Dienstag, 16. Juli 2019

Vonovia-Chef findet auch Gutes am Mietendeckel Besser Mietendeckel als Verhältnisse wie in London

"Wir wollen keine Städte wie London": Vonovia-Chef Rolf Buch

Sie sprechen Garantien für alte Mieter aus, auferlegen sich einen eigenen Mietendeckel und zeigen plötzlich Verständnis für staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt. Deutsche Immobilienkonzerne auf einmal ganz zahm? Zumindest versuchen Vonovia und Deutsche Wohnen die Stimmung zu entspannen.

In der aufgeheizten politischen Diskussion um bezahlbaren Wohnraum und Mietendeckel sind große deutsche Immobilienkonzerne darum bemüht, ihrem von Kritikern unterstellten Raubtier-Image entgegenzuwirken. "Wir wollen keine Städte wie London, in denen sich nur Superreiche das Leben in der City leisten können", zitiert die Finanznachrichtenagentur Bloomberg Vonovia-Chef Rolf Buch.

Der nun in Berlin für fünf Jahre beschlossene Mietendeckel werde Berlins Senat die Zeit geben, die grundlegenden Probleme anzugehen. Dazu zähle einerseits der Mangel an preisgünstigerem Wohnraum aber auch die Vielzahl an sanierungsbedürftigen Gebäuden, erklärte Buch am Montagabend bei einer Veranstaltung in München.

Zuvor schon hatte Vonovia öffentlich das Versprechen abgegeben, dass Mieter über 70 Jahre wegen Mietpreissteigerungen nicht ihre vier Wände verlassen müssten. Eine Wohnung von Vonovia solle für diese Menschen auch bei einem Ansteigen der ortsüblichen Vergleichsmiete bezahlbar bleiben. Was unter "bezahlbar" im Einzelfall zu verstehen ist, ist allerdings unklar.

Deutsche Wohnen gibt seinen Mietern ein Versprechen

Etwas präziser wird da die Deutsche Wohnen, die als zweiter großer deutscher Wohnungskonzern am vergangenen Wochenende einen eigenen "Mietendeckel" angekündigt hatte. Der Konzern hat einen Großteil seines Wohnungsbestandes in Berlin und geht nun in die Offensive:

Man werde ab 1. Juli Mieterhöhungen nach Modernisierung so begrenzen, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse, hatte die Deutsche Wohnen auf ihrer Internetseite angekündigt. Man wolle nicht nur die Lage auf dem Wohnimmobilienmarkt verbessern, sondern auch künftig die individuellen Kapazitäten der Mieter stärker berücksichtigen.

Nachahmer wird die Deutsche Wohnen mit dem selbst verordneten Mietendeckel wohl nicht so schnell finden. Die börsennotierten Konzerne LEG und TAG sehen wegen einer anderen Struktur ihres Wohnungsbestands und ihren Geschäftsfokus vor allem in NRW und Ostdeutschland keine Notwendigkeit für so einen Schritt, hieß es am Dienstag.

Vonovia zählt rund 360.000 Wohnung in Deutschland und ist damit größter Wohnungskonzernen der Republik vor der Deutschen Wohnen (165.000 Wohnungen) und der LEG Immobilien (134.000).

Vonovia-Chef: "In Berlin ist fast jedes Angebot außerhalb des Gesetzes"

Grundsätzlich sei eine Regulierung des Mietmarktes sinnvoll. Man dürfe den Wohnungsmarkt nicht gänzlich dem freien Spiel der Kräfte überlassen, sagte Vonovia-Chef Buch. Speziell in Berlin hielten sich viele Vermieter nicht an die Gesetze wie zum Beispiel die Mietpreisbremse. "In Berlin ist fast jedes Angebot außerhalb des Gesetzes", zitiert Reuters den Vorstandschef.

Die Auswirkungen des Berliner Mietendeckels hält Vonovia für das eigene Unternehmen für überschaubar, da sich lediglich 10 Prozent der Wohnungen des Konzerns in Berlin befänden. Klar sei aber auch, dass der Deckel der notwendigen energetischen Sanierung von Gebäuden zuwiderlaufe. Die geplante Genehmigungspflicht von Sanierungsmaßnahmen sei zu aufwändig und kontraproduktiv, sie werde letztlich Sanierungen verhindern.

mit Agenturmaterial

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