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Dieter Lederer

Tipps vom Karrierecoach Hilfe, meine Mitarbeiter hören mir nicht richtig zu

Dieter Lederer
Ein Gastbeitrag von Dieter Lederer
Luisa ist Abteilungsleiterin und hat ein Problem: Bei Meetings schaltet das Team auf Durchzug, statt sich zu konzentrieren – und hinterher weiß keiner Bescheid. Wie geht das besser?
Hallo, hört mir überhaupt jemand zu?

Hallo, hört mir überhaupt jemand zu?

Foto: Maskot / Getty Images

Luisa, 38 Jahre, fragt: »Ich bin Abteilungsleiterin und beobachte häufig, dass Kollegen bei Informationsveranstaltungen auf Durchzug schalten. Dabei geht es um wichtige Neuerungen, die alle betreffen. Auch meine Mitarbeiter sind meist unaufmerksam und reagieren oft nicht, wenn ich sie über Neuigkeiten und Veränderungen informiere. Hinterher weiß dann kaum jemand Bescheid. Das muss doch besser gehen, aber wie?«

Liebe Luisa,

das geht in der Tat besser, gleichwohl wir täglich viele Beispiele um uns herum erleben, die uns daran zweifeln lassen. Kommunikationswissenschaftler konstatieren seit Langem eine Informationsüberflutung in der Gesellschaft wie auch in Unternehmen. Führungskräfte stellt das vor die Herausforderung, ihre wichtigen Anliegen dennoch so an die Frau und den Mann zu bringen, dass sie nicht untergehen. Verständliche Kommunikation, die bei unserem Gegenüber etwas auslöst und folglich hängenbleibt, ist allerdings Mangelware – in der Politik genauso wie in der Wirtschaft, in der Wissenschaft ebenso wie in der Verwaltung. Doch sie ist erlernbar. Die folgenden Punkte zeigen, worauf es dabei ankommt.

1. Gefühle sind Trumpf

Aus der Hirnforschung wissen wir, dass Informationen dann besonders leicht in den Kopf gehen, wenn Gefühle damit verbunden sind. Umgekehrt heißt das allerdings auch, dass reine Zahlen, Daten, Fakten, wie sie oft in schnöden Foliensätzen oder bei heruntergeleierten Infoveranstaltungen angeboten werden, keine Regung auslösen und damit die Aufmerksamkeit flöten geht. Steve Jobs war sich dieses Effekts sehr bewusst, als er den iPod mit »1000 songs in your pocket« vorstellte: Das Gehirn macht ein Bild daraus, und sofort ist ein Gefühl mit dabei. Vergleichen Sie es mit »Ein Musik-Player mit einer 5GB-Festplatte«. Überlegen Sie also für die wichtigen Botschaften an Ihre Mitarbeiter, wie Sie diese mit einem Bild oder einer Metapher verbinden können. Geht es um neue Unternehmensprozesse, könnten Sie vom »Update des Betriebssystems des Unternehmens« sprechen, bei Qualitätskennzahlen von den »Chartplatzierungen des Monats«.

2. Was hat das mit mir zu tun?

Den Gefühlen folgt der nächste Punkt auf dem Fuß: Wer Information aufnehmen soll, will wissen, was diese mit ihr oder ihm zu tun hat. Nur dann, wenn sie an die eigenen Erfahrungen andockt, hat sie die Chance, als relevant wahrgenommen zu werden. Der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, schafft es nur in den Relevanzkeller, denn er hat nichts mit der eigenen Realität zu tun. Der anstehende Zusammenschluss mit einem Wettbewerber hat viel bessere Aufmerksamkeitschancen, meist jedoch aus purer Angst vor den Konsequenzen für den eigenen Arbeitsplatz. Machen Sie für Ihre Mitarbeiter einfach nachvollziehbar klar, welche Auswirkungen sie für sich erwarten können und welche nicht. Das braucht vorheriges Durchdenken, das sich sehr lohnt.

3. Um welchen Nutzen geht es?

Geht es um eine spezifische Erwartung an Ihr Team, dann liefern Sie mit, zu welchem unternehmerischen Nutzen die Umsetzung beitragen soll. Daraus kommt die eigentliche Motivation für Ihre Forderung. Viele Führungskräfte begnügen sich mit »Tue dieses«. Probieren Sie es mit »Tue dieses und bewirke damit jenes«. Das funktioniert auch dann, wenn Ihr Team keinen direkten Nutzen hat, was häufig der Fall ist, denn die meisten Menschen setzen sich gerne für höhere Ziele ein – sofern sie diese kennen. Mehr Aufmerksamkeit ist Ihnen damit gewiss.

4. Kompliziert ist out!

»Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen«, sagte der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein. Dem steht oft eine pseudokomplizierte Sprache gegenüber, gespickt mit Fachwörtern und Anglizismen. Eines ist gewiss: Damit verlieren Sie Aufmerksamkeit. Sprechen Sie mit einfacher Sprache. Ihre Zuhörer werden es Ihnen danken. Die »Sendung mit der Maus« macht es vor – und ich meine das nicht ironisch. Unser Gehirn liebt Wege, die effizient begehbar sind. Einer künstlich verkomplizierten Sprache zu folgen, gehört nicht dazu.

5. Ein paar Kniffe zum Schluss

Zum Schluss noch ein paar Kniffe für Aufmerksamkeit jenseits der Inhalte und der Sprache, die Sie sofort anwenden können:

  • Zeigen Sie Ihre eigene Beteiligung. Wird Ihre eigene Energie und Überzeugung, Ihr unbedingter Wille spürbar, dann gewinnen Sie Aufmerksamkeit – im Gegensatz zu so mancher Führungskraft, die in den »Nachrichtensprecher-Modus« schaltet, sobald sie anderen etwas präsentieren soll.

  • Machen Sie Unterschiede. Lauter und leiser, schneller und langsamer, höher und tiefer, mehr und weniger prägnant – alles, was Sie lebendig und abwechslungsreich wirken lässt, nützt.

  • Machen Sie Pausen. Nach der Ankündigung »Jetzt komme ich zum spannendsten Punkt des Meetings« ein paar Sekunden Pause zu lassen und erst dann weiterzumachen, wirkt Wunder für die Aufmerksamkeit.

  • Zeigen Sie Ihren Humor. Brottrockene Kost langweilt, und die Aufmerksamkeit macht sich vom Acker.

  • Spiegeln Sie zurück und fragen Sie nach. Ihr Team gibt keinen Mucks von sich, nachdem Sie wichtige Informationen übermittelt haben? Dann locken Sie es heraus: »Ich höre und sehe keine Reaktion von euch. Was ist los?«

Jetzt sind Sie dran: Probieren Sie die obigen Punkte aus und beobachten Sie den Effekt. Variieren Sie so lange, bis Sie mit der Wirkung zufrieden sind. Dann haben Sie Ihren individuellen Kommunikationsstil gefunden, der Ihnen die Aufmerksamkeit verschafft, die Sie sich wünschen.

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