Leben im Loft Platz, Licht, Freiheit

Der Traum von der großen Freiheit in den eigenen vier Wänden besteht aus hohen Decken, Backsteinwänden und riesigen Fensterfronten. Lofts, ausgediente Fabriketagen, garantieren ein einzigartiges Wohngefühl. Wer es sich leisten kann, sollte einen Architekten mit Ausbau und Einrichtung beauftragen.

Düsseldorf - Leben im Loft ist angesagt. Vor allem betuchte Singles und Paare lockt der Charme ausgedienter Fabriketagen, die - modern hergerichtet - reichlich Platz, viel Licht und Freiheit bieten. Große Räume mit hohen Decken, Backsteinwände und riesige Fensterfronten sind typisch für das "Loft-Living" - einen Wohntrend, der in Großstädten wie Hamburg, Berlin, München und Köln besonders viele Anhänger hat. Andy Warhols "Factory" im New York der sechziger Jahre gilt als berühmtestes Loft, er selbst als Trendsetter dieser Bewegung.

Loft mit großer Fensterfront: Vor allem betuchte Singles und Paare lockt der Charme ausgedienter Fabriketagen

Loft mit großer Fensterfront: Vor allem betuchte Singles und Paare lockt der Charme ausgedienter Fabriketagen

Foto: DDP
Design-Möbel als Inneneinrichtung: Große Räume mit hohen Decken, Backsteinwaende und riesige Fensterfronten sind typisch für Lofts

Design-Möbel als Inneneinrichtung: Große Räume mit hohen Decken, Backsteinwaende und riesige Fensterfronten sind typisch für Lofts

Foto: DDP
Leben im Loft: Viel Platz, auch für die Familie

Leben im Loft: Viel Platz, auch für die Familie

Foto: DDP


Wohnen im Loft: Hohe Decken, riesige Fenster
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Während zu Warhols Zeiten Fabriketagen zu Wohnungen verwandelt wurden, um Geld zu sparen, müssen Loft-Besitzer oder -Mieter heute für ihren Traum von der großen Freiheit viel Geld hinlegen. Da die Mietpreise wegen der großen Fläche meist astronomisch ausfallen, entscheiden sich die meisten Loft-Fans für den Kauf.

In diesem Fall müssen sie je nach Objekt und Lage zwischen 1500 Euro pro Quadratmeter für unausgebaute Flächen und mehr als 6000 Euro für Objekte in begehrter Lage mit guter Ausstattung hinblättern. Wer sich etwa im Raum Nürnberg-Fürth zum Mieten eines Lofts entschließt, müsse mit einer Kaltmiete von 7,50 bis 10 Euro rechnen, sagt der Geschäftsführer der Nürnberger Bauträgerfirma Lofts & Factory, Manfred Ilgenfritz. Hinzu kommen ihm zufolge die Nebenkosten, die wegen der großen Fläche und der hohen Räume meist recht happig sind.

Wohnalternative für erfolgreiche Akademiker

Wohnalternative für erfolgreiche Akademiker

"Im Winter ist es in einem Loft kalt", sagt der Sprecher der Immobilien Scout GmbH in Berlin, Ergin Iyilikci. Ratsam sei der Einbau einer Fußbodenheizung, die die Wärme gut im Raum verteile.

Wer sich zum Kauf eines unsanierten Lofts entschließt, sollte zuvor die Bausubstanz von einem Fachmann prüfen lassen, rät Buchautor Thomas Drexel ("Loft. Wohnen und Arbeiten in umgebauten Fabriketagen"). Der Historiker aus dem bayerischen Friedberg ist begeistert von der "unvergleichlichen Atmosphäre" in einem Loft. Alte Schlote im Außenbereich und innen die Fabriktüren von damals erzeugen ein einzigartiges Wohngefühl. Das dürfe nicht durch eine zu hochgestochene Ausstattung wie etwa durch einen Marmorboden oder zu viele Möbel zerstört werden, warnt der Experte. Generell sei die Anordnung der Möbel wegen der großen Nutzfläche nicht einfach, gibt Iyilikci zu Bedenken. Für ein Loft sollte stets modernes Mobiliar etwa im Industriedesign ausgesucht werden, rät er.

Der Düsseldorfer Architekt und Bauherr Piet Neiser lebt seit Jahren im Loft und hat sich auch in seiner Arbeit auf dieses Terrain spezialisiert. "Man hat viel Raum zur Verfügung, höhere Decken und größere Fenster als in einer normalen Wohnung", schwärmt er von den Vorzügen des "Loft-Living". Ein Nachteil sei möglicherweise, dass ein großer Raum gleich mehrere Funktionen erfüllen muss: Er ist Wohnbereich, Küche und Eingangsbereich in einem. "Das ist aber gerade wichtig für ein Loft", erklärt Neiser, der auch mit seinen Kindern diese Wohnform wählte. Nur brauche man eben mit Familie 200 statt 100 Quadratmeter Platz, um den Loftcharakter zu bewahren.

Meist seien es aber beruflich erfolgreiche Akademiker, die sich für das Leben mit viel Platz entscheiden, berichtet Ilgenfritz. Stellt sich Nachwuchs ein, werde das Loft umgebaut, damit die Kinder ihr eigenes, abgetrenntes Reich haben. Raum dafür gibt es genug. Immerhin spricht der Immobilienexperte erst ab einer Größe von 120 Quadratmetern von einem richtigen Loft. Für Iyilikci ist der typische Loftbewohner "um die 30 und Jungunternehmer aus der Werbe-, Designer- oder Internetbranche".

Auf keinen Fall Rauhfasertapete

Auf keinen Fall Raufasertapete

Während früher arme Künstler Fabrikhallen selbst ausbauten, engagiere der moderne, gut verdienende Mensch von heute einen Architekten. Dieser sorge dafür, dass etwas vom alten Fabrikcharme erhalten bleibt - etwa durch unverputzte Backsteinwände, die keinesfalls mit Raufasertapete beklebt werden dürfen.

Der Innenausbau aber muss ansonsten allen Anforderungen modernen Wohnens entsprechen. "Kein Mensch akzeptiert heute mehr eine Ein-Scheiben-Verglasung im Loft", sagt Ilgenfritz. Gibt es in einer Gegend keine alten Fabrikhallen mehr, werden ihm zufolge Lofts neu gebaut. Der Trend zum Loft-Neubau nehme übrigens immer mehr zu, weil gerade in Großstädten wie München alte Fabrikhallen eine Rarität sind.

Neiser ist überzeugt: "Man muss ein ziemlicher Spaßvogel sein, wenn man Lust hat, in einem Loft zu wohnen." Damit spielt er auf die freie Sicht an, die man von außen dank der großen Fenster ohne Gardinen ins Innere hat. "Dazu gehört schon eine etwas exhibitionistische Ader", gibt er zu. Wem das nicht passt, der solle sich eine Gardinenstange und einen alten Theaterstoff besorgen, um die neugierigen Blicke auszusperren.

Susann Huster, ddp

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