Sonntag, 21. April 2019

Steigende Schulden Zentralbank will Briten Kredithahn zudrehen

Schöner shoppen: Oftmals auf Pump, so läuft es in London und dem Rest des Landes. Und das wird zur Gefahr, mahnt die englische Zentralbank
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Schöner shoppen: Oftmals auf Pump, so läuft es in London und dem Rest des Landes. Und das wird zur Gefahr, mahnt die englische Zentralbank

Die Bank of England mahnt vor der hohen Verschuldung der britischen Haushalte. Sie würde den Briten am liebsten den Kredithahn zudrehen. Das größte Problem: Die "Immobilienleiter" und die britische Obsession für ein eigenes Heim.

London - Jon Cunliffe, genauer Sir Jon Cunliffe sprach gewichtige Worte und mahnte vor der hohen Verschuldung der britischen Haushalte. Da Cunliffe Vizegouverneur der Bank of England (BoE) ist, haben seine Worte in der Tat einiges Gewicht. Auch die von ihm auf einer Konferenz in Liverpool genannten Zahlen. Sie zeichnen ein überraschend düsteres Bild, berichtet der Guardian.

Denn der Schuldenstand der britischen Haushalte liegt bei 135 Prozent. Die Privatschulden sind also 1,35 mal so hoch wie das Einkommen. Im Jahr 2000 lag diese Größe bei 100 Prozent, bei 165 Prozent kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.

Damit sind die Briten als Privatleute höher verschuldet als viele Europäer - Kontinentaleuropäer aus Sicht der Briten. Und ebenso verschuldet wie die Amerikaner. Für Cunliffe offenbar eine beunruhigende Nachbarschaft. Denn erst in der vergangenen Woche hatte die Zentralbank einen Aktionsplan vorgelegt, mit dem die riskante Geldleihe eingebremst werden soll.

Britischer Immobilienmarkt läuft heiß

Vor allem der Immobilienmarkt sei es, die die größte Gefahr für die Erholung Großbritanniens darstelle. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das Land bereits verwarnt. Entsprechend der Plan der Zentralbanker. Zum Beispiel sollen die Banken überprüfen, ob ihr Kreditkunde in der Lage wäre, auch bei einer Erhöhung der Leitzinsen um 3 Prozentpunkte noch zahlen zu können. Ab Oktober sollen Banken zudem in der Summe höchstens maximal 15 Prozent ihres entsprechenden Kreditvolumens an Menschen vergeben, die mehr als das 4,5fache ihres Einkommens aufnehmen.

Das Problem - in Großbritannien ist die "real estate ladder", die Immobilienleiter also, fast so etwas wie ein gesellschaftlicher Grundkonsens. Junge Berufseinsteiger kaufen eine Wohnung, verlaufen diese mit Gewinn, um den Erlös in ein Reihenhaus zu stecken und nach einigen Jahren wieder zu verkaufen. Zuletzt vermeldete Nationwide, ein britischer Finanzierer, dass der Durchschnittspreis einer Wohnimmobilie in London im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel gestiegen sei.

Während dieser Zeit sorgen die stetig steigenden Immobilienpreise dafür, dass die Banken Kredite großzügig gewähren, weil der Wert der beleihbaren Häuser ja stetig steigt. Das war gut für den Binnenkonsum. Und auch jetzt sorgt der Binnenkonsum dafür, dass das Land sich Schritt für Schritt aus der Krise befreit und die Rezession hinter sich gelassen hat.

Verschuldung steigt - doch was, wenn die Häuserpreise wieder fallen?

Soweit, so gut. Doch wenn die Hauspreise stärker steigen als die Einkommen, werden mehr Menschen zum Kredit verführt. "Sie strecken sich dann noch mehr", so Cunliffe. Kommt dann noch ein starkes Pfund dazu, das Importe verbilligt und das Shoppen erleichtert, sowie eine steigende Inflation, die die Menschen ihr Geld lieber heute als morgen ausgeben lässt, wird die BoE nervös. Und möchte die Verschuldung in normale Bahnen zurückführen, das Land vor einem erneuten Schuldenrausch retten.

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Die Verschuldung der Haushalte liegt deutlich niedriger, die Inflation auf dem Kontinent ist niedrig - und die Immobilienleiter gibt es auch nicht. Immerhin, der Binnenkonsum zieht an. Für Cunliffe bietet der Blick über der Kanal jedoch keinen Trost: "Die britische Obsession mit Hauseigentum könnte dazu führen, dass Banken nicht in der Lage sind, die Haushaltsschulden zu kontrollieren."

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