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Kontakte im Job So gelingt effektives Netzwerken

Ob auf Jobsuche oder im eigenen Unternehmen: Berufliche Netzwerke bringen einen weiter. Doch wie lernt man die richtigen Leute kennen – und wo verläuft die Grenze zwischen Kontaktpflege und Stalking?
Netzwerken kann beruflich weiterhelfen – aber wie gelingt es?

Netzwerken kann beruflich weiterhelfen – aber wie gelingt es?

Foto: Kkgas / Stocksy United

Netzwerken hilft, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Klingt wie eine Binse, stimmt aber. Schon deshalb, weil viele Jobs nicht über Stellenanzeigen besetzt werden, sondern über persönliche Kontakte. Besser also, man bemüht sich früh um ein eigenes Netzwerk. Nur: Wie genau funktioniert das?

Wer sich durch den Dschungel an Coachings, Ratgebern und Tipps fürs Networking graben will, sollte Zeit mitbringen. Haben Sie nicht? Kein Problem! Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen gesammelt.

Für wen oder was mache ich das eigentlich?

Es lohnt sich zu überlegen, warum man netzwerken möchte. Wer selbstständig ist, kann sich über gelungenes Networking einen breiten Kundenstamm aufbauen. Andere wollen bei der Kontaktsuche ihre Sichtbarkeit erhöhen, Resonanz bekommen oder Erfahrungen austauschen. »Der erste Schritt ist: sich die eigenen Ziele bewusst zu machen«, sagt Netzwerkcoach und Autorin Monika Scheddin. Netzwerker sollten sich daher vor allem am Anfang fragen: Wer bin ich? Wofür stehe ich? Was sind meine Themen – und was kann ich anderen bieten?

»Langfristiges Netzwerken ist eine Frage der Haltung und hat nichts mit der Drückermentalität ›anhauen, umhauen, abhauen‹ zu tun«, so Scheddin. »Die eigenen Interessen zu vertreten, ermächtigt nicht, das Gegenüber niederzubügeln.« Stattdessen gehe es darum, ehrlich und authentisch zu sein und das eigene Produkt oder Anliegen erst einmal hintanzustellen.

»Ich sage den Teilnehmern in meinem Kurs immer: Du bist nur dann interessant, wenn du interessiert bist«, so Scheddin. Die Chefin merkt, wenn Sie auf der Party nur neben ihr stehen, weil Sie auf die ausgeschriebene Stelle schielen. Auch einem Investor wird schnell klar, wenn es nur um das Produkt eines aufstrebenden Gründers geht – der aber nicht ernsthaft am Austausch interessiert ist. »Es kostet Zeit und Geld, einen Menschen kennenzulernen – aber ohne diesen Umweg geht langfristiges Netzwerken nicht«, sagt Scheddin.

Wie baue ich mir ein Netzwerk auf?

Sind die Ziele klar definiert, sollte man sich an Orte begeben, in denen sich die Kontakte in der Regel auch aufhalten: auf Messen, Betriebsfeiern oder Netzwerkveranstaltungen. Auch für den Kontakt im Internet sollte man schauen, auf welchen Plattformen sich die Person überwiegend bewegt, zum Beispiel auf LinkedIn  oder Xing.

Generell gilt: Es lohnt, sich an Menschen zu orientieren, die sich auf einem ähnlichen Karriereweg befinden oder die eigenen Ziele schon erreicht haben. Wer Hemmungen hat, auf Leute zuzugehen, kann vielleicht klein anfangen: »Ich fordere in Trainings oft dazu auf, pro Woche einen Kontakt neu zu knüpfen und einen bestehenden zu pflegen. Das ist für alle machbar«, rät Scheddin.

Dabei hilft es, die eigene Blase immer wieder zu verlassen, auch im eigenen Unternehmen – und vielleicht einmal pro Woche mit Kolleginnen aus anderen Abteilungen zu essen. »Wer auf der Arbeit keine Kontakte pflegt, bleibt oft außen vor und erfährt Wichtiges zuletzt«, sagt Kommunikationsberaterin und Autorin Kerstin Hoffmann. Daher nützt es sowohl Arbeitgebern als auch Angestellten, interne Communitys aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützen – und das auch nach außen zu zeigen.

Die Kontaktaufnahme: Wie trete ich auf?

Monika Scheddins Tipp für den ersten Kontakt: Blickkontakt mindestens für drei Sekunden halten, viele Fragen stellen – und immer aufmerksam zuhören. Einer Person, deren Vortrag man gehört hat – etwa auf einer Veranstaltung –, der kann man gezielt sagen: »Mich hat vor allem die Erkenntnis XY aus Ihrem Vortrag beeindruckt, das habe ich mir gleich notiert.« Natürlich muss das auch der Wahrheit entsprechen.

Außerdem wichtig: aufs Timing achten und sich kurz und knackig vorstellen. Ist der gewünschte Gesprächspartner schon seit Längerem in ein Gespräch verwickelt, kann man sich Scheddin zufolge dazustellen und irgendwann souverän dazwischenwerfen: »Sie sind zwar in ein Gespräch vertieft, trotzdem würde ich Sie gern etwas fragen. Wäre das okay, oder habe ich gerade meinen ersten Fauxpas begangen?« Ist die Zeit des Gesprächspartners knapp, lohnt vielleicht eher: »Ich würde Sie gern kennenlernen, merke aber, dass Sie in Eile sind. Darf ich Ihnen meine Visitenkarte geben beziehungsweise könnten Sie mir Ihre geben?«

Wichtig ist, die Situation einschätzen zu können und offen ins Gespräch zu gehen, ohne aufdringlich zu sein. Um souverän zu wirken, kann man sich bereits vorher über die Personen informieren, die man kennenlernen möchte.

Wie pflegt man Kontakte?

Auf der letzten Netzwerkveranstaltung haben Sie den ersten Kontakt geknüpft und die Visitenkarte eingesteckt. Wunderbar – und dann? Wer beim ersten Nachfassen nichts hört, sollte nicht enttäuscht oder beleidigt sein. Gerade bei Menschen in höheren Positionen oder mit einem großen Netzwerk können Mails oder Visitenkarten schnell untergehen. Dann gilt es: Nicht nachtragend sein, vor allem nicht nerven – und nur nachhaken, wenn es wirklich passt. Kommunikationsberaterin Hoffmann empfiehlt, sich täglich zum Beispiel zehn Minuten Zeit zu nehmen, um Beziehungen zu pflegen. Das kann ein Anruf sein, ein passender Beitrag, den man weiterleitet oder ein Kommentar unter einem Posting.

Wie groß sollte das eigene Netzwerk sein?

»Beim Netzwerken geht es nicht darum, massenhaft Kontakte anzuhäufen«, sagt Hoffmann. Sondern: Die Kontakte stärken, die man hat – und lieber darüber an weitere gelangen. Aber auch hier komme es auf die eigenen Absichten an, so Hoffmann: »Als Berufseinsteiger kann es sich lohnen, erst einmal viele Kontaktanfragen anzunehmen und das noch kleine Netzwerk auszubauen.« Am Ende muss aber jeder selbst herausfinden, wie man mit Anfragen umgeht: Manche Nachrichten sind vielleicht ungeschickt formuliert und trotzdem erweisen die Betreffenden sich später als gute Kontakte. Andere disqualifizieren sich, weil sie schon in der ersten Nachricht etwas verkaufen wollen. »Wer sehr viele Kontakte annimmt, muss womöglich irgendwann prüfen, ob sie ins eigene Netzwerk passen«, so Hoffmann. Was hilft: Einmal im Monat durch alle Kontakte scrollen, bei denen man zweifelt – und eventuell aussortieren.

»Wer sich immer nur dann bei mir meldet, wenn er etwas will, dem entfolge ich schnell«, sagt Monika Scheddin. »Dabei ist allerdings wichtig, höfliche und eindeutige Grenzen zu ziehen.« Auch Scheddin hat ihr Netzwerk klar strukturiert: Die engsten beruflichen Kontakte bilden den »Inner Circle«, der aus ungefähr 20 Menschen besteht. »Die wählt man bewusst aus und meldet sich einmal im Quartal zu besonderen Anlässen mit persönlichen Glückwünschen zum Geburtstag oder einem passenden Artikel.« Gleich danach kommen rund 200 aktive Kontakte: Kunden, Wunschkunden, Lieferanten, Verbündete. Der breiteste Kreis ist eine Datenbank, die aus 2000 Kontakten besteht. Wichtig ist: Alle drei Kreise immer wieder zu evaluieren und im Zweifelsfall auszumisten, um klare Sicht zu behalten.

Wie netzwerke ich im Netz?

Beim Networking auf Plattformen reicht es nicht, ab und zu eine Kontaktanfrage zu versenden und zum neuen Jobwechsel Beifall zu klatschen. Wer ins Gespräch kommen und Gemeinsamkeiten finden will, sollte liken, markieren und kommentieren – aber dabei immer wertschätzend und aufmerksam bleiben. »Niemandem ist geholfen, wenn Sie jemanden unter einem Artikel markieren, der mit diesem Thema nichts am Hut hat oder unter dem diese Person schon mehrmals markiert wurde«, so Scheddin. Ungeschickt seien auch Anfragen, die gleich mit einem Vorhaben verbunden sind, sagt Kerstin Hoffmann.

Wer sich unsicher ist, wie der eigene Netzauftritt wirkt, kann gleich gesinnte Freunde um Rat fragen. Denn die Sprache, die man in Postings verwendet, sollte nicht nur zur Plattform, sondern auch zu einem selbst passen. Auch die richtige Balance zwischen Beruflichem und Privaten ist nicht immer leicht zu finden: »Natürlich interessieren sich Menschen für Privates und gerade auf LinkedIn laufen persönliche Posts oft sogar am besten«, sagt Hoffmann. Das funktioniere aber meist nur bei Leuten, bei denen man schon wisse, wofür sie fachlich stehen. »Jeder sollte sich gut überlegen, wo die eigene Schmerzgrenze liegt bei dem, was man von sich selbst preisgeben möchte.«

Netzwerken Frauen und Männer anders?

»Frauen sind im Privaten tolle Netzwerkerinnen. Im Beruflichen sträuben sich viele aber noch dagegen, Kontakte auch zu nutzen«, sagt Svenja Lassen, Gründerin des »Female Investors Network«, das Investorinnen und Gründerinnen zusammenbringt. »Ich ermutige jede Frau: Hab keine Scheu, um Gefallen zu bitten oder Hilfe anzubieten.« Letzteres mache es oft auch leichter, Unterstützung anzunehmen: »Ich finde es super nett, was du mir anbietest. Was kann ich im Gegenzug für dich tun?«

Sind reine Frauen-Netzwerke überhaupt förderlich, wenn viele Männer nach wie vor in einflussreichen Positionen sitzen? »Frauen unter sich können einen geschützten Raum bilden: Man baut erste Kontakte zu Geschäftspartnerinnen oder Investorinnen auf, die ähnliche Ziele verfolgen, teilt Wissen, tauscht sich aus und wird selbstsicherer in Gesprächen.« Wie hilfreich Frauen-Netzwerke sein können, zeigt auch eine Umfrage unter 110 Topmanagerinnen  aus international agierenden Unternehmen: Dort gab knapp die Hälfte an, dass rein weibliche Netzwerke die Initialzündung gewesen seien, um große Projekte anzunehmen oder das Unternehmen für einen Aufstieg zu wechseln.

Sechs Netzwerk-Tipps
  • Beim Networking geht es vor allem darum, zu nehmen und zu geben. Überlegen Sie sich daher gut, was Sie sich von Ihrem Netzwerk erhoffen und was Sie im Gegenzug bieten können. Aber: Wer Hilfe anbietet, sollte sie auch wirklich leisten und halten können.

  • Haben Sie keine Scheu, um Gefallen zu bitten. Trotzdem sollten Sie Feingefühl dafür mitbringen, wonach man fragen kann. Kommunizieren Sie Absichten offen und transparent, ohne gleich mit der Tür ins Haus fallen.

  • Das Selbstbild sollte zum Fremdbild passen. Wer Zweifel hat, wie er im Netz rüberkommt, kann sich einen gleich gesinnten Tandempartner suchen.

  • In sozialen Netzwerken gilt: Interagieren Sie mit den Personen, mit denen Sie in Kontakt treten möchten. Liken, markieren und kommentieren ist gewünscht, solange Sie dabei wertschätzend und aufmerksam ist. Standardanfragen sollten Sie vermeiden – und stattdessen passend begründen, warum Sie sich mit dem Gegenüber vernetzten wollen.

  • Bei der Kontaktaufnahme: Vorbereitung, Timing, Augenkontakt für mindestens drei Sekunden – und fragen, fragen, fragen.

  • Visitenkarten auf einer Veranstaltung oder Anfragen im Netz ruhig großzügiger annehmen, auch wenn nicht gleich klar ist, ob die Interessen zusammenpassen. Im Gegenzug sollten Sie die eigene Datenbank aber auch immer wieder evaluieren und im Zweifelsfall klare Grenzen ziehen.

Beim Netzwerken geht es vor allem darum, Gelegenheiten wahrzunehmen. Deshalb rät Lassen auch: »Ich sage nie etwas ab, ohne gleichzeitig eine andere Frau aus meinem Netzwerk zu empfehlen.« Es lohne sich immer, sich für andere einzusetzen: »Netzwerken ist wie eine Beziehungsbank, in die man einzahlt. Man weiß nie wann, aber irgendwann kommt es zurück.«

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