Donnerstag, 17. Oktober 2019

Las Vegas in Spanien Eurovegas könnte an Rauchverbot scheitern

Las Vegas in Spanien: Viva Eurovegas
DPA

Der US-Tycoon Sheldon Adelson will einen riesigen Kasino-Komplex vor den Toren Madrids aus dem Boden stampfen. Dafür hat die Regionalregierung schon mehrere Gesetze angepasst. Doch nun droht "Eurovegas" am Rauchverbot zu scheitern.

Madrid - Blauer Dunst über "Eurovegas": Die Zukunft eines gigantischen Bauprojekts in Spanien liegt im Nebel. Eigentlich hätte im Dezember der Grundstein zur Errichtung eines "europäischen Las Vegas" vor den Toren von Madrid gelegt werden sollen. Aber von diesem Termin spricht in der spanischen Hauptstadt niemand mehr. Mittlerweile scheint es sogar zweifelhaft zu sein, ob der geplante Hotel- und Kasino-Komplex jemals errichtet wird.

Das strikte spanische Rauchverbot ist zu einem großen Hindernis bei der Realisierung des Milliardenprojekts geworden. In Spanien darf in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind, nicht gequalmt werden. Raucherlokale sind - anders als in Deutschland - nicht erlaubt. Der amerikanische Kasino-Tycoon Sheldon Adelson verlangt jedoch, dass in dem von ihm geplanten "Mini-Las-Vegas" geraucht werden darf. In dieser Frage lässt der 80-jährige Multimilliardär nicht mit sich verhandeln. Das hat er bei Besuchen in Spanien wiederholt deutlich gemacht.

Das "Eurovegas"-Projekt, wie das Vorhaben in Spanien genannt wird, sieht eine Investition von 17 Milliarden Euro bis 2020 vor. In drei Phasen sollen nach Angaben der Madrider Regionalregierung auf einer Brachlandschaft am Rande der Vorstadt Alcorcón zwölf Hotels mit 36.000 Betten, sechs Kasinos, sieben Theater, drei Golfplätze, ein Kongresszentrum, ein Stadion und Dutzende Restaurants entstehen. Unter dem Strich sollen - direkt und indirekt - 260.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Regionalregierung hat, um den Vorstellungen von Adelson und dessen Konzern Las Vegas Sands entgegenzukommen, bereits eine Reihe von Vorschriften und Steuergesetzen angepasst. Nur beim Rauchverbot sind ihr die Hände gebunden, denn dafür ist die spanische Zentralregierung zuständig. "Wenn wir nicht clever sind, können wir 'Eurovegas' verlieren", warnte der Chef der Regionalregierung, Ignacio González. "Es besteht ein ernsthaftes Risiko, dass der Komplex in einem anderen Land errichtet wird."

Mafia, Geldwäsche, Prostitution

González versteht nicht, weshalb sein konservativer Parteifreund Mariano Rajoy keine Anstalten macht, das Rauchverbot zu lockern. Der spanische Ministerpräsident, ein passionierter Zigarrenraucher, will sich in dieser Frage nicht festlegen. Gesundheitsministerin Ana Mato sagte bei einer Anhörung im Parlament: "Es wäre verantwortungslos, das Projekt zurückzuweisen." Zugleich aber betonte sie: "Der Schutz der Gesundheit hat für die Regierung Priorität."

Die Hinhaltetaktik Rajoys ließ in Spanien die Vermutung aufkommen, die Regierung könne Zweifel an der Finanzierbarkeit des Vorhabens haben. Industrieminister José Manuel Soria heizte solche Spekulationen an. "Das Problem liegt bei den Finanzen", sagte der Minister. "Wir wissen nicht, ob sie (Adelson und Las Vegas Sands) die Mittel auftreiben."

Spanien käme mit seiner Arbeitslosenquote von 26 Prozent und seiner hohen Staatsverschuldung die Milliarden-Investition durchaus gelegen. Aber das Projekt ist umstritten. Die Parteien der Links-Opposition sind dagegen, dass die spanische Gesetzgebung sich nach den Vorstellungen eines US-Konzerns richtet. Sie betrachten "Eurovegas" zudem als ein "Instrument der Geldwäsche".

Die katholische Kirche und ultrakonservative Kreise in der Regierungspartei PP lehnen das Projekt aus moralischen Gründen ab. Sie befürchten, dass der Kasino-Komplex Mafias anlocken und die Prostitution fördern werde.

ts/dpa-afx

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