EU-Parlamentarier erzürnt Amazon ignoriert Vorladung - "Akt unfassbarer Arroganz"

Amazon steht wegen des Umgangs mit seinen Mitarbeitern immer wieder in der Kritik. Jetzt wollte das EU-Parlament entsprechende Berichte prüfen und lud den Konzern zur Anhörung. Doch Amazon schickte keinen Vertreter.
Jeff Bezos: Sein Konzern liegt mit der EU auf so manchem Feld im Clinch

Jeff Bezos: Sein Konzern liegt mit der EU auf so manchem Feld im Clinch

Foto: MARK RALSTON / AFP

Der sozialpolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, Dennis Radtke, hat den Onlinehändler Amazon scharf für sein Fernbleiben bei einer öffentlichen Anhörung im Europaparlament kritisiert. "Dass Herr Bezos unsere Einladung ignoriert und nicht einmal einen Vertreter entsendet, ist ein Akt unfassbarer Arroganz und eine Missachtung von demokratischen Institutionen", sagte der Politiker am Donnerstag in Richtung des Firmengründers Jeff Bezos.

In der Anhörung wollten sich die Parlamentarier ein eigenes Bild davon machen, inwiefern kritische Medienberichte über die Überwachung von Arbeitern bei Amazon zutreffen und ob Praktiken des Konzerns eventuell arbeitsrechtswidrig seien. Zu Beginn der Anhörung hieß es, Amazon habe angekündigt, nach der Anhörung schriftlich auf eingereichte Fragen zu reagieren.

Die Gewerkschaft Verdi hatte dem weltgrößten Onlinehändler die Überwachung seiner Mitarbeiter in Europa vorgeworfen. "Die Betriebspolitik bei Amazon ist gekennzeichnet durch eine aggressive Strategie innerbetrieblicher Kontrolle, die immer wieder auch Profiling und Datenschutzverstöße beinhaltet", sagte der für den Einzel- und Versandhandel zuständige Gewerkschafter Orhan Akman anlässlich der Anhörung im Europäischen Parlament.

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon waren zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Der Konzern betonte am Donnerstagabend: "Wir respektieren das Recht unserer Mitarbeiter:innen, einer Gewerkschaft oder einer anderen rechtmäßigen Organisation ihrer Wahl beizutreten oder auch nicht beizutreten - ohne Angst vor Repressalien, Einschüchterung oder Belästigung."

Nicht nur bei möglichen Verstößen gegen das Arbeitsrecht steht Amazon unter besonderer Beobachtung in Europa. Schon länger streitet die EU mit Amazon um mögliche unerlaubte Steuervorteile, kassierte hier zuletzt allerdings eine Niederlage vor Gericht. Auch die EU-Wettbewerbshüter haben den Online-Riesen im Visier, werfen ihm unter anderem eine systematische Benachteiligung von anderen Händlern auf der konzerneigenen Plattform vor.

rei/dpa-afx/Reuters
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