Samstag, 23. November 2019

Historisches Monument in England Wohnen auf dem Plattencover

Mit viel Geld und etwas Glück lassen sich in London jetzt Wohnungen erwerben, an deren Schaffung nicht nur Stararchitekten mitgewirkt haben, sondern die ihren Weg sogar auf ein Plattencover gefunden haben. Wohnen mit Glamour-Faktor inklusive.

Hamburg - Die Battersea Power Station ist eine Industrieikone Londons. Sie ist mit ihren vier Riesenschornsteinen beeindruckend groß - eines der größten Ziegelgebäude Europas. Sie ist bereits auf der Fahrt mit dem Heathrow Express in die Innenstadt Londons gut zu sehen. Und das ehemalige Kraftwerk ist bekannt; immerhin hat die Rockband Pink Floyd das Riesengebäude auf das Cover ihres Albums "Animals" gehoben.

Auch in Filmen war der Koloss zu sehen, zum Beispiel im Beatles-Movie "Help" oder "Batman". Groß, bekannt, gut sichtbar - die perfekten Zutaten für extrovertierte Wohnungssuchende mit einem gut gefüllten Portemonnaie.

Ab dem 1. Mai kann ihnen geholfen werden. Dann beginnt die Verkaufsphase für Wohnungen in der kernsanierten Power Station. Genauer, für die zweite Tranche dieser Wohnungen. Den ersten Teil hat das Unternehmen bereits verkauft. Die Preise für die Wohnungen der zweiten Tranche - Phase 2 nennt man sie in London -- beginnen bei 800.000 Pfund für das eher schlichte Studio und enden bei 4 Millionen für die Wohnung mit vier Schlafzimmern.

Über einen Mangel an Interesse dürfte sich Entwickler, die Battersea Power Station Developement Company, vermutlich trotz der Preisspanne von 972.000 bis fast 5 Millionen Euro nicht klagen müssen.

Bank of England warnt vor Blasenbildung in der britischen Hauptstadt

Immerhin gilt London als einer der am schnellsten wachsenden Wohnimmobilienmärkte weltweit. Selbst die konservative Bank of England warnte zuletzt vor einer Blasenbildung in der britischen Hauptstadt. Trotzdem wird weiter gekauft - zum einen, weil Immobilien in einem wirtschaftlichen Wackelumfeld wie es Europa derzeit bietet, für viele eine reizvolle Geldanlage sind.

Zum anderen. weil Wohneigentum für die Briten und entsprechend auch für wohlhabende Londoner zur Kultur dazugehören. Und zu guter Letzt hört man in London seit Jahren viel Griechisch, Russisch oder Italienisch auf den Straßen. Denn viele Menschen aus Krisenländern sehen in einer London-Immobilie eine gute Möglichkeit, Schwarzgeld zu investieren.

Das Kraftwerk selbst blickt auf eine lange Historie zurück. Erbaut wurde es in den 30er Jahren und belieferte London mit Energie. In den 80er wurde es vom Netz genommen und das Rätselraten über dessen Zukunft begann. Schnell war klar, dass ein Abriss nicht in Frage käme. Sogar der Fußballverein Chelsea war interessiert, auf dem Areal ein neues Stadion zu errichten - und wollte dabei auch die vier Schornsteine zu erhalten. Den Zuschlag indes erhielten im September 2012 mit Setia und Sime Property zwei Unternehmen aus Malaysia, die dort Wohnungen bauen wollten. Die Planung lag und liegt in den Händen des New Yorker Architekten Rafael Viñoly. Den östlichen Flügel verantwortet Frank Gehry, den westlichen Norman Foster. Ein bisschen Geduld müssen Neueigentümer und jene, die es werden wollen, allerdings mitbringen. Erst 2016 sollen sie einziehen können, sehen die Planungen vor.

Ein teures Vorhaben - allein die Restaurierung des Bauwerks soll in der Summe 750 Millionen Pfund kosten, also rund 911 Millionen Euro, schreibt Entwickler Battersea Power Station Developement Company. Immerhin fehlte dem Gebäude seit Jahren ein Dach, so dass es den Elementen schutzlos ausgesetzt war. Den potentiellen Käufern dürfte das egal sein. Denn erst kürzlich machte die Meldung die Runde, dass eine Garage in London für 550.000 Pfund verkauft wurde.

Im Vergleich dazu wirkt das Battersea-Vorhaben mit seinen Stararchitekten und seiner Geschichte schon fast wie ein Schnäppchen. Zumindest beinahe. Für alle anderen bleibt der virtuelle Rundgang.

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