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Job & Karriere

Arbeitsmarkt Jeder Vierte kündigt ohne neue Stelle

Im Laufe der Pandemie werden Mitarbeitende wechselwilliger: Mittlerweile ist mehr als ein Drittel offen für eine neue Stelle. Besonders Frauen zieht es weg vom alten Job.
Pandemie als Treiber des Wandels: Nicht nur im Homeoffice denken Arbeitnehmer darüber nach, ob sie im richtigen Job sind

Pandemie als Treiber des Wandels: Nicht nur im Homeoffice denken Arbeitnehmer darüber nach, ob sie im richtigen Job sind

Foto: Franziska & Tom Werner / Getty Images

Der Arbeitsmarkt in Deutschland gerät immer mehr in Bewegung. 37 Prozent der Erwerbstätigen sind offen dafür, den Job zu wechseln – vier Prozent mehr als noch 2021. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Januar 2022 unter 2523 Arbeitenden und Angestellten online durchgeführt hat. Dabei kamen je rund 1000 Teilnehmende aus Deutschland und der Schweiz, der Rest aus Österreich.

Die Untersuchung im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing zeigt auch, dass jeder Vierte den Job kündigt, ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Unter den 30- bis 39-Jährigen ist die Bereitschaft zum Wechsel besonders groß. Rund ein Zehntel der Befragten hat seit Beginn der Pandemie den Job gewechselt. Ein knappes Drittel der Frauen in dieser Gruppe und gut ein Fünftel der Männer gaben an, dass die Coronasituation ihre Entscheidung beeinflusst hat.

Vom Anbieter- zum Nachfragemarkt

Und jede vierte Person behauptete, gekündigt zu haben, ohne bereits einen neuen Job fest zugesagt zu haben. »Der Arbeitsmarkt wandelt sich vom Anbieter- zum Nachfragemarkt. Daher ist es trotz Corona in vielen Branchen so einfach wie noch nie, einen neuen Job zu finden. Immer mehr Beschäftigte hinterfragen während der Pandemie ihre Arbeitssituation und prüfen sehr genau, ob ihr Arbeitgeber kulturell noch zu ihnen passt«, sagt Xenia Meuser von der New Work SE, zu der Xing gehört.

Die Umfrage zur Wechselbereitschaft wird seit mittlerweile zehn Jahren regelmäßig erhoben und untersucht die Arbeitnehmerzufriedenheit sowie die Gründe, aus denen Arbeitnehmende den Job wechseln. Besonders Frauen sind offen für den beruflichen Umstieg. Im Vorjahr hatten sich 32 Prozent für einen Wechsel interessiert, in diesem Jahr sind es 38 Prozent. Allerdings, geben die Autoren der Untersuchung zu bedenken, ist der Grund, aus dem Leute tatsächlich kündigen, nicht unbedingt der, aus dem sie sich generell für einen Wechsel interessieren.

Hauptsache mehr Geld?

Gut die Hälfte der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr schon mal an einen Wechsel gedacht zu haben: gut 40 Prozent vor allem deshalb, weil sie damit die Hoffnung auf ein höheres Gehalt verbanden (bei den Leuten unter 30 Jahren waren das sogar knapp 80 Prozent). Weitere Gründe: Unzufriedenheit mit der Geschäftsführung (38 Prozent) oder dem oder der direkten Vorgesetzten (30 Prozent). Ein Indiz dafür, dass an der alten Personalerweisheit etwas ist, die da sagt, dass Mitarbeiter ihre Chefs verlassen, nicht ihre Unternehmen. Ein knappes Drittel wollte lieber eine andere Tätigkeit ausüben, jeder Vierte vermisste Sinnhaftigkeit im Job .

Bei denen, die dann tatsächlich wechselten, geschah das eher »aus unternehmenskulturellen Gründen«, gibt Xing an. Die Art der Führung spielte für ein knappes Drittel eine Rolle, ebenso die Work-Life-Balance oder, für ein Viertel, die Tätigkeit. Mehr Geld spielte beim tatsächlichen Jobwechsel nur für ein Fünftel eine Rolle. Auch wurde abgefragt, was sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Arbeitgeber erhoffen: Für 59 Prozent war ein gutes Führungsverhalten ausschlaggebend, dicht gefolgt von flexiblen Arbeitszeiten (57 Prozent), einem höheren Gehalt (54 Prozent), persönlicher Sinnerfüllung (52 Prozent) sowie der Möglichkeit, auch von zu Hause oder unterwegs aus zu arbeiten.

mh