Montag, 20. Mai 2019

Eigenheimmuffel Die unheimliche Liebe der Deutschen zur Miete

Nachkriegsbau in Düsseldorf: Der soziale Wohnungsbau füllte die Lücken

Während fast alle westlichen Länder den Kater nach einem Immobilien-Kaufrausch kurieren, wohnen die meisten Deutschen immer noch zur Miete. Der German Sonderweg weckt Interesse in Amerika. Machen die Eigenheimverweigerer wirklich alles besser, und warum?

Hamburg - Aus Sicht der Mieter in Deutschland mag die These verwegen erscheinen, sie hätten es besonders ruhig. Doch im Vergleich zu Mailand, Paris oder London erscheinen selbst die Münchener Mieten noch moderat. Und auch der jüngste Anstieg der Kaufpreise für deutsche Immobilien ist nichts im Vergleich zum turbulenten Auf und Ab in Ländern wie Irland, Spanien oder den USA.

Tatsächlich ist der deutsche Wohnungsmarkt ein Hort der Stabilität. Dass nach wie vor nur 43 Prozent der Haushalte im eigenen Heim leben, während die Eigentümerrate in den meisten anderen Ländern mit Ausnahme der Schweiz erheblich höher ist, weckt deshalb Interesse bis in die USA. Matt Phillips hat im digitalen Magazin "Quartz" Gründe für die Neigung zum Mieten aufgezählt.

Der Krieg: Phillips argumentiert historisch. Nach der Zerstörung von mehreren Millionen Wohnungen im Zweiten Weltkrieg, als eine private Immobilienfinanzierung nahezu unmöglich war, blieb dem Staat kaum etwas anderes übrig, als möglichst schnell möglichst viele Wohnungen zu bauen. Dabei spielte die Angst vor sozialen Unruhen eine Rolle. "Die Zahl der kommunistischen Wähler steht in umgekehrtem Verhältnis zur Zahl der Wohnungen pro 1000 Einwohner", zitiert Phillips den ersten westdeutschen Bauminister Eberhard Wildermuth.

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