahl richten sich ebenfalls nach Kundenwunsch. Wer es besonders sportlich mag, kann sich so einen Flitzer nach dem Vorbild der Rennmaschinen des Profis Jan Ullrich zusammenstellen.

Einen Rennrad-Traum im Wert von 17.000 Euro wird ein amerikanischer Produzent auf der Fachmesse Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee vom 1. bis 4. September präsentieren. Doch auch alle anderen Neuheiten und Trends für Otto-Normalradfahrer sind auf Europas Fahrradschau Nummer eins mit 804 Direktausstellern aus 36 Ländern zu sehen.

Das Baukastenprinzip setzt sich durch

Das Baukastenprinzip setzt sich durch

Vom "Premium"-Segment allein mit zwei bis drei Prozent Marktanteil kann die Zweiradindustrie natürlich nicht leben. Deshalb darf sich auch die große Mehrheit der Stadt- und Reiseradler (zusammen etwa 73 Prozent Marktanteil) sowie der Mountainbiker (rund 15 Prozent) über mehr Fahrspaß freuen. Denn seit Discounter und Baumärkte mit Billigangeboten bereits die Hälfte des Marktes erobert haben, treten Hersteller und Fachhändler kräftig in die Pedale der Kundenfreundlichkeit. Ein Grundmodell nach dem Baukastenprinzip ausstatten zu lassen setzt sich auch in den unteren Preisklassen immer mehr durch.

66 Millionen Räder rollen durch Deutschland. Die Branche sitzt angesichts der allgemeinen Konsumflaute vergleichsweise fest im Sattel, wie es beim Zweirad Groß- und Außenhandelsverband (ZGA) heißt. Seit 2000 seien im Schnitt jährlich 4,5 Millionen Räder an den Handel ausgeliefert worden, berichtet der ZGA-Vorsitzende Manfred Neun. Auf die Jahre der Marktstabilität sollen bis 2008 im Schnitt jedes Jahr zwei Prozent Wachstum folgen.

Ungeachtet der Konkurrenz aus Taiwan oder China ist nach Angaben des Zweirad-Industrieverbandes (ZIV) mehr als die Hälfte der Räder "made in Germany". Einige deutsche Hersteller lassen jedoch aus Kostengründen vermehrt in Ländern wie Polen oder Litauen fertigen. Zudem stammen viele Komponenten aus Fernost. "Das Rad ist ein globales Produkt", betont Neun.

Für Rückenwind sorgen das wachsende Gesundheitsbewusstsein und vor allem der boomende Radreisesektor. Auch dabei steigen die Ansprüche. Wer sich tagsüber abgestrampelt hat, will es sich abends gut gehen lassen. "Ein Drei-Sterne-Hotel muss es mindestens sein", ist bei den Fachleuten zu hören.

Gisela Mackensen, DPA