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Job & Karriere

Doris Brenner

Rat von der Karrierecoachin Wie bekommen wir Karriere und Beziehung unter einen Hut?

Doris Brenner
Ein Gastbeitrag von Doris Brenner
Sandra und ihr Partner haben gute Jobs, aber sie müsste für den nächsten Karriereschritt umziehen. Die Coachin weiß: Für Dual-Career-Paare gibt es mehr Unterstützung, als man denkt.
Zusammen als Paar Karriere machen: Das geht (Symbolbild)

Zusammen als Paar Karriere machen: Das geht (Symbolbild)

Foto: Westend61 / Getty Images
Zur Autorin

Doris Brenner arbeitet als freie Beraterin und Coach mit den Schwerpunkten Personalentwicklung sowie Karriere- und Outplacementberatung. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin verfügt über langjährige Erfahrung in Fach- und Führungsfunktionen wie im HR-Bereich der Industrie.

Doris Brenner ist Initiatorin und Gründungsvorstand der DGfK Deutsche Gesellschaft für Karriereberatung e.V.

E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de schreiben – Stichwort Doris Brenner 

Sandra, 37 Jahre, fragt: »Ich bin auf einen echt spannenden Job angesprochen worden, der für mich als Umweltingenieurin eine tolle Weiterentwicklungsmöglichkeit bedeuten würde. Das Problem: Der Job ist in Ludwigsburg bei Stuttgart, 400 Kilometer vom gemeinsamen Lebensmittelpunkt meines Partners und mir entfernt. Mein Partner, promovierter Chemiker, ist mit seiner beruflichen Situation zufrieden. Er hat Bedenken, seinen Job aufzugeben. Eine dauerhafte Fernbeziehung ist für uns beide keine Option.«

Liebe Sandra,

die Herausforderung, vor der Sie und Ihr Partner derzeit stehen, ist immer häufiger Gegenstand in meinem Beratungsalltag. Insbesondere wenn beide Partner gut qualifiziert sind und sich beruflich weiterentwickeln wollen, stellt sich die Frage, wie sie Karriere und Beziehung unter einen Hut bekommen. In der Regel bietet sich wie auch bei Ihnen einem der Partner eine berufliche Chance. Jetzt gilt es zu prüfen, ob (und gegebenenfalls wie) sich auch die Interessen des anderen Partners im Zuge dieser Veränderung berücksichtigen lassen.

Zunächst können Sie positiv festhalten, dass Ihr Partner nicht grundsätzlich gegen einen Standortwechsel ist und damit eine berufliche Neupositionierung für ihn infrage kommt. Häufig machen äußere Rahmenbedingungen den Wohnortwechsel schwer: Etwa wenn ein Partner als Landesbeamter an ein Bundesland gebunden ist oder es pflegebedürftige Angehörige gibt. Bei Ihnen geht es darum, dass Ihr Partner am neuen Standort für sich eine adäquate berufliche Neupositionierung finden kann. Für einen promovierten Chemiker bieten sich in einer Wirtschaftsregion wie Stuttgart viele Möglichkeiten.

Dual-Career-Paare sind hochattraktiv für Unternehmen

Zunächst aber gilt es, seine Bedenken in jedem Fall ernst zu nehmen. Indem Sie gemeinsam die Vorteile und Nachteile sowie die Chancen und Risiken der sich bietenden Veränderung besprechen, legen Sie Ihre Einschätzungen für beide sichtbar auf den Tisch. Hierzu zählen insbesondere auch emotionale Aspekte, die ausgesprochen werden sollten, da sie ansonsten unterschwellig immer mitlaufen. Werden diese in dem weiteren Prozess nicht berücksichtigt, kann es zu ganz massiven Störungen in der Beziehung kommen.

Lassen sich auch für Ihren Partner Vorteile und Chancen in der Veränderung erkennen, wird seine Bereitschaft, diese aktiv mitzugestalten, deutlich wachsen.

Sie gehören in Ihrer Beziehungskonstellation zu den sogenannten Dual-Career-Paaren, die auch für die Unternehmen eine hochattraktive Zielgruppe darstellen . Sprechen Sie die private Situation bei Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber an. Immer mehr Unternehmen sind sich bewusst, dass sie Mitarbeiter aus solchen Konstellationen in der Regel nur für sich und einen Ortswechsel gewinnen können, wenn sie auch den Partner dabei unterstützen.

Dieser »Dual Career Service«, der seit vielen Jahren an den Hochschulen bei der Berufung von Professoren geboten wird, etabliert sich mehr und mehr auch in der Wirtschaft. Regionale »Welcome Center« und Netzwerke in den Regionen unterstützen hier. So bietet etwa die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart mit ihrem Dual Career Service Hilfe an. Dies kann Karriereberatung für Ihren Partner bedeuten oder die Unterstützung bei seiner Bewerbung in den beteiligten Netzwerkunternehmen der Region.

Seit Corona hat sich das Thema Homeoffice auf breiter Front etabliert. Auch dies wäre eine Option, über die Ihr Partner mit seinem bisherigen Arbeitgeber sprechen könnte. In gleicher Weise könnten auch Sie auf Ihren potenziellen neuen Arbeitgeber zugehen und klären, inwieweit nach einer gewissen Einarbeitungszeit eine Remote-Lösung denkbar wäre, bei der Sie von Ihrem bisherigen Wohnort aus arbeiten können.

Sofern ein Standortwechsel notwendig wäre, könnten Sie auch darüber nachdenken, zunächst während der Probezeit unter der Woche an den neuen Standort zu ziehen und sich an den Wochenenden beim Reisen abzuwechseln. So hat auch Ihr Partner die Möglichkeit, sich mit seiner möglichen zukünftigen neuen Heimat vertraut zu machen. Ferner gewinnt er Zeit, um sich in Ruhe nach einer neuen Stelle umzusehen.

Wie Sie sehen, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, um die aktuelle Situation positiv zu gestalten und die Chancen, die eine solche Veränderung mit sich bringen kann, auch zu nutzen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Partner dafür alles Gute.

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