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Job & Karriere

Nachgefragt bei Porsche Wie ist es, wenn ein Berufsleben beginnt – und wenn es endet?

Die eine startet in den Job, für den anderen geht die Zeit im Unternehmen zu Ende. Wie fühlt sich das an? Zwei Protokolle über Passion, Ängste und hohe Erwartungen an die eigene Karriere.
Aufgezeichnet von Florian Gontek
Porsche-Mitarbeitende Katharina Novak, Michael Dimitrov

Porsche-Mitarbeitende Katharina Novak, Michael Dimitrov

Foto: Porsche

Welche Vorstellungen haben Menschen von ihrem Berufsleben? Wie begegnen verschiedene Generationen ihrem Job in einem klassischen deutschen Traditionsunternehmen? Welche Gedanken kreisen, wenn die Karriere zu Ende geht, welche Hoffnungen und Sorgen sind da, wenn das Arbeitsleben gerade erst beginnt, dazu noch während einer Pandemie? Der SPIEGEL hat beim Autobauer Porsche nachgefragt und mit zwei Mitarbeitenden darüber gesprochen, wie sie über Arbeit denken. Eine hat gerade die ersten Wochen ihrer Ausbildung hinter sich – und der andere hat noch wenige Wochen bis zum Ruhestand.


Michael Dimitrov, 59, Leiter Vorentwicklung und Forschungskoordination bei Porsche, kam 1985 als Praktikant ins Unternehmen. Und blieb 35 Jahre. Im Frühjahr geht er in den Ruhestand – mit einem Glas Rotwein in der Hand.  

»Man denkt lange nicht an diesen Zeitpunkt. Daran, was passiert, wenn der Beruf zu Ende geht. Es ist eine Zäsur. Etwas ist vorbei, damit etwas Neues beginnt. Man schaut dann zurück auf die Zeit. Und fragt sich: War das so, wie ich mir das vorgestellt habe?

Die Suche nach dem eigenen Talent

Meine Eltern waren Ärzte, haben mich aber nie dazu gedrängt, auch Mediziner zu werden. Beide gaben mir den Raum, meine Leidenschaften zu entdecken. Mit neun Jahren habe ich meine ersten Autozeichnungen an Zeitungen geschickt; ich wollte Designer werden. Am Ende, da musste ich ehrlich zu mir selbst sein, fehlte mir das Talent. In meinem Beruf hatte ich immer das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Hätte ich das nicht gehabt, hätte ich meinen Weg auch anders gewählt.

Blicke ich auf mein Berufsleben, ist es ein klassischer Weg, der heute wohl nur noch selten ist. Ich habe Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie studiert, danach ein Praktikum bei Porsche gemacht. Ich bin dann 35 Jahre hier geblieben. Mein ganzes Berufsleben. Das klingt erst einmal unspektakulär, aber ich habe mich in dieser Zeit stets verändert: Anfangs habe ich an neuen Technologien für Fahrwerke mitgearbeitet, war in der Serien- und Vorentwicklung von Fahrzeugen, habe geforscht. Alle fünf Jahre habe ich im Unternehmen etwas anderes gemacht.

Jede dieser Veränderungen ist bewusst passiert. Den Fokus von Zeit zu Zeit zu wechseln, das würde ich jeder und jedem empfehlen. Fragen zu stellen, auf die man noch keine Lösung hat, und sie dann im Team zu beantworten; das ist doch das Schönste. 2009 haben wir unseren ersten Prototypen des Elektro-Boxsters an die Öffentlichkeit gebracht.

Hätte mir jemand vor 15 Jahren erzählt, dass wir heute Elektroautos bauen, dann hätte ich erst einmal abgewunken. Während der ganzen Zeit habe ich extrem viel dazugelernt. Die Arbeitswelt hat sich in den drei Jahrzehnten, in denen ich bei Porsche war, kontinuierlich gewandelt; sie ist digitaler und innovativer geworden.

Als ich hier Mitte der Achtziger angefangen habe, waren wir in Weissach keine 2000 Mitarbeiter, heute sind es mehr als dreimal so viele.

Angst davor, dass mir diese hohe Drehzahl fehlt, habe ich nicht. So, wie ich im Beruf ticke, übertrage ich das auf meinen privaten Bereich, ich habe ja Hobbys. Ich schraube gern an Oldtimern, vielleicht kann ich einen davon auch mal spaßeshalber elektrifizieren. Wie sich mein Alltag ändern könnte, da hatte ich ja jetzt durch Corona und das Homeoffice einen kleinen Vorgeschmack: Meine Frau und ich, wir haben es überstanden.

Ich würde gern mehr Tennis spielen, golfen, segeln. Auch viele meiner sozialen Kontakte außerhalb des Berufes möchte ich intensiver leben. Das alles hat nur einen Wert, wenn ich gesund bleibe.

Wie ich meinen letzten Arbeitstag verbringe, darüber musste ich ein bisschen nachdenken. Ich werde ihn bei einem Steak und einem Glas Rotwein im Porsche-Museum ausklingen lassen.«


150 junge Menschen werden bei Porsche in Zuffenhausen bei Stuttgart jedes Jahr ausgebildet. Eine von ihnen ist Katharina Novak, 19, die seit September ein dreijähriges duales Studium bei Porsche macht. Sie wechselt in dieser Zeit alle drei Monate zwischen Hochschule und Betrieb. Novak studiert Wirtschaftsinformatik mit Studienrichtung Application-Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Bei Porsche soll sie später einmal in der Logistik arbeiten. 

»Nervös ist man, glaube ich, immer, wenn etwas Neues beginnt. Aber gleichzeitig ist da eine große Vorfreude in mir. Vor allem auf die Praxis: meine Kolleginnen und Kollegen in der Logistik, die heiligen Hallen, all das. Das ist schon etwas anderes, als sich all das immer nur in Dokus anzuschauen.

Bis jetzt war ich bei Porsche leider nur in der Kantine und im Ausbildungszentrum. Mit Ausnahme des Vorpraktikums konnte ich daher bislang noch nicht so viel praktisch im Unternehmen arbeiten. Durch Corona wird das gerade zusätzlich erschwert. Das ist schade. Eigentlich wäre mein Part in der ersten Praxisphase gewesen, viel zuzuhören und zu schauen. Gerade auf die neuen Kolleginnen und Kollegen habe ich mich sehr gefreut und den persönlichen Kontakt. Online kann das nicht ersetzen.

Klar, ich hatte schon ein Treffen mit den Paten aus meiner Abteilung. Gerade deshalb war ich sehr motiviert. Jetzt ist es natürlich etwas schwerer, ein Verständnis für das zu entwickeln, was noch kommt. Die Produktion zum Beispiel kenne ich noch gar nicht. Dabei ist hier die Herzkammer von Porsche. Aber das wird schon noch. Es ist insgesamt eine herausfordernde Zeit für einen Neuanfang. Natürlich geben sich alle extrem viel Mühe. Dennoch habe ich einen gewissen Respekt davor, in diesen Zeiten praktisch im Unternehmen anzukommen.

Der Traum: einmal im Ausland arbeiten

Mein Beruf soll mich erfüllen und mir Spaß machen, das ist das Wichtigste für mich. Wenn ich jetzt höre, dass Herr Dimitrov 35 Jahre bei Porsche war, dann beeindruckt mich das, und ich sehe es als Ansporn. Ich habe mich riesig gefreut, als die Zusage von Porsche kam.

Ich glaube schon, dass ich mich hier so entwickeln kann, dass ich etwa auch mal die Möglichkeit bekomme, im Ausland zu arbeiten. Das wäre toll. Amerika wäre ein Traum. Grundsätzlich freue ich mich aber über jede Erfahrung, die ich in einer anderen Kultur sammeln kann, und habe große Lust auf all das, was kommt.  

Wie sieht der Alltag nach Corona aus?

Dass ich etwas Technisches machen wollte, habe ich schon in der neunten Klasse gemerkt. Orientieren musste ich mich daher nicht lange. Ich bin ein ziemlicher Autofan, vor allem Sportwagen mag ich. Da war Porsche naheliegend.

Der technologische Fortschritt, gerade in meinem Berufsfeld, ist schon enorm und begeistert mich. Auch wenn die Informatik schon recht weit ist, wird sich noch einiges verändern und werde ich mich in meinem Beruf stetig anpassen müssen. Das ist doch aber genau das Tolle.

Dass der Beruf meinen Alltag zu sehr beschneidet und verändert, da mache ich mir jetzt keine Gedanken. Ich möchte erst einmal ankommen. Zwar fehlt mir gerade ein wenig das Gefühl dafür, wie mein beruflicher Alltag aussehen könnte, wenn kein Corona ist. Aber das wird sich auch wieder ändern.

Ich hoffe natürlich, dass ich in fünf Jahren noch immer bei Porsche bin, in der Logistik. Der Job soll mich dann so erfüllen und glücklich machen, wie ich mir das nach den ersten Eindrücken vorstelle.«

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