Montag, 18. November 2019

Lukrative Geschäfte New Yorker Immobilienboom lässt Kirchen frohlocken

Lobet den Herrn: Die Geistlichen in Big Apple machen Geld am Immobilienmarkt - zum Teil viel Geld

Gelobt sei der Herr: In New York mischen am Immobilienmarkt auch die Kirchen kräftig mit. Um ihre wohltätige Arbeit finanzieren und marode Gebäude sanieren zu können, machen sie Liegenschaften zu Geld. Ein lukratives Geschäft - dank stark steigender Immobilienpreise.

New York - Als Geschenk des Himmels empfinden derzeit viele Kirchenleute in New York den anhaltenden Immobilienboom in der US-Metropole. Die chronisch klammen Einrichtungen haben mitunter einiges an Liegenschaften im Besitz. Und die versilbern sie gegenwärtig fleißig, um ihre wohltätige Arbeit finanzieren zu können.

"So wie jetzt wird der Markt nie wieder", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Reverend der historischen Bischofskirche in Brooklyn, Christopher Ballard. "Wenn nicht jetzt, wann dann", fragt er mit Blick auf mögliche Veräußerungen.

Ballard habe bereits beschlossen, das Pfarrhaus der Kirche sowie einen dazugehörigen 4000-Quadratmeter-Parkplatz zu verkaufen. Als Preis stehen 8,6 Millionen Dollar im Raum, heißt es.

Das Geld kann seine Kirche gut gebrauchen. Wie viele andere in New York handelt es sich um ein historisches Gebäude, errichtet im Jahr 1891. Inzwischen sind dringend Reparaturen und Sanierungen erforderlich, und die gibt es nicht kostenlos.

Das Ballard kein Einzelfall ist, weiß auch Mitchell Moss, Professor für Stadtpolitik und -Planung an der New Yorker Universität. Für Geistliche in Stadtteilen wie Manhattan oder Brooklyn gehöre das Immobilienmanagement inzwischen zum Jobprofil, sagte der Experte zu Bloomberg. "Der einzige Unterschied zwischen einem Immobilienentwickler und einem Mitglied des Klerus ist die Kleidung", so Moss.

Gewerbeimmobilienmarkt vor Rekordergebnis

Dabei kommt den Kirchen die rasante Marktentwicklung der vergangenen Jahre entgegen. Laut Bloomberg sind die Preise für gewerbliche Immobilien in New York angesichts großer Nachfrage ähnlich gestiegen, wie im Wohnimmobilienbereich. In Manhattan werde der Quadratmeter Bauland derzeit für rund 4500 Dollar (etwa 3300 Euro) gehandelt. 2012 seien es noch 3600 Dollar gewesen, so Bloomberg.

Der Gewerbeimmobilienmarkt erreiche in diesem Jahr vielleicht ein Rekordvolumen von 63 Milliarden Dollar, so die Agentur. Das wäre ein Anstieg von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch in Nord-Manhattan gibt es Interesse an kirchlichem Immobilienbesitz. Die dortige 88 Jahre alte Wadsworth Avenue Baptist Church in Washington Heights sei auf dem Markt für acht Millionen Dollar. Es sei geplant, ein neues Kirchengebäude zu bauen, dass nur ein Drittel des Grundstücks benötige. Der Rest solle veräußert werden.

Nächstes Beispiel: Die French Evangelical Church an der 16. Straße in Chelsea. Das Gebäude aus dem Jahr 1835 drohte bereits einzustürzen. Erst ein Deal mit der Immobilienfirma Einhorn Development Group brachte die Erlösung: Die Transaktion spülte rettende vier Millionen Dollar in die Kirchenkasse.

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