Sonntag, 13. Oktober 2019

Debatte um Wohnungspolitik Kaufen besser als Mieten - und wie reagiert die Politik?

Käufer einer Immobilie oder Eigentumswohnung sind zwar nicht per se nicht die glücklicheren Menschen als Mieter, doch schneiden sie finanziell nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln oft deutlich besser ab - wegen der extrem niedrigen Zinsen

2. Teil: So könnten auch Geringverdiener mehr Eigentum erwerben

Laut Voigtländer ist der Hauptgrund für die geringe Eigentumsquote in Deutschland der Mangel an Eigenkapital bei den potenziellen Käufern. "Wer eine Immobilie erwirbt, muss rund 20 Prozent Eigenkapital in die Finanzierung mit einbringen", so der Experte. Darüber hinaus fielen Nebenkosten etwa durch Grunderwerbsteuer, Grundbucheintrag und Notarkosten an. "Alles in allem braucht ein Haushalt also rund 30 Prozent des Kaufpreises in liquiden Vermögenswerten."

Vor allem Geringverdiener sind da schnell überfordert. Laut Voigtländer wäre es jedoch sinnvoll, auch diese Einkommensgruppe bei der Eigentumsbildung zu unterstützen, und zwar mit einer Förderpolitik, die sowohl die Lasten für den Steuerzahler als auch für den Käufer begrenzt.

"Ein solches Modell könnte über staatlich garantierte Nachrangdarlehen ermöglicht werden", schlägt der Fachmann vor. Die Idee: "Gewährt der Staat in einem definierten Einkommensbereich garantierte Darlehen, könnten die Haushalte die Darlehen als Eigenkapitalersatz in die Finanzierung einbringen", so Voigtländer. "Aufgrund der derzeit niedrigen Zinsen könnten die Haushalte trotz einer insgesamt hohen Fremdkapitalquote damit ihre Wohnkosten im Vergleich zur Miete reduzieren."

Bleibt vor allem eine Frage: Was ist, wenn die Zinsen wieder steigen und die Preise am Immobilienmarkt plötzlich fallen sollten. Würde das nicht gerade Haushalte mit geringem Einkommen schnell in eine Finanzierungsfalle bringen, weil die Belastung plötzlich zu groß würde?

Vor einer drohenden Preisblase vor allem in begehrten Lagen von Metropolen wie Hamburg oder München warnen seit geraumer Zeit verschiedene Fachleute, allen voran die Bundesbank, die vom Gesetzgeber sogar schon Sicherungsmechanismen dagegen fordert.

"Wem es bei den mittlerweile seit fünf Jahren kräftig steigenden Häuserpreisen langsam mulmig zumute wird, sollte seinem Bauchgefühl ruhig vertrauen", sagt auch Commerzbank-Experte Marco Wagner. Der Boom werde zwar weitergehen - Investitionen in Immobilien würden aber riskanter.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung