Dienstag, 10. Dezember 2019

Ökofonds Grüne Renditebringer

Hängende Gärten im Flughafen von Singapur: Anleger können beim Immobilieninvestment auf Umweltgesichtspunkte achten
Changi Airport
Hängende Gärten im Flughafen von Singapur: Anleger können beim Immobilieninvestment auf Umweltgesichtspunkte achten

Nicht jede grüne Geldanlage ist gleich ein Geldgrab à la Prokon. Wer es richtig macht, kann vielmehr etwas für die Umwelt tun und fürs Bankkonto. Eine Möglichkeit sind geschlossene Ökofonds, die es auch mit Immobilien gibt. Die Investments bergen aber Risiken.

Frankfurt/München - Geschlossene Ökofonds stecken das Geld ihrer Anleger in Wind- und Solarparks, in Wasserkraftwerke, Biogasanlagen, nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Mais oder neuerdings in nach nachhaltigen Kriterien gebaute Immobilien. Zusätzlich zur üblichen Rendite unterstützen Kapitalgeber also nachhaltige Projekte.

"Die doppelte Dividende ist die Triebfeder, die private und institutionelle Anleger motiviert", glaubt Robert Haßler, Vorstand der auf Nachhaltigkeitsratings spezialisierten Agentur Oekom-Research in München. Vor dem Engagement ist aber ein genauer Blick auf die Einzelheiten angebracht.

Die Anlagesummen liegen meist bei 10.000 Euro an aufwärts. Dazu kommt ein Ausgabeaufschlag um die 5 Prozent. Im deutschsprachigen Raum gibt es fast 400 nachhaltige Publikumsfonds mit einem Gesamtkapital von rund 38 Milliarden Euro. Geschlossene Fonds haben in Deutschland einen Anteil von etwa 720 Millionen Euro.

Technisch funktionieren die geschlossenen Ökofonds wie ihre offenen Pendants. Sie sammeln so viel Geld von Anlegern ein, bis eine bestimmte Eigenkapitalquote erreicht ist. Danach machen sie dicht. Der Nachteil: Wer einmal drin ist, hat - im Unterschied zur offenen Variante - nur geringe Chancen wieder rauszukommen.

Maximale Kreditquote beträgt 60 Prozent

Das wird problematisch, falls der Fonds schlecht läuft oder der Investor sein eingezahltes Kapital plötzlich braucht. "Der Anleger ist quasi gefesselt", sagt Ulf Moslener, wissenschaftlicher Leiter des UN-Forschungszentrums nachhaltige Finanzierung (UNEP) an der Frankfurt School of Finance.

Ein weiteres Risiko resultiert aus der teilweisen Finanzierung über Bankkredite. Die Ansprüche der Institute werden zuerst bedient, der direkt am Projekt beteiligte Anleger kommt erst an zweiter Stelle. "Ich bin als Eigenkapitalgeber einfach höher im Risiko. Dafür winkt mir eine höhere Rendite", erläutert Moslener.

Seit Juli 2013 darf die Fremdkapitalquote nur noch 60 Prozent betragen. Fonds nach diesem Modell kommen nach Angaben von Daniel Kellermann, Geschäftsführer der in Nürnberg ansässigen Info- und Beratungsgesellschaft GreenValue, derzeit auf den Markt.

Kellermann sieht beim versprochenen Gewinn sehr genau hin. Für ihn sind zum Beispiel für Solarinvestments "in hiesigen Breiten mehr als 10 Prozent nicht darstellbar." Außerdem bieten existierende Projekte meist niedrigere Profite als solche in der Entwicklungsphase - hier ist die Gefahr des Scheiterns größer: Die eine Fondsgesellschaft sucht noch den geeigneten Standort für ihre Windkraftanlage, die Mühlen der anderen Fondgesellschaft machen schon kräftig Strom.

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