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Jobwechsel Zurück zum Ex

Stelle gekündigt, zur Konkurrenz gegangen – und jetzt ist dort das Gras auch nicht grüner. Aber nun einfach wieder beim alten Arbeitgeber anklopfen? Hier erfahren Sie, wann das eine gute Idee sein kann.
Rückkehrer: Die vermuteten Vorteile, wie eine schnellere Einarbeitung, ein geringes Wechselrisiko oder gar eine bessere Performance, gibt es nicht.

Rückkehrer: Die vermuteten Vorteile, wie eine schnellere Einarbeitung, ein geringes Wechselrisiko oder gar eine bessere Performance, gibt es nicht.

Foto: zcengerme / iStockphoto / Getty Images

Bei Tobias Meier war es ein klassischer Grund, der ihn dazu veranlasste, einen neuen Arbeitgeber zu suchen. "Ich habe keine Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen gesehen. Ich habe zwar angesprochen, dass ich mich weiterentwickeln möchte, aber damals war es nicht möglich. Obwohl ich gern in der Firma gearbeitet habe, habe ich einen neuen Arbeitgeber gesucht, bei dem es neue Karrieremöglichkeiten für mich gab."

Meier hat seinen neuen Arbeitgeber schnell gefunden: Ein relativ junges Unternehmen aus der Pharmabranche stellt ihn ein. Doch das Intermezzo währt nicht lange. Zu unstrukturiert seien die Aufgaben gewesen, zu unzuverlässig die Absprachen, sodass Meier noch in der Probezeit das Unternehmen wieder verlässt und zu seinem ehemaligen Arbeitgeber zurückkehrt.

"Als ich gemerkt habe, dass der Schritt ein Fehler war, habe ich nach kurzer Zeit wieder den Kontakt zu meinem früheren Chef gesucht und deutlich gemacht, dass ich gern wieder dort arbeiten würde. Noch während der Probezeit bei meinem neuen Arbeitgeber konnte ich wieder auf meine vorherige Position zurück – mit der Aussicht auf eine echte Entwicklungsperspektive. Nach einigen Monaten wurde mir dann tatsächlich eine bessere Position angeboten", fasst Meier seinen beruflichen U-Turn zusammen.

Was spricht für den Jobwechsel, was dagegen?

Rehiring oder Boomerang-Hiring nennt man es, wenn Arbeitgeber ehemalige Mitarbeiter  wieder anstellen. Manchmal ist aber auch von einem Boomerang-Mitarbeiter die Rede, wenn der Beschäftigte nach einer Zeit in einem anderen Unternehmen wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt. Und diese Konstellation ist nicht trivial.

In den Augen von Karriereberater und Business-Coach Klaus-Dieter Böse hat Meier ziemlich viel richtig gemacht: "Wer zu seinem ehemaligen Arbeitgeber zurückkehren möchte, darf keine Brücken hinter sich abreißen." Mandanten, die zu ihm kommen, weil sie an ihre frühere Wirkungsstätte zurückkehren möchten, müssen zunächst eine klassische Pro-Contra-Auflistung erstellen. Überwiegen die positiven Aspekte und haben sich beide Parteien im Guten getrennt, sei eine Rückkehr zum Ex-Chef zumindest denkbar. Keine gute Ausgangslage sei es jedoch, wenn Beschäftigte sich nur deshalb wieder bei ihrer früheren Firma bewerben – vielleicht sogar auf die gleiche Position – weil die Bedingungen beim neuen Arbeitgeber nicht sind wie ursprünglich erhofft. "Die Rückkehr zum ehemaligen Arbeitgeber darf keine Verlegenheitslösung sein. Sonst besteht die Gefahr für die Boomerang-Mitarbeiter, das Gesicht zu verlieren oder als Versager zu gelten", gibt Böse zu bedenken.

Das sieht auch Doreen Huber, Gründerin des Catering-Start-ups Lemoncat und Aufsichtsrätin von Domino’s Pizza Enterprises und Ceconomy (MediaMarkt und Saturn), ähnlich: Die Unternehmerin ist eher zurückhaltend, ehemalige Beschäftigte wieder einzustellen. "Natürlich kann man ehemalige Mitarbeiter bei dem aktuellen war of talents nicht pauschal ablehnen", so Huber, "aber ich habe keine guten Erfahrungen gemacht. Mir geht es im Unternehmen immer um eine gute Kultur, mein Anliegen ist, dass Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen. Wenn sich dann eine Person entscheidet, das Unternehmen zu verlassen, hat das Gründe. Und nur weil es in einem anderen Unternehmen noch blöder ist, sind die ursprünglichen Probleme ja nicht weg." Daher bleibt sie in der Regel hart. "Wenn Schluss ist, ist Schluss."

Das Alumni-Netzwerk als Stellenbörse

Es gibt aber auch Unternehmen, die das Rehiring nicht nur nicht ausschließen, sondern ganz systematisch angehen. Etwa die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Ein eigens eingerichtetes Alumni-Netzwerk sorgt dafür, dass ehemalige Kollegen den Kontakt zum Unternehmen halten können. "Die Verbundenheit zu unseren Mitarbeitern geht über alle Senioritätsstufen und reißt auch nicht ab, wenn sich jemand entscheidet, sich weiterzuentwickeln", sagt Carla Spörle, als Managing Director und Partner der Boston Consulting Group zuständig für Marketing und das Alumni-Netzwerk. Mitarbeiter zurückzugewinnen, sei zwar nicht die primäre Zielsetzung, aber ein Aspekt der Arbeit des Ehemaligen-Netzwerkes. Ein weiterer ist die Kontaktpflege innerhalb der Branche oder auch zu anderen Unternehmen, so Spörle. Beispielsweise dann, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter zurück zu BCG möchte, es zu diesem Zeitpunkt dort aber keine passende Position gibt. In diesem Fall werden Netzwerkkontakte aktiviert und nach passenden Stellen bei anderen Unternehmen gesucht – eben jenen, bei denen die übrigen ehemaligen BCG-ler beschäftigt sind.

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Um die Vermittlung ins Netzwerk oder die Wiedereinstellung in die Boston Consulting Group kümmern sich Jens Hohensee, Director Career Services Germany & Austria, und seine Mitarbeiter. In den vergangenen zehn Jahren konnte BCG in Deutschland und Österreich 400 Mitarbeiter zurückgewinnen, sagt Hohensee, der gleich mehrere Vorteile in der Wiedereinstellung sieht: "Boomerang-Kollegen müssen nicht mehr in die Unternehmenskultur integriert werden, weil sie sie schon kennen. Sie müssen auch nicht mehr an bestimmte Prozesse und Strukturen gewöhnt werden, weil sie auch die kennen. Ein Boomerang-Kollege ist immer schneller arbeitsfähig."

Schlechtes Zeugnis für Rückkehrer

Diese und weitere positive Zuschreibungen untersucht die Studie "Welcome Back? Job Performance and Turnover of Boomerang Employees Compared to Internal and External Hires ". Ein Team von Wissenschaftlern mehrerer US-Universitäten analysierte die Daten von Arbeitnehmern einer Firma in den USA, die in Management-Positionen zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückgekehrt sind. Die Ergebnisse: Die vermuteten Vorteile, wie eine schnellere Einarbeitung, ein geringes Wechselrisiko (weil die Rückkehrer schon wissen, worauf sie sich einlassen) oder gar eine bessere Performance (weil die Mitarbeiter bei der Konkurrenz neue Einblicke sammeln konnten), gibt es nicht.

Im Gegenteil: Laut Studie zeigen Boomerang-Mitarbeiter nach der Rückkehr zu ihrem Arbeitgeber nach einiger Zeit die gleiche Leistung wie zuvor, während Beschäftige, die extern rekrutiert oder auf höhere Positionen versetzt wurden, in der Regel nach und nach leistungsstärker werden als Rückkehrer.

Außerdem scheint das Wechselrisiko bei Mitarbeitern, die schon einmal gekündigt haben, größer zu sein. Die Studienautoren konnten zeigen, dass Menschen, die neu eingestellt oder intern weiterentwickelt wurden, weniger häufig das Unternehmen verlassen. Bei Boomerang-Managern dagegen ist die Gefahr einer erneuten Kündigung größer – und wenn sie kündigen, tun sie das meist aus den gleichen Gründen wie zuvor.

Die Ergebnisse aus den USA lassen sich natürlich nicht eins zu eins auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen. Trotzdem könnten sie bei einigen Arbeitgebern einen Denkprozess anstoßen, warum und ob sie wirklich ehemalige Beschäftigte ein Comeback ermöglichen sollten. Arbeitnehmer, die diesen Schritt planen, sollten daher gute Argumente für die erneute Bewerbung beim Ex-Arbeitgeber parat haben.

Der Karriereberater Böse rät außerdem, die Kommunikation mit möglichst großer Offenheit wieder zu starten oder idealerweise den Kontakt gar nicht erst abreißen zu lassen. Gute Chancen sieht er bei Kandidaten, die schon bei der Kündigung wertschätzend deutlich machen, warum sie nun diesen Schritt gehen. Das sei umso wichtiger, da auch die Vorgesetzten das Unternehmen wechseln könnten – und man sich unter Umständen bei einem neuen Arbeitgeber wieder sieht.

"Da ich nicht wissen kann, wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren entwickelt, bleibt man am besten mit seinem ehemaligen Arbeitgeber in einem aktiven Austausch", rät der Coach.

Kommt es zu einem erneuten Vorstellungsgespräch im früheren Unternehmen, sollten Rückkehrer auf unangenehme Fragen gefasst und vorbereitet sein. "Auch jetzt ist Klarheit in der Kommunikation gefragt. Bewerber können davon sprechen, dass sie sich beruflich weiterentwickeln wollten und daher wechseln mussten, jetzt aber wieder Chancen bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber sehen", so Böse.

Wie umgehen mit den neuen alten Kollegen?

Sollte der ehemalige Arbeitgeber noch Restzweifel an der Loyalität haben, rät der Coach weiter, auf die Leistungen und Erfolge zu verweisen, die der Kandidat bereits für das Unternehmen erbracht hat. Und grundsätzlich darauf hinzuweisen, dass nicht gekündigt wurde, um sich von dem Arbeitgeber zu trennen, sondern weil es keine Perspektive oder adäquate Position gab.

Werden sich die Parteien einig und beschließen, es noch einmal miteinander zu versuchen, gibt es bisweilen eine weitere Hürde: Die ehemaligen und jetzt wieder aktuellen Kollegen. Hin und wieder müssen die Rückkehrer – so wie Tobias Meier – mit spitzen Bemerkungen oder blöden Sprüchen der neuen, alten Kollegen rechnen. Böse rät, das Gespräch zu suchen und sich offen mit den anderen Beschäftigten auszutauschen. Rückkehrer sollten ihre eigene Wahrnehmung schildern und den anderen zuhören, um die Vorbehalte auszuräumen. Gelingt das nicht, könne eine neutrale Person, wie beispielsweise ein Mediator, helfen.

Bei Tobias Meier musste keine dritte Person eingreifen. Er hat sich die Sticheleien einiger Mitarbeiter stoisch angehört. Mit Erfolg: Nach kurzer Zeit hatte sich die Aufregung im Kollegenkreis gelegt und er konnte dort weitermachen, wo er aufgehört hat – und macht das heute übrigens immer noch.

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