Dienstag, 25. Juni 2019

Neues Gutachten Experten sehen kaum Übertreibung bei Immobilienpreisen 

Wohnblocks in Hessen: Insgesamt gibt es Experten zufolge noch keine Übertreibungen bei den Immobilienpreisen und -mieten

Erneut äußern sich Experten zur Lage auf dem Immobilienmarkt, diesmal eher aus Sicht der Immobilienwirtschaft. Die Kernaussage verwundert daher kaum: Übertreibungen gibt es bei Preisen und Mieten bislang nicht, vor allem, weil alles solide finanziert sei.

Berlin - Trotz stark steigender Preise in vielen Städten entwickelt sich der deutsche Immobilienmarkt aus Sicht der Immobilienwirtschaft insgesamt stabil. Das geht aus einer Studie hervor, die mehrere Branchenverbände in Auftrag gegeben haben. "Eine spekulative Übertreibung ist allenfalls für wenige Toplagen in besonders gefragten Stadtteilen zu vermuten", teilte der Regenburger Professor für Immobilienwirtschaft Tobias Just, der die Studie miterarbeitet hat, zur Präsentation in Berlin mit. Entwicklungen wie vor der Finanzkrise in den USA, Spanien und Irland seien in Deutschland auszuschließen.

Dort waren die Preise für Häuser- und Wohnungen nach einem starken Anstieg plötzlich eingebrochen, was die Krise mit auslöste. Deutsche Immobilien seien dagegen solide finanziert, betonten die Studienauftraggeber, der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) und die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung (gif).

Erst gestern hatte die Bundesbank zum gleichen Thema etwas schärfere Töne angeschlagen. Die Preise seien in einigen Metropolregionen zu stark gestiegen, so die Banker. Immobilienanlegern drohten demnach bei Preiskorrekturen "empfindliche Vermögensverluste". Der massiven Anstieg der Immobilienpreise in vielen Orten Deutschlands lässt sich zudem in der Immobiliendatenbank von manager magazin online recherchieren.

Nach Angaben der Immobilienwirtschaft steigen die Preise und Mieten in Deutschland seit rund vier Jahren, nachdem es vorher etwa 15 Jahre lang eine Stagnation gab. Die insgesamt relativ hohe Preisstabilität in Deutschland begründen die Experten mit der hierzulande üblichen soliden Finanzierung. "Damit der Immobilienmarkt auch in Zukunft so stabil bleibt, muss jedoch kritisch darauf geachtet werden, wie sich der Finanzierungsmarkt aufgrund der neuen Finanzmarktregulierung besonders durch Basel III ändert", sagt Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und Mitautor der Studie.

Zu wenig Senioren-Wohnmöglichkeiten

Eine große Herausforderung für den Immobilienmarkt ist nach Angaben von Christian Huttenloher, Generalsekretär des DV, der demografische Wandel in Deutschland. "Derzeit sind nur wenige Wohnungen altersgerecht",sagt Huttenloher. "Weil stationäre Pflegeplätze oft teurer sind als der Verbleib in der eigenen Wohnung, sollte der Staat über Förderprogramme mehr Anreize für den Umbau des Bestandes setzen."

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Studie äußerten sich die Beteiligten auch zur Situation der Immobilienwirtschaft in Deutschland insgesamt. Deutschlands Wohnungsmarkt ist in einer stabilen Verfassung, hieß es. Der Grund sei, dass die Balance zwischen Mietern und Vermietern, zwischen Investoren und Kreditgebern und zwischen staatlicher Fürsorge und privatem Engagement weitgehend gewahrt sei.

Jens-Ulrich Kießling, stellvertretender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) und Präsident des Maklerverbandes IVD, warnt vor Eingriffen in den Wohnungsmarkt. "Steuer- und wirtschaftspolitische Maßnahmen können oft ungewollte und kontraproduktive Wirkungen entfalten", sagte er. "Auch eine rigide Mietpreisgrenze richtet sich langfristig gegen die Mieter, obwohl diese davon profitieren sollen."

Zum Hintergrund: Nach Angaben der Immobilienwirtschaft wächst die Branche seit 2008 um durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr. Das in Gebäuden und bebauten Grundstücken gebundene Nettoanlagevermögen hat sich demnach zwischen 2006 und 2011 von neun auf 10,1 Billionen Euro erhöht. Es trage damit maßgeblich zum wachsenden Vermögen in Deutschland bei.

cr/dpa-afx

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