Gewinnrückgang Apple meldet Rekordumsatz, aber iPhone-Geschäft bricht ein

Alle Apple-Produkte boomen, außer dem wichtigsten: Der verspätete Start des neuen Modells hat das iPhone-Geschäft heftig einbrechen lassen. Der Börsenwert sackt um 100 Milliarden Dollar ab.
Kundin verlässt Apple Store in New York am 23. Oktober

Kundin verlässt Apple Store in New York am 23. Oktober

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Der verzögerte Marktstart des iPhone 12 hat Apple einen Gewinnrückgang im vergangenen Quartal beschert. Der Konzern verdiente knapp 12,7 Milliarden Dollar - 7,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Der Umsatz im Ende September abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal stieg unterdessen um 1 Prozent auf 64,7 Milliarden Dollar, wie Apple am Donnerstag mitteilte. Dafür sorgte ein gestiegenes Geschäft unter anderem mit iPads und Mac-Computern sowie Dienstleistungen. "Mac hatte das beste Quartal in der Firmengeschichte", sagte Vorstandschef Tim Cook (59). 

Während jede andere Produktkategorie zweistellig wuchs, brach das traditionelle Hauptgeschäft iPhone heftig ein. Der iPhone-Umsatz sackte nun im Jahresvergleich um ein Fünftel auf rund 26,4 Milliarden Dollar ab. Das lag unter den Erwartungen der Analysten.

Die neuen iPhone-Generationen stellt Apple seit Jahren im September vor - damit tragen sie traditionell noch zum Erlös des dritten Quartals bei. In diesem Jahr verzögerte sich die Entwicklung aber angesichts der Corona-Krise und die vier Modelle des iPhone 12 wurden erst im Oktober präsentiert.

Börsenwert sinkt um 100 Milliarden Dollar

Die Apple-Aktie  sank nachbörslich um bis zu 5 Prozent. Damit ging Börsenwert von 100 Milliarden Dollar verloren.

Die spannende Frage wird nun sein, ob das Weihnachtsquartal für das iPhone genauso stark läuft wie gewohnt. Finanzchef Luca Maestri (57) sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, der Konzern rechne mit einem Zuwachs in dem Geschäft. Die neuen iPhones sind unter anderem erstmals für den superschnellen 5G-Datenfunk gerüstet. Eine konkrete Prognose für das Vierteljahr gab Apple angesichts der Corona-Unsicherheiten nicht ab.

Das iPhone ist nach wie vor das wichtigste Apple-Produkt, sein Anteil am Geschäft des Konzerns war nun aber so niedrig wie schon lange nicht mehr. Es brachte rund 41 Prozent vom Gesamtumsatz ein - in früheren Jahren waren es zum Teil zwei Drittel gewesen.

Apple-Chef Tim Cook ließ offen, ob dazu neben dem Fehlen einer neuen iPhone-Generation auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise beigetragen hätten. Er halte es für möglich, das sei aber schwer zu messen.

Apple Watch und kabellose Kopfhörer boomen

Apple war in den vergangenen Jahren erfolgreich damit, Rückgänge beim iPhone unter anderem mit Diensten wie Abos für Musikstreaming oder Onlinespeicher sowie Einnahmen aus seiner App-Plattform auszugleichen. Der Konzern hat jetzt 585 Millionen zahlende Kunden für seine Aboangebote. Das Dienstegeschäft ist jetzt die zweitgrößte Erlösquelle des Konzerns mit einem Umsatz von gut 14,5 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal - ein Plus von 16 Prozent.

Außerdem entwickelten sich die Computeruhr Apple Watch und die AirPods-Ohrhörer zu erfolgreichen Zusatzprodukten. Cook betonte, dass es bei einigen Modellen von iPads, Macs und der Watch nach wie vor Lieferengpässe gebe. Der Umsatz mit Macs stieg im vergangenen Quartal um 29 Prozent auf gut neun Milliarden Dollar. Das könnte unter anderem an dem teuren Mac Pro für professionelle Nutzer liegen. Das iPad-Geschäft wuchs um 46 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar.

Im gesamten Geschäftsjahr steigerte Apple den Umsatz um 5,5 Prozent auf 274,5 Milliarden Dollar. Der Jahresgewinn stieg um 4 Prozent auf 57,4 Milliarden Dollar. Apple hat jetzt Geldreserven von 192 Milliarden Dollar - bei 112 Milliarden Dollar Schulden. Der Konzern hatte sich Geld geliehen, während die Auslandsgewinne bis zur US-Steuerreform außerhalb des Landes lagerten.

Löst sich die Apple-Google-Symbiose auf?

Das laufende Kartellverfahren der US-Regierung gegen Google könnte eine wichtige Geldquelle von Apple bedrohen. Die Klage moniert die Zahlungen des Google-Mutterkonzerns Alphabet von acht bis zwölf Milliarden Dollar jährlich an Apple als wettbewerbsbeschädigendes Verhalten. Das Geld fließt als Prämie, damit Google als Standardsuchmaschine auf iPhones voreingestellt wird.

Als Reaktion auf die Klage arbeitet Apple laut einem Bericht der "Financial Times"  mit Hochdruck daran, eine eigene Suchmaschine zu entwickeln. Das könnte die Kartelljäger besänftigen, würde aber auch das Geschäftsmodell umstellen, Milliardeninvestitionen und den Verzicht auf den stetigen Geldstrom von Google kosten.

ak/dpa-afx/reuters