Freitag, 15. November 2019

Kreuzberger Mieter triumphieren Berliner Bezirk vereitelt Häuserkauf durch Rocket Internet

Oliver Samwer (Bild Archiv): Der Gründer und Vorstandschef von Rocket Internet hätte gern Immobilien im Berliner Szene-Stadtteil Berlin Kreuzberg gekauft. Das jedoch verhinderte der Bezirk durch sein Vorkaufsrecht

Die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet stößt bei ihrem angestrebten Einstieg in den Berliner Immobilienmarkt auf Widerstand. Den geplanten Kauf dreier Häuser in Kreuzberg vereitelte der Bezirk.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg habe sein Vorkaufsrecht für die Urbanstraße 67 genutzt, bestätigte der zuständige Stadtrat Florian Schmidt am Freitag entsprechende Medienberichte. Die Häuser gehen demnach an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und eine Genossenschaft.

"In den Gesprächen mit den Vertretern der Käufer habe ich darauf hingewiesen, dass ich mir in Friedrichshain-Kreuzberg keine Investments von Rocket Internet in Bestandsimmobilien wünsche", zitiert die "B.Z" Baustadtrat Florian Schmidt (44, Grüne). Dass das Unternehmen über drei Milliarden Euro in Immobilien investieren wolle, halte er für eine bedenkliche Aussicht.

Eine Gesellschaft von Rocket Internet hatte in der Urbanstraße 67 ein Gebäudeensemble aus zwei Wohnhäusern mit Fabrikgebäude kaufen wollen. Das Bezirksamt befürchtet aber eine Verdrängung der Bewohner, mindestens in einem Drittel der Wohnungen würden Bezieher von staatlichen Leistungen leben, so die "B.Z".

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hingegen äußerte sich kritisch zu dem Vorgehen des Bezirks - und warnte vor den Konsequenzen. "Das Grundgesetz garantiert Gewerbefreiheit und gilt auch in Berlin", sagte Jörg Nolte, Geschäftsführer des IHK-Bereichs Wirtschaft und Politik, laut "Tagesspiegel".


Lesen Sie auch: Warum Rocket Internet den Rückzug von der Börse plant


Gewerbefreiheit umfasse auch das Recht, Immobilien gewerblich zu entwickeln und zu vermarkten. "Aus Sicht der Wirtschaft ist es sehr befremdlich, dass Senat und Bezirke offenbar immer wieder der Meinung sind, dieses Recht gelte nicht für Unternehmen, die von der Politik aufgrund willkürlich anmutender und intransparenter Kriterien als unliebsam eingestuft werden", sagte Nolte dem "Tagesspiegel".

Aus Rocket Internet sind in der Vergangenheit Unternehmen wie Zalando , Hello Fresh und Home24 hervorgegangen. Aus Mangel an ähnlich aussichtsreichen Ideen ließ sich Vorstandschef Oliver Samwer im Juni von den Aktionären grünes Licht geben, nun auch Immobiliengeschäfte zu machen.

Kritiker warnten, Rockets Millionen könnten den Mietenanstieg in der Stadt beschleunigen. Berliner Bezirke haben zuletzt mehrfach ihr Vorkaufsrecht genutzt mit dem Ziel, die Preisspirale zu durchbrechen.

rei mit dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung