Samstag, 25. Mai 2019

Studentenwohnungen Warnschuss aus Großbritannien

Das Wohnungsangebot für Studenten ist zur Zeit mehr als knapp. Doch lohnt sich auch die Investition in einen Studentenwohnheim-Fond?

Emissionshäuser preisen seit einiger Zeit geschlossene Fonds an, die in Studentenwohnungen investieren. Doch jetzt zeigt sich: Der neue Nischenmarkt birgt hohe Risiken. In England musste der größte Betreiber solcher Apartments Insolvenz anmelden. Zwei Fonds wurden eingefroren.

Hamburg - Die Pflichtmitteilung der Börse der Kanalinseln ist knapp gehalten, ihr Inhalt dafür umso brisanter: Die britische Investmentgesellschaft Mansion hat ihren auf Guernsey und Jersey handelbaren, 544,8 Millionen Euro schweren offenen Immobilienfonds Student Accommodation nach hohen Mittelabflüssen eingefroren. Damit gelangen Investoren bei einem weiteren englischen Studentenwohnheim-Fonds nicht mehr an ihr Kapital

Zuvor musste bereits die Kapitalanlagegesellschaft Brandeaux ein Anlagevehikel mit einem Portfolio von Studentenapartments im Wert von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro sperren.

Die Ereignisse könnten viele Kapitalanleger hierzulande nervös machen. Denn geschlossene und offene Fonds, die in Studentenwohnanlagen investieren, standen in den vergangenen Jahren auch in Deutschland bei institutionellen und privaten Investoren hoch im Kurs. Nach einer Erhebung der Immobilienforschungsgesellschaft BulwienGesa haben Kapitalanlagegesellschaften und Emissionshäuser Immobilienspezialfonds und geschlossene Immobilienfonds mit einem Gesamtvolumen von 1,58 Milliarden Euro aufgelegt, um Beherbergungsstätten für angehende Akademiker zu erwerben. "Die Nachfrage der Investoren nach solchen Spezialimmobilien ist enorm", sagt BulwienGesa-Vorstand Andreas Schulten.

Private Anleger und Profiinvestoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen, Family Offices, Stiftungen und Versicherungen träumen von hohen Renditen, nachdem in den vergangenen Jahren Nachrichten über eine Wohnungsnot bei Studienanfängern die Runde machten. In Großbritannien waren in der durch die Finanzkrise ausgelösten Rezession die Studentenzahlen signifikant gestiegen, weil zahlreiche Schulabgänger keinen Ausbildungsplatz fanden und an die Hochschulen strebten.

In Deutschland führte die Verkürzung der Gymnasial-Schulzeit von neun auf acht Jahren dazu, dass seit 2011 doppelte Abiturjahrgänge an die Universitäten drängen. "Verschärft wurde die Situation noch, weil im selben Jahr obendrein die Wehrpflicht abgeschafft worden war", sagt Schulten.

"Miese Studentenabzocke"

Statt zunächst in Bundeswehrkasernen einzurücken oder eine Zivildienststelle anzutreten, kamen so noch weitere Abiturienten direkt an die Unis. Insgesamt 515.833 Abiturienten nahmen 2011 nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) ihr Studium auf - so viele, wie nie zuvor in der deutschen Geschichte.

Das sprengte kurzfristig nicht nur das Fassungsvermögen der Hörsäle, sondern auch die Wohnungsmärkte in den Uni-Städten. Miethaie witterten vielerorts ihre Chance. In Greifswald verlangte ein Eigentümer für zehn Quadratmeter kleine Zimmer 310 Euro im Monat. "Miese Studentenabzocke", schlagzeilte die Lokalpresse. Von Kiel bis Passau appellierten die Allgemeinen Studentenausschüsse an Wohnungsunternehmen und private Vermieter, günstige Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Emissionshäuser wie Kapitalpartner Campus, Fondshaus Hamburg, Grundkontor und MPC sowie Projektentwickler und Maklergesellschaften vernahmen die Rufe nur zu gern. Schließlich bot ihnen die Wohnungsnot der Studienanfänger die Chance auf hohe Profite mit fremdem Kapital.

Das Konzept stand schnell: Projektentwickler ziehen Studentenwohnheime in die Höhe, veräußern sie an Fondsgesellschaften, die sie wiederum an Betreibergesellschaften vermieten. Die Fondsschmieden investieren jedoch kein eigenes Kapital, sondern werben das zum Kauf nötige Geld bei privaten und institutionellen Anlegern ein.

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