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Arbeitnehmer in der Pandemie Technik, die nervt

Nervige Technik, Angst um die Gesundheit und zu wenig Unterstützung bei steigender Arbeitsbelastung: Eine groß anlegte Umfrage zeigt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitswelt.
Jeden Tag ein neues Tool: Mancher Homeoffice-Arbeiter ist damit überfordert

Jeden Tag ein neues Tool: Mancher Homeoffice-Arbeiter ist damit überfordert

Foto: Rawpixel / iStockphoto / Getty Images

Jeder vierte Beschäftigte in Deutschland fühlt sich am Arbeitsplatz schlecht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt. Ein Drittel findet, dass die Maßnahmen zum Infektionsschutz ihre Tätigkeit erschwert hat, und ebenfalls ein Drittel sieht sich durch die zunehmende Digitalisierung belastet. Dabei soll die Technik ja helfen, die Arbeit besser zu erledigen – aber das gelingt nicht immer, viele kommen mit den neuen Tools nicht gut zurecht.

Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die am Dienstag veröffentlicht wurde und für die von Januar bis Juni 2021 6400 zufällig ausgewählte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aller Branchen, Berufe, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen und Betriebsgrößen befragt wurden. Ein knappes Drittel von ihnen arbeiteten in diesem Zeitraum häufig oder sehr häufig im Homeoffice.

Die Befragung zeigt einmal mehr eine Spaltung der Arbeitswelt in zwei große Gruppen: Wer von Berufs wegen viele persönliche Kontakte hat und nicht von zu Hause aus arbeiten kann, fürchtet nachvollziehbarerweise um seine Gesundheit – das betrifft etwa Erzieherinnen und Erzieher, von denen sich knapp 60 Prozent große Sorgen machen. Menschen, die körperlich schwer arbeiten, leiden unter den Infektionsschutzmaßnahmen, die die Tätigkeit noch beschwerlicher machen.

Homeoffice: Fürs Heizen fühlt sich der Arbeitgeber nicht zuständig

Insbesondere all die Menschen, »die uns in den systemrelevanten Berufen seit fast zwei Jahren durch die Pandemie bringen«, hätten häufig nicht die Möglichkeit, ihre Arbeit von zu Hause zu erledigen, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. »Dass sie überdurchschnittlich stark unter den Defiziten im betrieblichen Infektionsschutz leiden, sollte uns alle beunruhigen.« Die Gesundheit der Beschäftigten müsse auch in der vierten Pandemiewelle höchste Priorität haben. »Deshalb ist es richtig, dass die Arbeitsschutzregeln verlängert und 3G am Arbeitsplatz eingeführt wurden.«

Wer dagegen im Homeoffice sitzt, hat mit anderen Problemen zu kämpfen: Faktoren wie Kinderbetreuung und wenig geeigneter Arbeitsraum in der eigenen Wohnung machen dieser Gruppe zu schaffen. Knapp die Hälfte muss ohne eigenes Arbeitszimmer auskommen. In mehr als 90 Prozent der Fälle, so die Ergebnisse der Umfrage, müssen Miete, Heizung und Strom allein von den Beschäftigten bezahlt werden.

Und die Technik, die ja eigentlich die Arbeit erleichtern soll, entpuppt sich oft als zusätzlicher Störfaktor, wenn es keine ausreichende Schulung und Unterstützung dafür gibt. Für fast ein Drittel der Beschäftigten im Homeoffice stellt die Arbeit dort eine zusätzliche Belastung dar; 47 Prozent monierten fehlende technische Unterstützung für neue Geräte, 44 Prozent klagten über fehlende Schulungen.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, forderte »gute, nachhaltige Rahmenbedingungen« für die zunehmend digitalisierte Arbeitswelt – etwa IT-Support, Fort- und Weiterbildungen und vor allem das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit. IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban verlangte vom Gesetzgeber einen Rechtsrahmen für mobiles Arbeiten. Homeoffice dürfe nicht zur »arbeitsschutzfreien Zone« werden.

mh/afp
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