Donnerstag, 17. Oktober 2019

Bauprojekt bei Prora gestoppt Bürgerentscheid kippt Turmbau auf Rügen

Der Turm von Prora: 104 Meter in die Höhe
DPA/Drebing Ehmke Architekten

83 Prozent gegen den "Büchterturm Binz": Bei einem Bürgerentscheid haben sich 2400 Einwohner Rügens gegen ein umstrittenes Bauprojekt in der Nähe der NS-Ruine Prora entschieden.

Ein umstrittenes Immobilienprojekt auf der Insel Rügen ist gescheitert. In einem Bürgerentscheid haben sich am Sonntag nach Angaben der Gemeinde mehr als vier Fünftel der Wähler im Ostseebad Binz gegen einen geplanten 104 Meter hohen Wohnturm unmittelbar hinter der NS-Hinterlassenschaft Prora ausgesprochen.

Der Investor Jürgen Breuer kündigte noch am Abend an, das Votum zu akzeptieren. Das Projekt "Bücherturm Binz" werde es damit nicht geben, sagte er. Kritiker des Projektes befürchteten eine Verschandelung der Natur und einen Nachahmereffekt auf Rügen. Bislang gibt es auf der Touristeninsel kein vergleichbares Hochhaus.

"Fehlen nur noch die Flakgeschütze"

Die Gemeindevertretung wollte über den Bürgerentscheid klären, ob sie das gemeindeeigene Grundstück an den Investor für den Bau eines Hochhauses veräußern soll. Bürgermeister Karsten Schneider sagte, die Gemeindevertretung sei gut beraten, sich an das Votum des Volkes zu halten. Von den fast 2900 gültigen Stimmen entfielen knapp 2400 (83 Prozent) auf Nein. Nur 486 stimmten für das Hochhaus.

Bei den Bürgern in Binz hat der Vorschlag seit Monaten für hitzige Diskussionen gesorgt: Einige Einwohner sahen in dem geplanten Bau ein "architektonisches Statement", ein Wahrzeichen, das zu einer Umwertung des durch die langen Nazibauten geprägten Ortes führen könne. Die Mehrzahl hingegen erinnert das Gebäude an einen Wachturm. "Fehlen nur noch die Flakgeschütze", sagt ein Anwohner.

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