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Arbeit bei brütender Hitze Kann ich mein Büro auch ins Freibad verlegen?

Heute wird es heiß. Können Sie Ihr mobiles Office ins Freibad verlegen? Was gilt für Berufe mit Maskenpflicht oder im Freien? Das sollten Beschäftigte wissen.
Augen zu – und Wasserflasche neben das Notebook: Den Ventilator dagegen sollte man bei den aktuellen Strompreisen eher sparsam nutzen

Augen zu – und Wasserflasche neben das Notebook: Den Ventilator dagegen sollte man bei den aktuellen Strompreisen eher sparsam nutzen

Foto: demaerre / iStockphoto / Getty Images

Die Hoffnung, freimachen zu dürfen, wenn es besonders heiß ist, ist schon seit der Schulzeit ein treuer Begleiter. Aber gibt es so etwas auch im Büro? Genießen Schwangere einen besonderen Schutz und was ist eigentlich mit der Maskenpflicht, wenn man bei der Luft doch so schon kaum atmen kann? Michael Fuhlrott, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Hamburg, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Vorschriften gibt es für Temperaturen am Arbeitsplatz?

Zunächst ist entscheidend, wie heiß es am Arbeitsplatz ist. Auch eine Außentemperatur von weit über 30 Grad ist also erst mal nachrangig, wenn das Büro gut gekühlt ist. Denn hier gilt: Laut Arbeitsstättenverordnung  soll die Temperatur im Büro grundsätzlich nicht höher als 26 Grad sein. In besonderen Fällen, zu denen auch Sommertage zählen, müssen Beschäftigte aber auch bei Raumtemperaturen von 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann aber zwingend Schutzmaßnahmen ergreifen . Je nach Temperatur können das etwa Jalousien, Ventilatoren oder auch Hitzepausen sein.

Wie müssen Beschäftigte geschützt werden?

Die Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass Firmen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden einen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung anbringen müssen. Falls es trotzdem unerträglich heiß bleibt, sollten Beschäftigte die Chefin oder den Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten. »Sollte der Arbeitgeber nichts tun, wäre die Ultima ratio, das Amt für Arbeitsschutz oder die Gewerbeaufsicht zu informieren«, sagt Fuhlrott. Erst einmal muss der Arbeitgeber jedoch von sich aus alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um gegen die Hitze vorzubeugen – und der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die Chance geben, dies zu tun.

Können Arbeitszeiten angepasst werden?

Falls es dem Betrieb möglich ist, empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  die Arbeits- und Pausenzeiten an die Hitze anzugleichen. So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden – das kann auch im Büro sinnvoll sein. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden. Bei einer Anpassung der Arbeitszeiten hat auch der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht, sollte es im Unternehmen einen geben.

Wie schützen sich Menschen, die im Freien arbeiten?

Menschen, die viel draußen eingesetzt werden, etwa auf einer Baustelle, müssen vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Kappen bereitstellen. »Wie intensiv die Maßnahmen sein müssen, muss der Arbeitgeber im Einzelfall abwägen«, sagt Fuhlrott. Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten in jedem Fall gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen – langfristig droht sonst die Augenkrankheit grauer Star , die sogenannte Katarakt.

Fällt bei besonderer Hitze die Maskenpflicht?

»Gibt es eine Maskenpflicht, gilt die auch bei steigenden Temperaturen«, sagt Arbeitsrechtler Fuhlrott. Auch wenn es ausgenommen von einigen Bereichen mittlerweile nur noch selten verpflichtend ist, eine Maske zu tragen. Dass in Krankenhäusern oder Pflegeheimen auch bei Hitze der Schutz von Patientinnen und Bewohnern Priorität hat und die Maske aufbleiben muss, dürfte klar sein. Bei Unternehmen, in denen einzig der Betrieb geregelt hat, dass noch eine Maske getragen werden muss, »lässt sich darüber streiten, ob bei 35 Grad der Gesundheitsschutz des Einzelnen wichtiger ist als der des Kollektivs«, sagt Fuhlrott. Durch andere Maßnahmen entgegenwirken kann man natürlich immer: etwa durch vermehrte Pausen oder zeitlich versetztes Arbeiten, um die Maskenpflicht zu entzerren.

Was ist, wenn es im Homeoffice zu warm wird, habe ich dann auch hitzefrei?

Hier ist zuerst wichtig, zu unterscheiden: Dürfen Mitarbeitende nur von zu Hause arbeiten oder ist das Unternehmen geschlossen im Homeoffice? Hat man keine Möglichkeit, von zu Hause in klimatisierte Unternehmensräume zu wechseln, dann muss der Mitarbeitende dafür sorgen, dass es in den eigenen vier Wänden wohltemperiert ist, und er oder sie der Arbeit nachgehen kann. Ist Homeoffice im Arbeitsvertrag vereinbart, greifen die Temperaturvorschriften der Arbeitsstättenverordnung erst einmal nicht. Die Hauptpflicht, sich gegen Hitze zu schützen und seine eigenen vier Wände arbeitsbereit zu halten, liegt beim Arbeiten außerhalb des Büros beim Arbeitnehmer.

Wenn ich ein Klimagerät laufen lasse, kostet das Strom. Kann ich mir die Kosten dafür von meinem Arbeitgeber zurückholen?

»Das hängt sehr stark von den einzelnen Regelungen ab, die Arbeitgeber mit ihren Mitarbeitenden getroffen haben«, sagt Fuhlrott. Hier würden Strom und sonstige Abnutzungskosten regelmäßig abgegolten sein. Ist im Unternehmen nichts geregelt, dann gilt der Grundsatz, dass die Mitarbeitenden selbst dafür verantwortlich sind, das Zimmer kühl genug zu halten, um dort arbeiten zu können. Beim mobilen Arbeiten gelten keine bestimmten Vorschriften.

Muss der Arbeitgeber mir einen kühleren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen?

Sollte es klimatisierte Büroräume geben, sind die sicher eine gute Alternative bei brütender Hitze – ansonsten liegt die Verantwortung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zumindest dann, wenn Homeoffice oder mobiles Arbeiten vertraglich vereinbart ist.

Und beim mobilen Arbeiten: Hier kann ich doch auch aus dem Park oder Freibad meine Arbeit verrichten, oder?

»In der Tat können Sie aus dem Park, Freibad oder Café arbeiten, wenn mobiles Arbeiten vereinbart wurde«, sagt Fuhlrott. Die Hauptsache ist: Die anstehenden Aufgaben können ohne Probleme erledigt werden. Damit das nicht frei von Regeln passiert, kann der Arbeitgeber Richtlinien zum mobilen Arbeiten bestimmen. Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, sind die Regeln zum mobilen Arbeiten entweder in der Betriebsvereinbarung verbrieft oder, wenn es keine Arbeitnehmervertretung gibt, individuell mit dem Mitarbeitenden geregelt. In den Policies festgeschrieben wird hier etwa, dass sichergestellt ist, dass sensible Gespräche nicht belauscht werden können oder Dokumente von Fremden nicht ohne Weiteres eingesehen werden. Ein ruhiger Platz und eine Sichtschutzfolie für das Notebook sind also beim mobilen Arbeiten neben der Wasserrutsche keine schlechte Idee.

Ist es im Freibad nicht problematisch, wenn ich aus offenen WLAN-Netzwerken mit sensiblen Daten arbeite?

Auch hier geht es wieder um die gerade schon erwähnten Vereinbarungen des Arbeitgebers zum mobilen Arbeiten. »Und selbst, wenn es die nicht gibt: Als Arbeitnehmer muss ich natürlich beachten, dass ich in einem offenen WLAN nicht mit hochsensiblen Daten arbeiten kann«, sagt Fuhlrott. Eine Alternative wäre hier etwa der Hotspot über das Diensthandy.

Was können Schwangere tun?

Schwangere, stillende Mütter oder Mitarbeitende, die mit einem Attest gesundheitliche Probleme belegen, können vom Arbeitgeber verlangen, dass bestimmte Raumtemperaturen eingehalten werden. Falls der Arbeitgeber nicht für Kühlung sorgen kann, haben sie ein Recht auf bezahlte Freistellung an den extrem heißen Tagen. Bekommt man durch die Hitze etwa Probleme mit dem Kreislauf und kann nicht mehr arbeiten, ist man regulär »krank«.

Was ist bei zu hoher Ozonbelastung?

Falls die Ozonwerte überschritten oder Sommersmog gemeldet wird, müssen Firmen, je nach Bundesland, den Empfehlungen des Amtes für Arbeitsschutz oder der Gewerbeaufsicht folgen. Insbesondere müssen schwere Arbeiten dann begrenzt werden. Das Umweltbundesamt liefert Messdaten und Verhaltenshinweise.

Dürfen Eltern betreuungspflichtiger Kinder nach Hause?

Wenn die Schule entscheidet, dass es zu heiß zum Lernen ist, stehen viele berufstätige Eltern vor einem Problem. Die Kinder werden nach Hause geschickt, und ihnen fehlt eine Betreuung. »Grundsätzlich haben Eltern hier ein Anrecht auf Freistellung. Der Anspruch auf Lohn muss dabei nicht zwingend entfallen. Dies kommt auf den jeweiligen Arbeits- oder Tarifvertrag an«, sagt Fuhlrott. Allerdings müssten die Eltern erst versuchen, eine Betreuung zu suchen. Die Freistellung ist nur die letzte Option und auch vom Alter der Kinder abhängig. »Die Grenze liegt hier, wie beim Kinderkrankengeld, bei zwölf Jahren liegen«, sagt Fuhlrott.

Wann bekommen Schülerinnen und Schüler Hitzefrei?

Ob es überhaupt Hitzefrei gibt oder nicht und wer darüber bestimmt, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. »Das Thema wird nicht zwischen den Ländern koordiniert«, heißt es von der Kultusministerkonferenz.

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In Baden-Württemberg etwa entscheiden die Schulleiter. Orientierung biete eine alte, aber nicht mehr verbindliche Verwaltungsvorschrift. Darin steht: »Die Außentemperatur beträgt um 10 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten. Hitzefrei gibt es frühestens nach der vierten Stunde vom allgemeinen Unterrichtsbeginn der Schule an gerechnet. Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und nicht für die gymnasiale Oberstufe.«

sun/lku
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