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Als Diplomatinnen-Gatte um die Welt "Ich zog um, bevor ein Karrieresprung kommen konnte"

Uli Mans ist mit einer niederländischen Diplomatin verheiratet. Alle vier Jahre wird sie in ein anderes Land versetzt, und er folgt ihr. Aber nur unter einer Bedingung.
Uli Mans wollte schon direkt nach dem Abitur im Ausland leben

Uli Mans wollte schon direkt nach dem Abitur im Ausland leben

Foto: Privat

Viele Menschen träumen von einem Leben in der Ferne, aber nur wenige setzen diese Träume auch um. Was treibt sie an? Wie schaffen sie den Neustart in der Fremde? Davon handelt das Buch »Mittagspause auf dem Mekong«  der SPIEGEL-Redakteurinnen Kristin Haug und Verena Töpper. Sie haben Geschichten von Deutschen in 28 Ländern auf sechs Kontinenten gesammelt. Dieser Text ist ein Auszug aus ihrem Buch, das voriges Jahr erschienen ist.

»Ich bin meiner Frau ins Ausland gefolgt. Schon dreimal. Männer, die das machen, sind leider immer noch in der Unterzahl. Die Expat-Ehemannkreise sind oftmals klein, und man braucht eine Weile, um sich zu orientieren. Die Expat-Ehefrauen sind dagegen gut organisiert, sie treffen sich ziemlich oft.

Meine Frau ist holländische Diplomatin und arbeitet für das niederländische Außenministerium. Als wir uns kennenlernten, war ich in Holland für das The Hague Centre for Strategic Studies tätig und beriet Unternehmen und die Nato zu Krisenregionen. Wir waren gerade mal ein halbes Jahr zusammen, dann sollte meine Frau einen Posten im Ausland antreten. Sie hatte von ihrem Arbeitgeber eine Liste mit Ländern bekommen, die infrage kamen.

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Vier Jahre Heimat

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Für mich war damals klar, dass ich mitgehen würde. Doch ich hatte eine Bedingung: Ich müsste in dem Land, in das sie entsandt wird, auch Geld verdienen können. Einfach so irgendwohin mitzuziehen, ohne zu arbeiten, hätte ich nicht mitgemacht.

In unserem Freundeskreis gibt es sehr viele Partner, die es irgendwann aufgegeben haben, im Ausland nach Arbeit zu suchen. Es kann schwierig sein, einen Job zu bekommen, und ein Expatgehalt reicht meist für beide aus. Viele beschäftigen sich dann mit Freiwilligenarbeit. Für mich war aber immer klar: Arbeit und Karriere machen Spaß und sind mir sehr wichtig. Nicht zu arbeiten – das würde mich auf Dauer nicht erfüllen.

Vom Dorf im Schwarzwald in den Sudan

Meine Frau und ich überlegten damals gemeinsam, wo sie einen Posten annehmen könnte. Und wir entschieden auch gemeinsam: im Sudan. Ich kannte die Hauptstadt von meiner Arbeit, fand das Land spannend, und ich wusste, ich könnte von dort aus weiterhin als Berater für NGOs oder die Uno tätig sein. Zudem wollte ich die Zeit im Sudan nutzen, um meine Doktorarbeit über erneuerbare Energien anzugehen.

Ich bin in einem Dorf im Schwarzwald aufgewachsen und wollte gleich nach dem Abi erst mal raus aus Deutschland. Während des letzten Schuljahres habe ich mich deswegen auch mehr um einen Auslandsaufenthalt in Neuseeland als um meine Noten gekümmert.

Für das Arbeitsvisum musste ich von Deutschland aus nachweisen, dass kein Neuseeländer den Job machen könnte, den ich machen würde: Touristen auf Deutsch erklären, wie sie ein Wohnmobil im Linksverkehr durchs Land fahren können. Das habe ich dann ein Jahr gemacht. Natürlich vor allem aus Neugier und Abenteuerlust, aber auch ein wenig um mir zu beweisen, dass ich auf eigenen Beinen stehen konnte.

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Kristin Haug, Verena Töpper

Mittagspause auf dem Mekong

Verlag: Penguin Verlag
Seitenzahl: 256
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Nach meinem Zivildienst in einer Jugendherberge in Koblenz zog ich nach Holland, weil es dort in den Neunzigerjahren schon einige Studiengänge gab, die man zumindest teilweise auf Englisch studieren konnte. Das englischsprachige Studium war mir wichtig, weil ich wusste, dass ich mit so einem Abschluss später sicher auch im Ausland arbeiten könnte. Ich entschied mich für Entwicklungshilfe, legte meinen Schwerpunkt auf afrikanische Länder und wollte möglichst viel Zeit im Ausland verbringen.

Weil der Studiengang kein Austauschprogramm mit afrikanischen Unis hatte, habe ich mit zwei Kommilitoninnen einfach selbst eins erarbeitet. Wir nahmen Kontakt zu einer landwirtschaftlichen Uni in Uganda auf – und flogen dann als erste Teilnehmer unseres Programms dorthin.

Im Kongo schrieb ich später während des Bürgerkriegs unter dem Schutz der Uno meine Diplomarbeit. Zum Glück ist mir in der Krisenregion nie etwas passiert. Nur einmal entkam ich knapp einer Entführung: Ich war zu Fuß unterwegs und wurde von jemandem in Polizeiuniform angehalten. Der Typ wollte meinen Pass sehen und hat ihn mir dann gleich aus der Hand gerissen. Ich musste in ein Auto steigen, und der Mann und sein Komplize, der eine Kalaschnikow dabeihatte, fuhren mich 20 Minuten durch Kinshasa. Sie unterstellten mir, ein Spion zu sein. Irgendwann verloren sie zum Glück das Interesse an mir, ich durfte aussteigen und erhielt meinen Pass zurück.

24 Stunden pro Tag einen Wächter vom Geheimdienst vor der Tür

Im Jahr 2008 zog ich mit meiner Frau in den Sudan, dort lebten wir drei Jahre. Für Expats mit einem Diplomatenkennzeichen am Auto ist das Leben dort ziemlich unproblematisch. Wir hatten ein Haus mit Garten und 24 Stunden pro Tag einen Wächter vom Geheimdienst vor der Tür. Meine Frau wurde in dieser Zeit schwanger. Für die Entbindung flogen wir zurück nach Holland – und als unsere Tochter Cleo zehn Wochen alt war, kehrten wir nach Khartum zurück. Sie hat dort ihre ersten Schritte gelernt, bevor wir im Jahr 2011 wieder nach Europa aufbrachen.

Meine Frau machte ein Sabbatical, um ihre Doktorarbeit fertig zu schreiben und wir zogen nach Berlin – diesmal für meine Karriere, weil ich dort zur Energiewende arbeiten wollte. Das hat auch geklappt: Ich konnte einen Teil meiner Doktorarbeit als Mitarbeiter des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam schreiben.

Nach eineinhalb Jahren in Berlin wurde meine Frau nach Den Haag zurückbeordert, und ich ging wieder mit. Inzwischen hatten wir zwei Kinder und betreuten die beiden abwechselnd. Arbeitsteilung war uns beiden immer wichtig.

In Den Haag brauchte ich wieder einen Job – den fand ich an der Universität, wo ich ein Innovationsteam mit aufbauen konnte. Es ging darum, die Uni in die Zukunft zu führen, etwa mit Onlinekursen, künstlicher Intelligenz und Virtual Reality. Wir blieben vier Jahre in Den Haag, dann wollten wir wieder ins Ausland, um unseren Kindern so früh wie möglich mehr von der Welt zu zeigen.

Damals, 2016, hatte sich meine Frau auf Ankara, Pretoria und Teheran beworben, aber das hatte leider nicht geklappt. Dann wurde zwischendurch eine Stelle in Washington frei – so etwas passiert etwa, wenn ein Kollege unverhofft seinen Posten verlässt –, und wir sagten zu. Wir mussten allerdings innerhalb von drei Monaten umziehen.

Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen

Meine Frau ist damals vorgeflogen, und ich bin mit beiden Kindern noch bis zu den Schulferien in Den Haag geblieben. Mein Arbeitgeber, also die Universität Leiden, erlaubte mir damals, ein Jahr lang vom Ausland aus zu arbeiten. In Washington bekam ich im Jahr 2018 eine Stelle als politischer Berater für die EU. Wieder ein Jahr später erhielt ich das Angebot als Innovationsexperte für das holländische Wirtschaftsministerium an der Botschaft zu arbeiten. So habe ich in drei Jahren drei Karrierechancen nutzen können und konnte so auch viel von Washingtons Politikszene erleben.

Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen, und habe durch die vielen Umzüge viel ausprobieren können. Ich habe es immer geschafft, eine interessante Arbeit im Ausland zu finden und konnte so meine eigene Karriere aufbauen – auch wenn ich erst einmal als Freiwilliger ein paar Monate unbezahlt irgendwo angefangen habe wie zum Beispiel als unbezahlter Berater für NGOs im Sudan oder als Freiwilliger beim IASS in Potsdam.

Aber es ist natürlich nicht ganz einfach, Karriere an einem Standort zu machen, wenn man alle paar Jahre das Land wechselt. Ich hätte vielleicht im Sudan eine NGO leiten oder an der Uni in Den Haag aufsteigen können, aber ich zog um, bevor ein Karrieresprung kommen konnte.

Mit meiner Frau habe ich alle vier Jahre die Diskussion, wohin wir ziehen könnten – und wollen. Sie wollte schon ein paarmal nach Moskau – aber da sehe ich wenig Karrierechancen in meinem Arbeitsfeld. Meine Frau hatte auch schon Angebote in Äthiopien und Vietnam, aber dort erhalten die Partner keine Arbeitserlaubnis.

Unsere Zeit in Washington endete 2020. Wir hätten nach Madrid gehen können, aber haben uns wegen der Kinder dagegen entschieden. Die sind jetzt acht und zehn Jahre, und wir wollten ihnen in ihrer Jugend eine klare Basis geben: Den Haag. Dort haben wir uns vor ein paar Jahren ein Haus gekauft, und da wollen wir nun auf jeden Fall die nächsten vier Jahre wohnen, und dann wird sich das Karrierekarussell meiner Frau wieder drehen. Vielleicht werden es aber dieses Mal sogar acht Jahre, bevor wir wieder ins Ausland gehen. Denn gleich nach unserer Rückkehr aus den Staaten habe ich beim nationalen Innovationsprogramm für Quantumtechnologie angefangen – ein toller Karriereschritt und auf jeden Fall bis ins Jahr 2028 eine Menge Arbeit.«

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