Mittwoch, 18. September 2019

Immobilien Hilflose Häuslebauer

Traum vom Eigenheim: Exorbitante Preise, quälend lange Fristen

Goldene Zeiten für Bauunternehmer, harte Zeiten für Bauherren: Die Lust am Betongold sorgt für volle Auftragsbücher. Manch erfolgverwöhnter Unternehmer nutzt seine neue Macht aus: Wie das Bauen im Boom Häuslebauer zur Verzweiflung treibt.

Ein Häuschen in einer Kleinstadt im wachsenden Bonner Speckgürtel, ein Neubaugebiet, nah am Rhein gelegen: Der perfekte Standort für das erste Eigenheim, dachte sich ein Paar aus dem Rheinland. Der Kredit bei der Hausbank war schnell bewilligt, der Kaufvertrag für das Grundstück mit der Immobilienfirma, die als Projektmanager für das gesamte Neubaugebiet auftrat, schnell und unkompliziert unterschrieben.

Mit dem Grundstückserwerb kaufte sich das Paar automatisch auch einige Dienstleistungen der Immobilienfirma ein: Hausplanung, Begleitung bei Behördengängen. Auch eine Baufirma, die als Generalunternehmer den eigentlichen Hausbau übernehmen würde, schlugen die Projektmanager praktischerweise gleich vor.

"Anfangs schien noch alles unkompliziert und zügig zu laufen", sagt Bauherrin Annette Schmidt, die ihren richtigen Namen lieber nicht veröffentlicht sehen will. "Allerdings merkte man schon: Alle beteiligten Firmen hatten zahlreiche Projekte parallel laufen, oft dauerte es eine ganze Weile, bis man jemanden ans Telefon bekam oder bis eine Entscheidung fallen konnte." Ging es bei der Bauplanung im Rahmen des Vertragsabschlusses in die Details, hieß es von den gestressten Immobilienexperten immer: Das regeln wir dann später alles, wenn es an die Ausführungsplanung geht.

Die Baugenehmigung bei den Ämtern, das hatten die Bauherren nicht anders erwartet, dauerte eine Weile. Doch im Sommer 2013 schien endlich alles klar: Die Verträge waren unterzeichnet. "Es hieß dann: Spätestens im September können wir loslegen mit dem Bau", erinnert sich Schmidt. Doch kaum war der Vertrag unterzeichnet, ging dann plötzlich gar nichts mehr zügig und unkompliziert. Erst ließen die Statik und der nötige Energieausweis monatelang auf sich warten. Dann erklärte der Bauunternehmer plötzlich, Teile der Bauplanung seien nicht wie vereinbart umsetzbar.

Warum viele Fragen so lange offen bleiben

"Das war manchmal schon absurd. Da hieß es plötzlich, ein Geländer für den Balkon sei doch nie geplant gewesen. Oder ein geplanter Stahlträger entspräche nicht der Kalkulation. Oder von einer Deckenlampe im Arbeitszimmer sei nie die Rede gewesen", sagt Schmidt. "Alles sollte auf einmal zusätzlich kosten, überall fanden sich Details, die angeblich nur in einer teureren Variante machbar seien."

Wochenlang ging der Unternehmer gar nicht ans Telefon, wenn die Häuslebauer Details besprechen wollten. "Bei einem näheren Blick in den Vertrag wurde uns auch klar, warum: Wir hatten zwar eine Konventionalstrafe für den Fall vereinbart, dass sich der Baubeginn verzögert. Aber diese Frist fängt erst dann an zu laufen, wenn alle offenen Fragen geklärt sind", sagt die 30-Jährige.

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