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Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Ich bin ein Macher, aber mein Chef hält mich klein

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Jochen will im Job richtig loslegen, doch sein Chef blockiert seine Vorschläge – die Kollegen machen schon längst nur noch Dienst nach Vorschrift. Was soll Jochen tun: kündigen oder kämpfen?
Outside the box: Wer Außergewöhnliches leisten soll, braucht Freiräume

Outside the box: Wer Außergewöhnliches leisten soll, braucht Freiräume

Foto: Colin Anderson / Digital Vision / Getty Images

Jochen, 38, fragt: »Ich bin seit einem Jahr bei meinem neuen Arbeitgeber. Im Bewerbungsgespräch hieß es, gesucht sei jemand, der mitgestalten und sich einbringen möchte. Es macht mir Freude, Dinge zu hinterfragen und neue Lösungen zu entwickeln. Doch ich habe schnell bemerkt, dass meine Kollegen nur Dienst nach Vorschrift machen und ich mit meinen Ideen im Team anecke. Mein Chef blockiert alles, was ich vorschlage. Ich habe das Gefühl, er hält mich absichtlich klein. Was kann ich tun?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Jochen,

Sie sind einer von vielen höchst motivierten Mitarbeitern, die ihre Stärken und Ideen bei einem Arbeitgeber nicht so einbringen können, wie sie es könnten. Umso erschreckender, wenn Sie sogar mit der Erwartung eingestellt worden sind, sich als Gestalter einzubringen – und nun bemerken, dass es im Alltag offenbar nicht erwünscht ist. Es ist wichtig, dass Sie jetzt nicht auch frustriert auf Dienst nach Vorschrift umschalten, sondern als geborener Macher jener Gestalter bleiben, der Sie sind.

Macher müssen machen dürfen

Hinter »Machern« wie Ihnen verbergen sich häufig breit ausgebildete und vielseitig interessierte Generalisten, die oft nicht auf ein Fachgebiet spezialisiert sind. In Lebensläufen von Generalisten wird nach einigen Jahren in unterschiedlichen Positionen mehr ein bunter als der rote Karrierefaden sichtbar. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, doch viele dieser Macherinnen und Macher sind für Neues schnell zu begeistern und sie brauchen die große Spielwiese im Job, auf der sie sich mit langer Führungsleine möglichst vertrauensvoll frei bewegen können. Zu viel Routine langweilt, erst die immer neue Herausforderung als Abenteuer auf unbekanntem Terrain treibt sie an.

Jochen, Sie fühlen sich von lauter Dienst nach Vorschrift machenden Kolleginnen und Kollegen umgeben, die Ihre Macher-Qualitäten offensichtlich nicht zu schätzen wissen. Angestellte, die täglich nine-to-five routiniert im eingespielten Team in Ruhe ihren Job machen möchten, haben andere Wertevorstellungen und Ziele im Beruf. Sie sind in einem Umfeld gelandet, in dem Veränderung vermutlich Angst auslöst und lieber gewohnt an Bestehendem festgehalten wird. Es ist keine Überraschung, dass Sie in dieser Umgebung als vermeintlich gefährlicher Störenfried angesehen und systematisch entkräftet werden, statt Wertschätzung als Denker, Gestalter und Steuerer zu erfahren.

Auch für viele Führungskräfte und ganze Organisationen sind waschechte Macher eine Herausforderung. Weil sie die Dinge kritisch hinterfragen, statt brav Anweisungen zu befolgen und weil sie unablässig Neues einfordern, statt zufrieden mit dem Status quo zu sein. Doch wer als Chef oder sogar ganzes Unternehmen Mitarbeiter kleinhält, der wird selbst nicht wachsen.

Jedes Team braucht einen Macher

Keine Sorge, Jochen, Sie sind in Ordnung, wie Sie sind. Die Lösung liegt nicht darin, den Macher in Ihnen in die Wüste zu schicken und sich anzupassen, um akzeptiert zu werden, sondern sich im ersten Schritt Ihrer eigenen Wirkung als Macher noch bewusster zu werden. Denn ich gehe davon aus, dass Sie sich nicht jeden Morgen entscheiden, harte Kämpfe mit Ihren Kollegen auszutragen und Ihrem Chef auf die Nerven zu gehen. Nein, Sie möchten etwas im Guten bewegen, mit Ihren Erfahrungen und Stärken Sinnvolles gestalten, erfolgreich Ziele als Team erreichen und hierfür Wertschätzung spüren. Was ist hieran schon verwerflich?

Gehen Sie auf Ihren Chef und die Kollegen zu. Schaffen Sie in Gesprächen ohne Rechtfertigung Klarheit darüber, wie Sie als Mensch ticken und was Ihnen im Beruf wichtig ist. Besprechen Sie mit Ihrem Chef, wie Sie das vergangene Jahr wahrgenommen haben, wie Sie sich heute fühlen und was Sie sich von ihm in Zukunft stärker oder anders wünschen. Nehmen Sie Ihren Kollegen die Angst vor Ihrer Macher-Stärke und geben Sie ihnen die Chance, Ihre echte Motivation zu verstehen und so Ihr Verhalten anders neu zu bewerten.

Ziel ist es, nicht länger als der umtriebig störende Besserwisser und Feind im Team angesehen zu werden. Sondern als derjenige akzeptiert und wertgeschätzt zu werden, der das Team auch stärken, die Kollegen unterstützen und auf seine Art zum Teamerfolg beitragen kann. Und falls dies dort weiterhin nicht erwünscht ist, dann sollten Sie sich gezielt auf die Suche nach einer passenden Spielwiese und solchen Arbeitgebern machen, bei denen Sie als Macher wirklich willkommen sind. Glauben Sie mir, es gibt sie.

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