Donnerstag, 19. September 2019

Bundesweit einmalig Wie Volkswagen in Wolfsburg die Mieten explodieren lässt

Wolfsburg hängt alle ab: So stark steigen die Mieten in Deutschlands Städten
DPA

Geht es um den Immobilienboom der vergangenen Jahre, so ist meist von München oder Hamburg die Rede, wo in noblen sowie begehrten Ecken besonders hohe Preise gezahlt werden. Oder von Berlin, wo die Preise und die Mieten unter allen deutschen Metropolen augenscheinlich am stärksten in Bewegung geraten sein sollen.

Häufig wird auch über mittelgroße Städte im Süden der Republik berichtet, wie Ingolstadt, Passau oder Augsburg. Denn dort scheinen die Lage auf dem Immobilienmarkt sowie das wirtschaftliche Umfeld attraktiv für Kapitalanleger zu sein, die sich beispielsweise eine Wohnung zum Vermieten zulegen wollen.

Vor dem Hintergrund erscheint das Ergebnis einer Analyse des internationalen Immobilienberaters JLL ein wenig überraschend. JLL hat ermittelt, wo in Deutschland eigentlich in den vergangenen Jahren die Wohnungsmieten tatsächlich am stärksten angestiegen sind. In dem Ranking, das dabei herausgekommen ist, und das manager-magazin.de exklusiv vorliegt, steht nicht etwa Berlin an erster Stelle. Auch nicht München, Hamburg, Augsburg oder Passau.

Spitzenreiter ist mit Wolfsburg vielmehr eine Stadt mitten im langweiligen Niedersachsen, von der in Sachen Immobilienmarkt ansonsten nicht so häufig die Rede ist.

Um sage und schreibe knapp 70 Prozent sind die Wohnungsmieten in Wolfsburg von 2010 bis 2014 angestiegen, so JLL. Damit lassen die Niedersachsen beispielsweise Berlin (plus 40 Prozent) sowie München (plus 36 Prozent) auf den Plätzen zwei und drei deutlich hinter sich. Bayerische Mittelstädte wie Bamberg, Würzburg oder Passau kommen ebenfalls nicht an diese Mietaufschläge heran. Sie landen mit Zuwächsen zwischen 20 und 30 Prozent weiter hinten im JLL-Ranking.

Aber warum Wolfsburg? Weshalb ist der Mietmarkt ausgerechnet dort geradezu explodiert, weit mehr, als offensichtlich in jeder anderen größeren Stadt in Deutschland?

Der Hauptgrund dürfte offensichtlich sein: Wolfsburg ist Sitz von Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Europas größtem Autohersteller. Der Konzern bestimmt die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wie kaum ein anderes Unternehmen das einer anderen größeren Gemeinde Deutschlands. Zur Orientierung: Wolfsburg hat etwa 120.000 Einwohner - und das Volkswagen-Werk dort beschäftigt etwa 60.000 Menschen.

Das Schicksal der Stadt ist also direkt mit jenem des Konzerns verknüpft, und in den vergangenen Jahren ging es Volkswagen ausgesprochen gut. Vor allem das florierende Geschäft in China brachte reihenweise Milliardengewinne auf Rekordniveau. Das schlägt offenbar bis auf den Wolfsburger Immobilienmarkt durch.

Zahlen zur Wirtschaft sprechen für sich

Die örtliche Wirtschaftsstatistik bestätigt diese Annahme: So betrug das Beschäftigungswachstum von 2010 bis 2014 etwa 3 Prozent. Dass lokale Wirtschaftswachstum lag im gleichen Zeitraum bei 9 Prozent. Und die Arbeitslosenquote Wolfsburgs ist inzwischen auf etwa 4,8 Prozent gesunken.

Die Folge ist unter anderem ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und damit auch eine überdurchschnittliche Kaufkraft in Wolfsburgs Bevölkerung, so Helge Scheunemann, der die Analyse für JLL durchgeführt hat. Zudem liege die Leerstandsquote bei Mehrfamilienhäusern in der Stadt am Mittellandkanal bei nur 1,4 Prozent. Das sehr geringe Angebot an Mietwohnraum dürfte die Mieten ebenfalls in die Höhe getrieben haben.

"Grundsätzlich hängt hier natürlich viel von VW als Wachstumsmotor ab", fasst Scheunemann zusammen. "Wolfsburg hat sich aber grundsätzlich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt." Dies alles wirke sich in der Summe auf den Wohnungsmarkt aus.

Scheunemann weist aber auch darauf hin, dass sich die Mieten in den unterschiedlichen Orten absolut betrachtet auf sehr verschiedenen Niveaus befinden. Tatsächlich kostete ein Quadratmeter Mietwohnraum in Wolfsburg nach dem rasanten Anstieg zuletzt laut JLL etwa 9,10 Euro pro Monat. Zum Vergleich: Berlin liegt mit 8,80 Euro noch knapp darunter. In München jedoch, Deutschlands teuerster Stadt, müssen Mieter im Schnitt knapp 16 Euro pro Monat und Quadratmeter zahlen, so Scheunemann.

Übersicht: So stark steigen die Mieten in den großen Städten Deutschlands

Christoph Rottwilm auf Twitter

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