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Leben im Ausland "Es werden diejenigen scheitern, die nicht flexibel sind"

Wie sollte man sich auf ein Leben im Ausland vorbereiten, was lässt sich im Vorfeld klären, und wie kann man Kinder dafür begeistern? Katarina Lerch erklärt, wie das Auswandern gelingen kann.
Ein Interview von Kristin Haug
Auswanderer: Plant man, ins Ausland zu gehen, sollte man die Interessen der eigenen Familie besonders berücksichtigen

Auswanderer: Plant man, ins Ausland zu gehen, sollte man die Interessen der eigenen Familie besonders berücksichtigen

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Julieanne Birch / E+ / Getty Images

manager magazin: Frau Lerch, Sie beraten und trainieren Deutsche, die ins Ausland ziehen. Stellen wir uns vor, ich habe ein Jobangebot in einem Land bekommen, in dem ich noch nie war – wie kann ich mich am besten vorbereiten?

Lerch: Am wichtigsten ist es, sich über das Land zu informieren, dazu gehört auch die Businessetikette. Auf Länderportalen wie zum Beispiel dem Countrynavigator gibt es zuverlässige Informationen und Tipps. Manche Portale kosten etwas, aber Unternehmen haben für ihre Mitarbeiter oft einen Zugang dafür.

Welche Dinge sollte ich auf jeden Fall regeln, bevor ich auswandere?

Bei allen Entscheidungen würde ich immer die eigene Familie in den Vordergrund stellen. Jeder, der auswandert, sollte sich fragen, wie er es seiner Familie ermöglichen kann, im Ausland gut weiterzuleben. Kann der Partner dort arbeiten? Gibt es gute Schulen und ein gutes Umfeld für die Kinder? Das findet man heraus, indem man Kontakt mit anderen Expats vor Ort aufnimmt. Über LinkedIn oder Xing kann man gezielt nach Deutschen suchen, die in dem jeweiligen Land wohnen, in das man ziehen möchte.

Lohnt es sich, vorab einen Urlaub in das Land zu buchen?

Viele Arbeitgeber zahlen sogar einen Look-and-see-Trip, also eine Reise, um den neuen Wohnort kennenzulernen. Es hilft sehr, wenn man sich schon vor dem Umzug eine Meinung gebildet hat. Manche Unternehmen schalten auch Relocation-Agenturen ein, die die Situation vor Ort kennen und beraten können. Wichtig ist: Man sollte so viele Informationen über die Stadt oder Region sammeln, wie man bekommen kann, und sich dabei Fragen stellen wie: Will man unter Einheimischen leben oder dort, wo viele Deutsche sind – und zum Beispiel Kinder schneller andocken können? Wie weit ist die Wohnung von der Schule und vom Arbeitsort entfernt? Wie gut ist man angebunden? Gibt es ein Krankenhaus in der Nähe, in dem man sich verständigen kann? Wie sicher ist die Gegend?

Wie kann ich mich auf ein Land vorbereiten, das als sehr unsicher gilt?

Da bereitet man sich am besten mit speziellen Sicherheitstrainings vor, die etwa die Carl Duisberg Centren oder die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit anbieten. Hier lernt man zum Beispiel, wie man reagiert, wenn plötzlich jemand mit vorgehaltener Waffe vor einem steht, wie man nicht als Ausländer auffällt oder worauf man in gefährlichen Ländern besonders achten sollte.

Was muss ich bei der Krankenversicherung beachten?

Eine Kollegin von mir hat ein Kind in Japan bekommen – aber das ist dort von der Versicherung nicht mit abgedeckt, und sie musste den Krankenhausaufenthalt selbst zahlen. Aus diesem Grund sollte man klären, wie man im Ausland versichert ist. Dazu gehören Fragen wie: Werden alle Krankenhausaufenthalte abgedeckt? Kann man ins Ausland gehen, wenn das Kind Asthma hat? Informieren kann man sich bei der BDAE Gruppe – die sich auf Versicherungen bei Auslandsentsendungen spezialisiert hat.

Wie kann ich meine Kinder auf den Umzug ins Ausland vorbereiten?

Wer kann, sollte es seinen Kindern ermöglichen, die Sprache des Zielorts zu lernen. Sie müssen sich an so viel Neues gewöhnen, dass jeder Brocken der anderen Sprache ihnen weiterhelfen wird. Aber das ist nicht leicht, wenn man Kinder zu Hause hat, die gar nicht umziehen wollen.

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Wie kann man Kinder denn dafür begeistern?

Man kann schauen, ob es Sportvereine, Chöre oder Musikschulen in der Nähe des neuen Wohnortes gibt. Dann kann man den Kindern Fotos davon zeigen und sagen: Schau mal, hier könntest du ja vielleicht mitmachen. Ansonsten muss man ihre Launen akzeptieren und ganz offen mit ihnen reden, etwa mit Sätzen wie: Ich möchte auch nicht umziehen, mir fällt das auch schwer – aber wir schaffen das schon.

Wie finde ich am neuen Wohnort schnell Anschluss?

So viel rausgehen wie möglich. Es schadet zum Beispiel nicht, den Nachbarn Hallo zu sagen oder Veranstaltungen wie Empfänge oder Vorträge zu besuchen. Aber auch wer mit seinen Kindern auf den Spielplatz oder mit seinem Hund in den Park geht, wird Leute kennenlernen. Dabei ist es ganz wichtig, die Landessprache zu können. In dem Moment, wo man die Sprache spricht, tun sich neue Tore auf. Auch wenn man sie nicht perfekt kann, freuen sich die Menschen, wenn man es versucht. Man sollte sich aber nicht mit Dienstleistern wie etwa Haushaltsangestellten anfreunden. Das ist in vielen Ländern unüblich. Hier ist es besser Abstand zu wahren.

Was kann ich gegen Heimweh tun?

Man muss Geduld haben und zäh sein. Es hilft, sich immer wieder klarzumachen, warum man umgezogen ist. Im Ausland wächst man, man bildet sich weiter, lernt eine neue Sprache – davon wird man später profitieren. Es gibt immer Phasen, in denen man frustriert, und andere, in denen man euphorisch ist. Dieses Phänomen ist als Kulturschock bekannt und geht vorbei.

Und was sollte ich tun, wenn es mir über einen längeren Zeitraum richtig schlecht geht?

Zum Anpassungsstress können Magenschmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Nervosität gehören. Diese Phase sollte aber nach drei bis sechs Monaten vorbeigehen. Wenn es einem schlecht geht, kann man auch im Ausland einfach zu Hause bleiben und sich ausruhen, ein Buch lesen oder Netflix schauen – sofern es Arbeit und Kinder zulassen.

Welche Personen werden im Ausland scheitern? Die Ängstlichen?

Die Ängstlichen gehen gar nicht erst weg. Es werden diejenigen scheitern, die nicht flexibel sind, die sich nicht auf andere Kulturen und Lebensumstände einstellen können. Und diejenigen, die nicht dazulernen wollen. Wer sich nicht einlassen kann und alles so machen will wie in Deutschland, der braucht es im Ausland gar nicht erst zu versuchen.